Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Erstmals steht eine Frau an der Spitze des Kreisbauernverbands

Karin Lölkes gewählt Erstmals steht eine Frau an der Spitze des Kreisbauernverbands

Als erste Frau an der Führungsspitze wählte der Kreisbauernverband Marburg-Kirchhain-Biedenkopf die CDU-Kommunalpolitikerin Karin Lölkes zur neuen Verbandsvorsitzenden und Nachfolgerin des scheidenden Verbandsleiters Erwin Koch.

Voriger Artikel
Blockupy, Großbrand, Ortsbeiräte
Nächster Artikel
Schwieriges Überleben in Deutschland

Der neue Vorstand des Kreisbauernverbandes Marburg-Kirchhain-Biedenkopf: Reiner Nau (von links), Johannes Wagner, Walter Preuß, die neu gewählte Vorsitzende Karin Lölkes und Josef Nau gemeinsam mit dem ehemaligen Vorsitzenden Erwin Koch und Geschäftsführerin Anja Püchner.

Quelle: Ina Tannert

Roth. Die neue Verbandsvorsitzende Karin Lölke ist CDU-Kommunalpolitikerin. Die 53-Jährige betreibt einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb in Obersimtshausen mit Schwerpunkt Milchviehhaltung. Seit 1993 ist sie in ihrer Gemeinde, seit 1999 im Kreistag politisch aktiv. Der Landwirtschaft gelte dort ihr „vorrangiges Interesse“, sei ihr „eine Herzensangelegenheit“, betonte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU. Mit ihr steht erstmals eine Frau an der Spitze der Interessenvertretung.

In ihrer neuen Position betrachtet sich Karin Lölkes als „Moderatorin und Botschafterin für die Verbandsinteressen“. Sie werde sich bemühen, alle Fragen offen zu diskutieren, versprach sie den Delegierten.

Karin Lölkes löst Erwin Koch als Vorsitzende ab

Zur Bildergalerie

Darüber hinaus wählte der Verband erneut Josef Nau aus Schröck in den Vorstand. Dagegen stellte sich Karl-Heinz Weber nicht zur Wiederwahl. An seiner statt wählte die Versammlung Walter Preuß aus dem Hinterland in die Führungsebene.

Zuvor hatten zahlreiche Verbandsmitglieder und Gäste aus der Politik den streitlustigen, für seine hartnäckige Diskussionsfreude bekannten Vorsitzenden Erwin Koch herzlich und nicht ohne etwas Stichelei verabschiedet. Am eigenen Leib hätten zahlreiche Anwesende die Diskussionslust des 67-Jährigen erfahren, erinnerte Landrätin Kirsten Fründt (SPD). „Wir müssen mal reden“, habe stets die direkte Aufforderung des langjährigen Vorsitzenden zum kritischen Austausch mit politischen Vertretern gelautet, berichtete Kreistagsvorsitzender Detlef Ruffert (SPD). Der engagierte Verbandschef habe es stets „mit großem Engagement, Lautstärke und mit Vehemenz“ geschafft, andere zum Nachdenken zu bewegen, lobte Ruffert.

Einen Rückblick auf die vergangenen neun Jahre seiner Amtszeit gab Koch am Samstag nicht - bis zum späten Nachmittag habe die Versammlung schließlich nicht Zeit.

Kritik an unausgereiften, fachlich falschen Reformen

Koch bedankte sich für „eine schöne Zeit und gute Zusammenarbeit“ bei seinen Verbandskollegen. Sein Ziel sei es immer gewesen, sich für die Landwirte mit aller Energie einzusetzen. Das habe er getan und stets Spaß dabei gehabt.

Zum Abschied durfte ein wenig knallige Koch-Rhetorik natürlich auch nicht fehlen. Statistisch betrachtet gebe es im Landkreis noch 250 landwirtschaftliche Betriebe, dafür deutlich mehr Akademiker: Auf jeden Bauernhof kämen jede Menge Studenten und viele Professoren, rechnete der Ex-Vorsitzende vor. In einem Land, in dem Bildung so groß geschrieben werde, gebe es jede Menge schlaue Menschen, die alle genau wüssten, wie diese Höfe zu arbeiten hätten. „Und nach diesen klugen Leuten, die alle keine Ahnung haben, müssen wir uns richten“, sagte der scheidende Vorsitzende. Ständig wechselnde Vorschriften, mit denen die Bauern zu kämpfen hätten, seien laut Koch nicht auf Fach­wissen, sondern ausschließlich auf akademischen Titeln gewachsen. Ein Staat dürfe nicht „nach Gutsherrenart wie im Mittelalter“ mit seinen Landwirten umgehen, sagte er und kritisierte die Hofabgabe­klausel und die Abschaffung der Milchquote. Zum Abschluss rief er seine Verbandskollegen dazu auf, „äußerst kritisch“ gegenüber der Politik zu bleiben. Ein passendes Vermächtnis des streitbaren Bauernvertreters.

Im Namen des Verbandes dankte Stellvertreter Johannes Wagner dem scheidenden Vorsitzenden für seinen Einsatz für die Interessen der Landwirte. Koch habe immer auf Ungereimtheiten aufmerksam gemacht und sei dabei stets hartnäckig geblieben, lobte Wagner.

Während der Versammlung diskutierte der Verband auch aktuelle Sorgen der Landwirte. „Unausgereifte und fachlich falsche Reformen“ der europäischen Agrarpolitik machten Landwirten das Leben schwer, betonte Thomas Kunz, Vizepräsident des hessischen Bauernverbandes. Das Ziel des Ver­bandes sei eine „gesetzliche Waffengleichheit“ mit dem besser gestellten Naturschutz und der Forstwirtschaft. Kunz sprach sich für ein Landwirtschaftsgesetz und für Bürokratieabbau aus.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Karin Lölkes löst Erwin Koch ab

„Neun Jahre sind genug“, verabschiedete sich der scheidende Vorsitzende Erwin Koch während der Mitgliederversammlung des Verbandes aus dem Vorstand und befürwortete „ein neues Gesicht im Vorstand“. Das erhielt die Interessenvertretung der Landwirte mit Karin Lölkes.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr