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Erst Gehirn, dann Internet einschalten

Umgang mit digitalen Medien Erst Gehirn, dann Internet einschalten

Reaktionen auf die Sexting-Fälle im Marburger Schulviertel: Die Elisabethschule hat zu einem Info-Abend zur Mediennutzung von Jugendlichen im Cineplex geladen. Auch das Philippinum plant einen Experten-Vortrag.

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Günter Steppich hielt vor Eltern einen multimedialen Vortrag im Cineplex.

Quelle: Michael Hahn

Marburg. Verstärker Fokus auf die digitale Kommunikation: Nach den bestätigten Sexting-Fällen an der Elisabethschule und am Philippinum (die OP berichtete) interessieren sich zunehmend mehr Lehrer und Eltern für das Treiben der Jugend im Internet. Laut Informationen des hessischen Landeselternbeirates

  • halten 80 Prozent der Eltern die Mediennutzung ihrer Kinder für unproblematisch
  • sagen 80 Prozent der 12- bis 19-Jährigen, ihre Eltern hätten keine Ahnung was sie online machen
  • haben 80 Prozent eben dieser 12- bis 19-Jährigen bereits Negativerfahrungen in Form von Stalking, Pornographie, Gewaltvideos, Onlinemobbing und anderem gemacht.

„Wenn es die Schüler bewegt, dann muss es auch uns bewegen“ – mit diesen Worten eröffnete Tobias Meinel, Schulleiter der Elisabethschule, den Eltern-Infoabend zum Thema „Jugend und die Mediennutzung“ im Cineplex, zu dem sich circa 250 Eltern einfanden. Man müsse bereits sehr früh mit der Aufklärung über den richtigen Mediengebrauch beginnen, appellierte er an die Eltern. Zu diesem Zweck habe er den „besten Mann in Hessen“ zu dem Thema eingeladen: Günter Steppich, Fachberater für Jugendmedienschutz am Staatlichen Schulamt für Wiesbaden und den Rheingau-Taunus-Kreis.

Steppich ist selbst Englisch- und Sportlehrer, Vater von zwei Kindern und ein gefragter Redner zum Komplex Jugend und Medien. In Marburg führte er am selben Tag auch schon eine vierstündige Lehrerfortbildung an der Elisabethschule zu dem Thema durch. Sein multimedialer Vortrag informierte über die Gefahren des Internets und verschiedener Apps für Jugendliche und gab den Eltern hilfreiche Tipps und Ideen zum besseren Schutz ihrer Kinder mit auf den Weg.

Steppich fordert eine Netzbetreuung für Kinder, je jünger die Kinder desto intensiver die Betreuung. Kinder bräuchten klare Regeln, Grenzen und Konsequenz. Dabei sollten Eltern nie versuchen, die besten Freunde ihrer Kinder zu werden, die Interessen und Gemeinsamkeiten von Kindern und Eltern seien zu unterschiedlich. Kinder bräuchten ein stabiles Selbstvertrauen, um sich gegen Gruppenzwang zu stärken und die eigene Individualität herauszubilden, fordert der Pädagoge. Eltern rät er bei erzieherischen Fragen als erstes: „Bleiben Sie gelassen!“ Medienkompetenz sei Erziehungssache, das Internet kein Kinderspielplatz betonte Steppich und wünschte sich eine Interneterziehung für Kinder im Sinne der Verkehrserziehung. Außerdem sollten Kinderzimmer mindestens bis zum Alter von 14 Jahren bildschirm- und internetfreie Zonen bleiben.

Pornographie im Internet wäre mittlerweile Allgemeinwissen für Jugendliche im Alter von 14 bis 15 Jahren. Die Eltern könnten nicht verhindern, dass ihre Kinder solche Inhalte sehen. Noch schlimmer aber seien Gewalt-, Folter- und Hinrichtungsvideos, die Schutzbefohlene nachhaltig verstören könnten und leider auch ohne große Probleme über Google und „WhatsApp“ zugänglich seien. Steppich machte deutlich, wie wichtig aktive Kommunikation  mit den Kindern sei, um größere seelische Schäden zu vermeiden. Überhaupt wurde immer wieder die Wichtigkeit aktiver Kommunikation vor allem seitens der Eltern betont.

Mädchen leiden stark unter Mobbing nach „Sexting“

Auch auf die Gefahr des „Sexting“, bei dem sich Jugendliche aufreizende Bilder mit wenig oder keiner Kleidung zuschicken, ging Steppich ein. Solche Bilder könnten schnell in falsche Hände geraten und sich unkontrollierbar und rasend schnell über die Schulgrenzen hinaus ausbreiten, mit unabsehbaren Folgen für die Opfer. Vor allem Mädchen litten stark unter dem oftmals daraus resultierenden Mobbing. Jungen gewännen eher Anerkennung aus solchen Situationen. Generell würden bei digitaler Kommunikation sehr schnell diverse Hemmschwellen fallen, Prävention durch Aufklärung sei die beste Option. Und falls es doch zu Konflikten kommen würde, solle man diese immer persönlich klären, nicht digital.

Unter dem Motto „Erst das Gehirn einschalten, dann das Internet“ ging Steppich noch auf  weitere Gefahren und Entwicklungen des Internets ein, beispielsweise auf Chat-Seiten und auf Dating-Apps, und informierte über den Zusammenhang von Mediennutzung und sich verschlechternden Schulleistungen. Am Ende stellte Meinel klar, dass Medienerziehung ein Elternthema sei. Trotzdem stünden alle Lehrer bei Fragen  immer zur Verfügung. Jede Schule brauche Medienbeauftragte. An der Elisabethschule haben Christina Böhr und Andrea Closmann diese wichtige Aufgabe übernommen.

  • Am Philippinum wird am 18. Juni (zwischen 14 und 17 Uhr) ebenfalls eine Veranstaltung zum Jugendmedienschutz mit Referent Günter Steppich stattfinden. Das teilte die Schule mit.

von Michael Hahn

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