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Es geht - ob mit oder ohne Seilbahn

Verkehrskonzept Lahnberge Es geht - ob mit oder ohne Seilbahn

100 Millionen Kilometer fahren Studierende und Mitarbeiter von Klinikum und Uni jedes Jahr, um vom Lahntal auf die Lahnberge zu kommen. Ein klimafreundliches Mobilitätskonzept würde sich also richtig lohnen.

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Etwa 100 Menschen verfolgten am Freitagabend die Vorstellung einer Studie, die sich mit Möglichkeiten für einen klimafreundlicheren Verkehr von und zu den Lahnbergen auseinandersetzt. Wolfgang Nickel (kleines Bild) referierte.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Bürgermeister und Baudezernent Dr. Franz Kahle (Bündnis 90/Die Grünen) hatte für Freitagabend eingeladen, um Grundzüge eines Konzepts vorzustellen, das die Planungsgruppe Nord in Kassel im Auftrag der Stadt erstellt hat. Diskutiert wurde aber nur über eines: über den Plan, eine Seilbahn vom Lahntal auf die Lahnberge zu bauen und in den Öffentlichen Nahverkehr zu integrieren.

Trotz des ungünstigen Termins und des für viele unbekannten Veranstaltungsorts - einem großen Hörsaal im Universitätsklinikum - waren nämlich zahlreiche Seilbahngegner erschienen, die die Gelegenheit nutzten, dem Bürgermeister ihre ablehnende Haltung zu dem umstrittenen Projekt zu demonstrieren.

Professor Georg Friedrich etwa, einer der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) gegen den Seilbahnbau vom Ortenberg, wies darauf hin, dass 98 Prozent der Ortenberger laut einer BI-Umfrage eine Seilbahn ablehnen. Gerhard Haberle von der Marburger Agenda-Gruppe legte dem Bürgermeister eine Bürgerbefragung zum Thema ans Herz; Lutz Münzer warnte, eine Seilbahnverbindung berge die Gefahr, die Buslinien vom Lahntal auf die Lahnberge auszudünnen.

Ob mit oder ohne Seilbahn - weitgehend unbestritten ist die Notwendigkeit, den Anteil des Pkw-Verkehrs zu den Lahnbergen zu reduzieren durch die Schaffung attraktiver Alternativen.

Diplom-Ingenieur Wolfgang Nickel hat dazu Vorschläge entwickelt, unter anderem:

  • die Erschließung des Universitätsgeländes auf den Lahnbergen durch eine Buslinie mit mehreren Haltestellen.
  • Ausbau des Busverkehrs auf die Lahnberge mit weiteren schnellen Direktverbindungen, um Fahrtzeiten zu erreichen, die unter denen für Pkw liegen.
  • Ausbau von Verbindungen für Fahrräder und Pedelecs, etwa von Zahlbach/Alter Kirchhainer Weg, Großseelheimer Straße, Ortenberg oder Waldtal. Der Höhenunterschied zwischen Berg und Tal von etwa 170 Metern sei auf für Zweiräder geeigneten Strecken zu bewältigen - für geübte Radfahrer, erst recht für Pedelecs, also Räder, bei denen der Fahrer beim Treten von einem Elektroantrieb unterstützt wird.
  • bequeme Umsteigmöglichkeiten mit kurzen Wartezeiten von einem Verkehrsmittel zum anderen. Nickel: „Die Menschen sind mehr als früher bereit, mehrere Verkehrsmittel flexibel zu nutzen.“
  • Mobilitätsmanagement für den Standort Lahnberge durch die Stadt, die Universität und das UKGM - etwa den Ausbau von Car-Sharing oder von Verleihstationen für Fahrräder und Pedelecs.

Durch all diese Ansätze, so hat Planer Nickel errechnet, ließe sich die CO2-Belastung durch den Verkehr zu und von den Lahnbergen knapp ein Viertel oder um jährlich 1880 Tonnen reduzieren. Die Kosten würden wohl im niedrigen einstelligen Millionenbereich liegen.

Weitere 1100 Tonnen CO2 könnten durch eine Seilbahn eingestellt werden, sagt Nickel voraus. Sie wäre vor allem für Menschen attraktiv, die in der Innenstadt wohnen. Ein Park-and-ride-System zur Seilbahn spielt nämlich in diesen Überlegungen keine Rolle. Knapp 20000 Fahrten täglich prognostiziert Nickel, wenn die Seilbahn eine ausreichende Leistungsfähigkeit erreicht und etwa durch die Möglichkeit der Fahrradmitnahme zusätzlich attraktiv wird. Kosten: 30 bis 50 Millionen Euro, wie Kahle schätzt.

Fazit der Veranstaltung: Ein klimafreundlicherer Verkehr von und zu den Lahnbergen ist möglich - ob mit oder ohne Seilbahn. Einige der Anregungen werden in der Kommunalpolitik weiterentwickelt werden.

Und die Seilbahn? Eine technische Machbarkeitsstudie wird am 2. Dezember vorgestellt - wieder auf den Lahnbergen.

Der Widerstand gegen das Projekt wird dort nicht kleiner sein.

von Till Conrad

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