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Erzieherinnen fordern deutlich mehr Geld

Warnstreik in Marburg Erzieherinnen fordern deutlich mehr Geld

100 Prozent Unterstützung: Alle von der Gewerkschaft Verdi aufgerufenen Einrichtungen nahmen an einem Warnstreik teil, der mit einem spontanen Gang zum Marburger Rathausplatz endete.

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Nach einem gemeinsamen Spaziergang versammelten sich die warnstreikenden Erzieherinnen und Erzieher aus Marburg, Weimar und Wetter auf dem Marburger Marktplatz zu einem kurzen Abschluss unter den Klängen einer Straßenmusiker-Band.

Quelle: Götz Schaub

Marburg. Sonnenfinsternis, Pilotenstreik, Bayern spielt gegen Porto. Das mögen für viele Menschen hier im Kreis die Nachrichten des Freitags gewesen sein, doch es gab noch eine wichtige. Eine, die sich noch entwickeln wird, die sich in den nächsten Wochen immer mehr in den Vordergrund schieben wird. Dreimal rief Verdi in der vergangenen Woche in Hessen zu Warnstreiks in Kindertagesstätten, Sozialämtern und Behinderteneinrichtungen auf.

Verdi fordert von der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) eine Neuregelung der Eingruppierungsvorschriften und Tätigkeitsmerkmale. Das würde für die bundesweit rund 240000 Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst zu Einkommensverbesserungen von durchschnittlich zehn Prozent führen. Berechtigt, wie die Teilnehmer des Warnstreiks in Marburg finden. Gekommen waren Erzieherinnen und Erzieher aus den Marburger Einrichtungen „Am Teich“, „Auf der Weide“, „Hort Richtsberg“ sowie von den Betreuungsangeboten der Geschwister-Scholl-Schule und der Erich-Kästner-Schule sowie aus den Weimarer Kindergärten Roth, Oberweimar und Niederwalgern und aus den Kindergärten Wetter und Treisbach.

Verhandlungen am 9. April

Nach einer Zusammenkunft im Gewerkschaftshaus in der Bahnhofstraße ging es spontan durch die Oberstadt zum Marktplatz. Also Spaziergang zum Equal-Pay-Day am Freitag, der für Frauen gegenüber Männern gleichen Lohn für gleiche Arbeit fordert. „Die Zeiten und Aufgaben haben sich lange geändert. Heute lautet unser Auftrag Betreuung, Erziehung und Bildung, aber das Gehalt ist das für eine reine Betreuung geblieben“, sagt Elke Siebler, Leiterin des Kinderhorts Richtsberg. Eine Erzieherin, die 39 Stunden in der Woche arbeitet, freut sich über ein Monatsgehalt von rund 1800 bis 1900 Euro netto. Ein Fulltimejob, der einiges abverlangt, aber bei diesem Gehalt kaum Möglichkeiten bietet, sich privat etwas aufzubauen. „Es wäre schön, wenn es am Montag zu einer Einigung käme“, sagt Verdi-Sekretär Jürgen Lauer über den zweiten Verhandlungstag der Tarifparteien, der am Montag in Münster stattfindet. Lauer machte wenig Hoffnung auf ein Wunder, denn die Gegenseite habe noch keinen Willen für eine deutliche Gehaltserhöhung beziehungsweise neue Eingruppierung gezeigt.

Der nächste Verhandlungstag ist auch schon terminiert und soll am 9. April stattfinden. „Wenn es also am Montag keine Bewegung gibt, dann ist dieser Warnstreik nur der erste von vielen Streikaktionen, die bis zum 9. April stattfinden werden“, so Lauer kämpferisch und erhielt klatschende Zustimmung. Aus allen Einrichtungen war jeweils das komplette Personal gekommen. Und darüber hinaus auch einige Eltern mit Kindern. Die Akzeptanz bei den Eltern sei sehr hoch, auch wenn die Streiks bei manchen Eltern Probleme aufwerfen, wo sie in dieser Zeit ihr Kind lassen sollen. Erzieher Francesco Arman sagt: „Es wird Zeit, dass Frauen bezahlt werden wie Männer. Das gilt auch für Friseurinnen und Kassiererinnen. Ihnen fehlt eine Lobby.“

Während ihres Spaziergangs trafen die rund 100 Teilnehmer auf drei Straßenmusikanten, die spontan musizierend mitmarschierten und so für mehr Aufmerksamkeit sorgten. Die Musiker erhielten dafür einige Spenden. Unter den Teilnehmern des Warnstreiks waren auch Politiker wie Henning Köster (Die Linke) und Monika Biebusch von der SPD Marburg sowie Christa Winter, Referatsleiterin und Frauenbeauftragte der Stadt Marburg und Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach, wie sie selbst sagt auch als „Mutter, Frau und Mensch“.

von Götz Schaub

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