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„Erstis“ erkunden die Stadt

Semesterstart „Erstis“ erkunden die Stadt

Die Orientierungswoche für Marburgs Erstsemester hat begonnen. Mehrere tausend Studenten tummeln sich derzeit in der Stadt und auf dem Campus, um ihren neuen Studienort zu erkunden.

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Viele Studenten sind derzeit in Marburg unterwegs – wie hier auf dem Wolfgang-Abendroth-Steg.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. Es ist ein vertrautes Bild für viele Marburger: junge Menschen, die in Gruppen in der Stadt und auf dem Campus unterwegs sind. Jedes Jahr läutet es den Beginn eines neuen Semesters ein.

Aylin Dingel (19) und Claudia Ruppert (18) (Foto, von rechts) lehnen an der Mauer vor dem Studentenhaus und genießen die Sonne. Um die Schulter haben sie lässig einen Jutebeutel gehängt, den auffallend viele „Erstis“, die an diesem Vormittag den Hermann-Cohen-Weg rauf und runter laufen, bei sich tragen. Ein Geschenk des Allgemeinen Studierenden Ausschusses (Asta). „Träume brauchen Freiräume“ steht in pinkfarbenen Lettern darauf. Was ist drin? „Wir haben hier einen Asta-Terminkalender, Infoflyer.“ Claudia wühlt sich durch die bunten Papierbögen. „Und, oh, ein Kondom“, sagt sie, hält eine silberne Verpackung hoch und lacht ihrer neuen Freundin Aylin zu.

Aylin und Claudia sind zwei von mehreren tausend Studenten, die in diesem Semester ihr Studium an der hiesigen Universität aufnehmen. Ihr Fach: Sozialwissenschaften. „Ich hab mich durch das komplette Studienangebot der Universität gelesen und bin bei dem Studienfach einfach hängen geblieben“, antwortet Aylin auf die Frage, warum sie sich für dieses Fach entschieden hat. Sie pendelt von Homberg aus nach Marburg. Für Claudia, die aus der Nähe von Köln kommt, war dies keine Option. Sie hat sich ein WG-Zimmer in Marburg gesucht und hatte keine Probleme, eins zu finden. „Ich habe früh genug Bescheid bekommen und hatte deshalb genügend Zeit mich umzugucken“, erklärt sie.

Weniger glücklich verlief die Wohnungssuche für Moritz Winterling (19) (Foto). Der angehende Lateinstudent hat eine wahre Odyssee hinter sich: „Ich habe mir 15 Wohnungen in einer Woche angeschaut“, erzählt der Bad Hersfelder. Inzwischen hat er etwas Passendes gefunden.

Ähnlich erging es auch Kerem Güvenc (Foto). Fünf Mal musste er aus seiner Heimatstadt Hamburg nach Marburg reisen, um ein Zimmer zu finden. Immer wieder bekam er Absagen „Das war ganz schön teuer und sehr frustrierend“, erinnert sich der 26-Jährige. So frustrierend, dass er seinen Studienplatz beinahe aufgegeben hätte. Doch dann wandte er sich an das Studentenwerk Marburg. Nun freut er sich über sein Zimmer in einem Studentenwohnheim und darauf, sein Studium der Politikwissenschaften sorglos angehen zu können. Doch was treibt einen Hanseaten in die kleine Stadt an der Lahn? „Die Studienstruktur gefällt mir sehr gut. Es gibt viele Wahlmöglichkeiten und Module. Dass ich mir meine Prioritäten im Fach selbst aussuchen kann, war mir sehr wichtig. Und außerdem“, führt er fort und wirft einen Blick aufs Schloss, „ist Marburg eine sehr charmante Stadt.“

„Teamer“ begleiten Woche

Vor dem Mensakarten-Verkauf im Studentenhaus hat sich eine lange Schlange gebildet. „Alle Studis, die eine U-Card kaufen wollen, bitte Studentenausweis und zehn Euro bereithalten“, tönt es durch den Lautsprecher. Daneben steht eine Gruppe Studenten im Halbkreis um einen Karten-Aufwerter. „Hier könnt ihr eure Karten aufladen. Es ist ganz einfach“, sagt ein junger Mann und lässt einen Fünf-Euro-Schein in dem Schlitz des Geräts verschwinden.

Jonas Dietz (22), Politikstudent, ist einer der „Teamer“, der einen Teil der Erstis aus seinem Studienfach während der Orientierungswoche begleitet. Stadtführungen, Infoveranstaltungen zur Hochschulpolitik und Auslandssemestern und natürlich die „Powi-Party“ stehen auf dem Programm, ebenso wie „Stundenplan basteln“. „Es ist besser, wenn man das gemeinsam macht. Die Infoseite der Uni ist sehr unübersichtlich und überfordernd für viele Erstis. Die brauchen einfach Anleitung, um da durchzublicken“, weiß der Politikwissenschaftler aus eigener Erfahrung.

„Mir macht die Aufgabe Spaß“, sagt Teamer Matthias Berg (24), der am Montagmorgen eine Gruppe angehender Lateinstudenten begleitet. „Man lernt viele neue Leute kennen und erlebt immer wieder neue Dinge. Heute Morgen zum Beispiel wurden wir in der Bibliothek eingeschlossen“, berichtet er und seine Gruppe beginnt zu lachen. Darunter befindet sich Christina Hoppe (19) (Foto). Die Kasselanerin hatte 8 Jahre lang Latein in der Schule. „Ich hatte gute Lehrer, die mich motiviert haben, an dem Fach dranzubleiben“, erklärt sie ihren Berufswunsch. Nun freut sie sich aufs Lehramtsstudium.

Auch Constanze May (21) (Foto) ist gespannt. „Ich will Anglophone Studies studieren, weil Englisch eine total schöne Sprache ist“, schwärmt die Kölnerin. Bei der Wohnungssuche hatte sie kaum Probleme. „Ich habe eine Wohnung in der Oberstadt gefunden und bezahle nur 450 Euro – das ist echt günstig, wenn man aus Köln kommt“, sagt sie augenzwinkernd und verschwindet mit ihrer Gruppe im Getümmel.

Text, Fotos: Ruth Korte

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