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Erreger lauern überall

Keimgefahr Erreger lauern überall

Ob auf unserem Smartphone, auf der Computermaus im Büro oder an Türklinken: Keime lassen sich überall in unserer Umgebung finden und wir kommen alltäglich mit ihnen in Kontakt.

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Die elektronenmikroskopische Aufnahme von EHEC-Bakterien, einer gefährlichen Variante des harmlosen Darmbewohners Escherichia coli.

Quelle: Manfred Rohde

Marburg. Überlegen Sie mal: wie oft hatten Sie heute schon ihr Smartphone in der Hand? Wie viele Türklinken haben sie gedrückt? Auf welche PC-Mäuse geklickt? Wahrscheinlich eine ganze Menge. Keime und Viren tummeln sich besonders gerne auf verschiedenen Alltagsgegenständen.

Wir haben fünf Gegenstände unter die Lupe genommen und diese auf ihre Keimbelastung getestet: Smartphones, PC-Mäuse, Türklinken, Haltegriffe in Bus oder Bahn und Geld.

Das Smartphone: Es ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ob im Internet surfen, Nachrichten schreiben, Musik hören oder telefonieren. Wir benutzen es einfach ständig. „Das Handy ist eine echte Keimschleuder“, sagt Prof. Reinier Mutters vom Institut für medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Marburg.

Etwa 100 verschiedene Arten von Keimen und Bakterien tummeln sich darauf. Mutters nennt auch ein Beispiel: „Wir gehen Einkaufen und nehmen danach unser Smartphone in die Hand zum Telefonieren.“ Aber warum werden wir beim Einkaufen mit Keimen belastet? Weil die Lebensmittel oder Einkaufswagen mehrfach von unterschiedlichen Menschen angefasst werden und sich somit die Keime leicht übertragen lassen.

„Die ganzen Bakterien, die wir nun an unserem Smartphone abgeschmiert haben, gelangen ins Gesicht und verteilen sich dort weiter.“ Das kann im schlimmsten Fall zu Infektionen führen, wie zum Beispiel eine Magen-Darm-Infektion oder Hautinfektionen.

Türklinken: Ob im Büro, in der Uni oder Zuhause: Türklinken sind ein weiterer Gegenstand, den wir mehrfach am Tag anfassen. „An belebten Orten, wie zum Beispiel Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern wird man natürlich stärker mit Keimen belastet, als in einer privaten Umgebung“, sagt Mutters.

Kliniken haben darauf reagiert und besitzen mittlerweile spezielle Türklinken aus Silberionen. Nach speziellen Tests von Professor Mutters stellten sich diese tatsächlich als 100 Prozent keimfrei dar. Im Gegensatz zu der normalen Türklinke, die trotz gründlicher Reinigung nicht vollständig keimfrei bleibt. Für den normalen Haushalt genügt es, ab und zu über die Klinken zu wischen, empfiehlt Mutters.

Unser Geld: Eine Situation aus dem Alltag: Die Verkäuferin fasst in der Bäckerei das Kleingeld und die Brötchen mit derselben Hand an. „Das wird oft als unhygienisch oder unästhetisch angesehen“, sagt Mutters. Doch die Ergebnisse überraschen: Auf Geldmünzen befinden sich verhältnismäßig wenig Keime.

Warum ist das so? Münzen bestehen aus Kupfer, das wiederum Bakterien abtötet. Geldscheine sind da empfindlicher, besonders an warmen Orten, wie beispielsweise der Hosentasche fühlen sich die Keime wohl. Grund zur Panik sollte jedoch niemand haben. Die Bakterien sind meist in so einer geringen Anzahl, dass sie nicht gesundheitsgefährdend sind.

Mäuse und Tastaturen: Sehr viel belastender als Geld sind PC-Mäuse und Tastaturen, sagt der Hygieneexperte. Zum Beispiel, wenn im Büro der eine sich nach der Toilette nicht die Hände wäscht und der nächste mit seinem Brot auf den Arbeitsplatz krümelt, dann sammeln sich dort eine Menge Keime in den Ritzen an, erklärt Mutters.

Doch gilt auch hier das gleiche wie bei den Türklinken. Es kommt darauf an, wo die Keime zu finden sind. Wer sich jetzt im Büro ekelt, der kann auch hier ganz leicht mit einem Tuch die Tastaturen abwischen. In Krankenhäusern gibt es spezielle Hygiene-Tastaturen und PC-Mäuse, die eine antibakterielle Oberflächenbeschichtung haben.

Haltestangen in Bus und Bahn: Auch hier befinden sich überraschend wenig Keime. „Vielmehr werden die Viren durch das enge Gegenüberstehen in Bus oder Bahn übertragen“, sagt Reinier Mutters. Trotzdem schadet es nicht, sich nach dem Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln die Hände zu waschen.

Das gilt übrigens auch für die anderen Gegenstände, denn besonders in der Grippezeit werden Krankheiten oft durch Schmierinfektionen übertragen. Diese gelangen meist über die Hände weiter ins Gesicht.

Anders als bei einer Tröpfcheninfektion, wo die Krankheitserreger über Husten oder 
Niesen in die Luft geraten und anschließend von einem anderen Menschen eingeatmet, beziehungsweise über die Schleimhäute der Luftwege aufgenommen werden.

Menschlicher Organismus benötigt auch Keime

Häufig entstehen dadurch grippale Infekte. Doch ist es gar nicht aufwendig, die Keime zu entfernen. Der Bildschirm vom Handy lässt sich zum Beispiel ganz einfach mit einem Desinfektions- oder Brillenputztuch reinigen. Regelmäßiges säubern entfernt fast 100 Prozent aller Keime und Viren, sagt Mutters.

„Nicht alle Keime sind schlecht für uns“, sagt Mutters. In einem gewissen Maße seien sie sogar gesund für unseren Körper und gut für unser Immunsystem. Die „Darmflora“ hat zum Beispiel Billionen von Keimen, die dabei helfen, Essen zu verdauen und Giftstoffe harmlos zu machen. Eine gute „Keimflora“ stärkt das Immunsystem und sorgt für Wohlbefinden.

Für ältere Menschen und kleine Kinder stellen Keime allerdings noch ein Mal eine andere Gefahr dar. Genauso wie für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Professor Mutters betont aber, „die Dosis bestimmt immer die Wirkung“.

Die OP befragte Marburger und Marburgerinnen, ob sie ihr Smartphone reinigen und wenn ja wie oft. Eine 20-jährige Passantin, die ihren Namen nicht nennen möchte, sieht die Sache mit der Handy-Reinigung eher gelassen: „Ich denke da fast nie dran.“ Nachdem sie jedoch über das Thema „Keime und Bakterien auf Smartphones“ aufgeklärt ist, sagt sie: „Vielleicht werde ich es jetzt häufiger säubern.“

Ein weiterer Passant gab ebenfalls an, sein Smartphone selten zu reinigen. „Ich wasche mir regelmäßig die Hände, da kommen nicht viele Keime auf mein Smartphone.“ Und das bestätigt auch Professor Mutters: Normalerweise reichen einfache Mittel, wie zum Beispiel das regelmäßige Händewaschen, um sich vor lästigen Keimen zu schützen.

von Emilia Vogt

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