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„Es fehlt immer noch an Existenziellem“

Rumänien „Es fehlt immer noch an Existenziellem“

In Rumänien gibt es so gut wie keine Mittelschicht. Entweder sind die Menschen reich oder sie sind arm. Und die, die arm sind, bilden mehr als 85 Prozent der Bevölkerung. Sie brauchen Hilfe.

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Ein Blick in einen Kindergarten, in dem die Kinder auch schlafen.

Quelle: Privat

Marburg. Bernd Fiebiger aus Bauerbach und Manfred Kietzke aus Kirchhain gehören zu dem harten Kern des Ortsverbundes Marburg vom Verein Helfen um zu helfen“, der im Jahr 2000 in Bremervörde gegründet wurde. Sie führen in Eigenregie humanitäre Hilfstransporte nach Rumänien durch. Und „in Eigenregie“ heißt auch, dass sie den Transport begleiten und am Zielort die Verteilung der Sachspenden übernehmen, damit die Hilfe auch da ankommt, wo sie benötigt wird. Denn wo nichts ist, gibt es auch Menschen, die abgreifen, um zu verkaufen oder zu tauschen.

Die Fahrten gehen immer nach Hermannstadt und seit 2013 auch in das in der Nähe liegende Agnita. Die meisten Spenden sind für Krankenhäuser, Kindergärten, Waisenkinder- und Altenheime gedacht.

„Wir wollen uns immer selbst überzeugen, dass Hilfsmittel für das Krankenhaus, etwa Rollstühle und medizinisches Gerät auch dort ankommt“, sagt Fiebiger. Er weiß, dass die Ladungen von einem Lkw oder auch zwei oder drei, die schwer zu finanzieren sind, ein Tropfen auf den heißen Stein sind, aber besser als gar nichts.

„Manche alte Menschen verlassen gar nicht mehr ihr Bett, weil sie nichts anzuziehen haben“, erzählt Fiebiger. Rumänien ist und bleibt wohl auch noch eine ganze Weile eine völlig andere Welt mitten in Europa. „Es fehlt an allem“, sagt Kietzke. Kinder tragen auch im Winter keine Socken, und dem Sportverein fehlt Seife zum Duschen. Kliniken freuen sich über Waschmaschinen oder Trockner, für Privatfamilien ist eine Matratze schon ein Geschenk des Himmels.

Die Mitglieder des Vereins, die den Transport begleiten, tun dies ehrenamtlich. Schwierig ist es immer wieder die Fahrzeuge zu finanzieren. Benzin und Maut-Kosten kommen noch oben drauf. Und doch fahren sie zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Dezember, nach Rumänien.

„Wir nehmen alles mit, was Sinn macht. Gerne auch Elektrogeräte für die Küche, Geschirr und Besteck, gut erhaltene Bettwäsche, Spielsachen und Kinderwagen“, sagt Fiebiger. Er macht sich die Mühe und inspiziert die Sachspenden. Man soll es kaum glauben, aber manche „Spender“ betrachten so eine Hilfslieferung offensichtlich auch als Billiglösung, ungeliebte Sachen loszuwerden, die auch in Rumänien niemand gebrauchen kann.

Wer den Verein unterstützen möchte, kann auch Mitglied werden, der Jahresbeitrag beträgt 20 Euro. In Rumänien gehört es dazu, dass die Helfer aus dem Landkreis auch offiziell empfangen werden. Vom Bürgermeister und der Kliniksleiterin. Man kennt sich schon und schätzt sich auch. In puncto Freundlichkeit sind die Rumänen sehr weit vorn. Jede Fahrt birgt aber auch wieder ein Abenteuer, gestaltet sich anders. Dieser Reiz und der Wille helfen zu wollen treibt Fiebiger und Kietzke an, noch möglichst lange humanitäre Hilfs-Fahrten nach Hermannstadt zu unternehmen.

Wer helfen will, kann sich melden bei Bernd Fiebiger unter Telefon 06421/12837 oder mobil 0152/02037172 oder Manfred Kietzke unter Telefon 06422/3939.

von Götz Schaub

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