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"Erst einmal genau hinschauen"

Lahnterrassen "Erst einmal genau hinschauen"

Eine Abschlussarbeit am Fachbereich Psychologie soll nähere Erkenntnisse darüber bringen, wie und von wem die Lahnterrassen tatsächlich genutzt werden und welche Probleme entstehen.

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Die Lahnterrasse an der Mensa in Marburg: Die Arbeitsgruppe Sozialpsychologie will jetzt in einer Abschlussarbeit beobachten lassen, wie das Gelände genutzt wird und welche Problematiken entstehen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Lasst uns erst einmal genau hinschauen“, appelliert Johannes Maaser vom Ordnungsamt der Stadt Marburg mit Bezug auf die Ereignisse in und um die Lahnterrassen, die seit Wochen in der öffentlichen Diskussion sind.

Der Sozialpsychologe koordiniert das Projekt „Einsicht - Marburg gegen Gewalt“, das im Jahr 2013 von Psychologie-Professor Ulrich Wagner und dem damaligen Oberbürgermeister Egon Vaupel ins Leben gerufen worden war. Ziel der Initiative ist es, Marburg sicherer zu machen.

Einschränkung im Alkoholverkauf

Seit 2013 treffen sich die Arbeitsgruppe Sozialpsychologie an der Philipps-Universität, Polizei, Jugendamt, Ordnungsamt, das Staatliche Schulamt und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Marburg zu einer Runde, um die auftretenden Probleme zu besprechen und gemeinsam nach Lösungen zu ­suchen (die OP berichtete).

Dabei sind der Innenstadtbereich um den Elisabeth-Blochmann-Platz und dem Northampton-Park mit der Anlage der Lahnterrassen oder der Marburger Mensa und der fast gleichzeitigen Eröffnung eines Supermarkts mit Öffnungszeiten bis Mitternacht seit 2007 im Fokus.

Damals, so erinnert sich Maaser, entwickelte sich eine Diskussion um übermäßigen Alkoholkonsum, Belästigungen und Gewalt. Sie mündete in der Zusammenarbeit von Uni, städtischen Ämtern und Polizei zur Prävention und schließlich in der Gründung von „Marburg - Einsicht gegen Gewalt“ sowie einer freiwilligen Einschränkung im Alkoholverkauf. Die polizeilich registrierten Straftaten gingen von 133 im Jahr 2008 auf 14 bis zum Jahr 2013 zurück.

Heute eher Drogen das Problem

Seit Sommer 2016 gibt es aber wieder vermehrt Beschwerden von Anwohnern und Passanten über Belästigungen, Zerstörungen und gewalttätige Auseinandersetzungen. Nur hat sich ­offenbar der Nutzerkreis, so lassen es die Beschwerden vermuten, geändert: Waren es früher vor allem Jugendliche, gelten heute vielfach „Menschen mit Migrationshintergrund“ als Auslöser der Probleme; mehr als Alkoholprobleme wird heute­ die Drogenproblematik erwähnt, sagt Maaser.

Die Sozialpsychologie wisse eine Menge über Entstehungsursachen von Gewalt und viel über Prävention; wissenschaftliche Erkenntnisse würden aber noch nicht überall umgesetzt. Zu den Erfolgsbedingungen von Präventionsstrategien gehöre aber unter anderem eine umfassende Kenntnis über die Bedingungen.

Dieser Erkenntnis nun folgt die Ausschreibung einer Abschlussarbeit. Zur „Klärung der Situation im Marburger Hafen und Mensa-Außenbereich“ solle der Sachstand erhoben werden, heißt es in der Ausschreibung. Die Erhebung soll neben Expertengesprächen mit Anwohnern, Gewerbetreibenden, städtischen Ämtern und Polizei eine systematische Beobachtungsstudie zu Aufenthalt und Nutzung der Lahnterrassen zu verschiedenen Tages-­ und Nachtzeiten und bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen umfassen.

Sie soll auch Auskunft geben über die ­Zusammensetzung der Nutzer, Aufenthaltsorte und -dauer, Konsumverhalten, Lautstärken, und Zerstörungen, Belästigungen oder Gewalt dokumentieren. Nach der empirischen ­Erhebung soll eine Kurz-Dokumentation mit Zwischenergebnissen erstellt werden.

Kontakt

Professor Dr. Ulrich Wagner unter Wagner1@uni-marburg.de
Johannes Maaser unter johannes.maaser@uni-marburg.de

von Till Conrad

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