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"Erreger können großes Leid verbreiten"

Hilfseinsatz "Erreger können großes Leid verbreiten"

Zwei Marburger Virologen waren während des derzeitigen Ausbruchs des Ebola-Virus bei einem Hilfseinsatz der Weltgesundheitsorganisation und der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" in Guinea dabei.

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Anne Brüggemann arbeitet im Labor zusammen mit einem Kollegen aus Ungarn im Handschuhkasten an einer Blutprobe (großes Foto) Zwei überlebende Patienten bedanken sich bei Dr. Thomas Strecker (links) und einem Mediziner von „Ärzte ohne Grenzen“ (kleines Foto)). Fotos: Thomas Strecker

Marburg. „Hier im Hochsicherheitslabor Marburg sehen wir die gefährliche Krankheiten verursachenden Viren nur in der Zellkulturschale. In Afrika tragen unsere virologischen Diagnose-Methoden mit dazu bei, Leben zu retten“, sagt der Marburger Virologe Dr. Thomas Strecker bei einem Gespräch im Institut für Virologie auf den Lahnbergen. Zusammen mit seiner Kollegin Anne Brüggemann vom Marburger Uni-Institut für Virologie gehörte er zum zweiten Team, das von Mitte April bis Mitte Mai bei dem Hilfseinsatz im westafrikanischen Staat Guinea vor Ort war.

Brüggemann macht im Gespräch mit der OP klar, dass ihr die Bedeutung der hochgefährlichen Erreger beim Einsatz in Afrika noch einmal eindringlicher vor Augen geführt worden sei. Denn dort sei es schließlich ganz konkret um Menschenleben gegangen. „Wir haben mit den Patienten mitgefiebert“, erzählt die Virologin. „Diese Erreger können großes Leid erzeugen und es kann Todesfälle geben“, berichtet die Marburger Virologin von ihrem Einsatz in Guinea, wo Mitte März der Ausbruch einer Ebolavirus-Epidemie gemeldet wurde.

Für die beiden Forscher aus dem Team von Virologie-Professor Stephan Becker war es jeweils der erste Einsatz dieser Art in einem Viren-Krisengebiet. Dort waren sie mitverantwortlich für das Testen von Blutproben mithilfe eines mobilen Labors, das von Mitarbeitern des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr aus München zu Beginn des Einsatzes nach Guinea geflogen worden war (siehe „HINTERGRUND“.) Unter Einhaltung strenger Sicherheitsvorkehrungen in einer mobilen sogenannten „Glove Box“ (Handschuhkasten) isolieren die beiden Marburger Virologen zusammen mit drei weiteren Kollegen aus ganz Europa Ebolavirus-RNA aus Patienten-Blutproben. Diese diente dann als Grundlage für die Diagnostik mit Hilfe molekular-biologischer Nachweisverfahren.

Labor in der Grenzregion zu Liberia und Sierra Leone

In Guinea war dieses mobile Labor in der Stadt Guéckédou aufgebaut, die in der Grenzregion zu Liberia und Sierra Leone und in der Nähe des Waldgebietes gelegen ist, in dem es zu dem Ausbruch der Ebola-Epidemie kam. Direkt neben dem Zelt mit dem aus Europa eingeflogenen Testlabor stand das Krankenzelt der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“. Es waren vor allem Bewohner aus den umliegenden Dörfern, die dorthin eingeliefert wurden und bereits Symptome aufwiesen, die auf eine Ebola-Erkrankung hindeuteten. Die Aufgabe der beiden Marburger in dem Labor war es nun, die Blutproben zu analysieren. Dabei konnte es durchaus so sein, dass bei einigen der eingelieferten Erkrankten zunächst die hochgefährliche Krankheit diagnostiziert wurde, die dann aber nicht mehr beobachtet wurde. „Viele sind gestorben, aber einige haben auch überlebt“, zieht Anne Brüggemann eine Bilanz. Dabei haben die beiden Marburger auch tragische Geschichten miterlebt. So zählte eine erwachsene Frau zu denen, die überlebten. Allerdings starb ihre fünfjährige Tochter an den Folgen der Virus-Erkrankung. Doch es gab auch Erfolgserlebnisse: So bedankten sich beispielsweise der 13-jährige Alphonse und sein Vater ausdrücklich bei den Helfern aus Europa.

„Es war insgesamt eine erfolgreiche und erfahrungsreiche Zeit, jedoch mit emotionalen Hochs und Tiefs“, bilanziert Strecker. Sehr lehrreich sei es gewesen, hautnah mitzuverfolgen, wie ein internationales Team gemeinsam versucht, auf den Ausbruch einer Epidemie zu reagieren. Neben den Medizinern und Virologen zählten unter anderem auch Psychologen, Logistiker und Hygienekräfte zu dem Team, das in Guinea eingesetzt war.

von Manfred Hitzeroth

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