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Erpresser terrorisieren Familie

Bruder droht Schwester Erpresser terrorisieren Familie

Prozessauftakt in Marburg: Weil ihnen Morddrohungen und Erpressung von 80 000 Euro vorgeworfen werden, müssen sich zwei Männer vor dem Amtsgericht verantworten.

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Marburg. „Mein Leben ist von Angst erfüllt“, sagt das Opfer, eine 44-jährige Tierpflegerin. Über Monate habe sie ihr Bruder - ein 46-jähriger aus Gisselberg - mit Anrufen terrorisiert. „Anfangs nur ein paar Mal pro Woche, so ab Ende 2012 sechs, sieben Mal täglich. Immer, um Geld zu verlangen“, sagt sie. Der Anruf, der das Opfer und ihren Lebensgefährten (51) schockierte und bis heute in psychologische Betreuung zwang, soll jener am Mittag des 9. Januar gewesen sein. Ein Mann - offenbar ein im Prozess Mitangeklagter 31-Jähriger - drohte der Tierpflegerin. „Er sagte: Dein Bruder schuldet uns 80 000 Euro. Heute Abend holen wir das Geld bei dir ab. Ist es nicht da, wird dir etwas Schlimmes passieren“, zitierte sie den Gesprächsinhalt.

In diesem Moment sei für sie eine Welt zusammengebrochen. „Ich dachte, dass er jetzt ernst macht, Leute holt, die mir etwas antun“, sagt sie. Es sei die bedrohlichste von vielen Morddrohungen gewesen, - Ankündigungen, die vorher aber stets ihr Bruder machte. „Sachen wie, er jage unser Haus in die Luft, nehme uns alle mit, da er eh nichts zu verlieren habe“, sagt die Geschädigte.

„Er hat sie und mich kaputt gemacht, geistig und körperlich“, sagte der 51-jährige Lebensgefährte der Tierpflegerin. Neben vielen Drohanrufen habe der Bruder täglich zehn beleidigende SMS an die Festnetznummer geschickt. Über Wochen habe der Zeuge, aus Angst um seine Partnerin, das Haus nicht verlassen. „Einen Tag war ich mal weg, da stand er plötzlich vor unserer Tür. Das macht einen fertig“, sagte er.

Offenbar liegt den Morddrohungen und der Erpressung ein jahrelanger Erbschaftsstreit zugrunde. 2004 starb der Familienvater des Angeklagten und des Opfers. Der Vater setzte seine Tochter als Alleinerbin ein. Haus und Grundstück samt Inventar sollen amtlichen Prüfungen zufolge einen Wert von rund 200 000 Euro gehabt haben. Der angeklagte Sohn, der laut Zeugen ein schwieriges Verhältnis zum Vater gehabt haben soll, erhielt laut Testament nur den Pflichtteil. Dieser lag bei 6000 Euro- per Unterschrift auf den Dokumenten, welche dem Gericht vorliegen, verzichtete der Angeklagte seinerzeit auf weitere Ansprüche. Und an dieser Stelle entbrennt der Streit.

Unterschrieben habe er nur, um den bürokratischen Erbschaftsprozess zu verkürzen, es „für die ganze Familie einfacher und schneller zu regeln“, sagte der 46-Jährige. Er pocht auf Absprachen, wonach ihm von der Schwester mehr Geld in Aussicht gestellt worden sei. Das bestreitet sowohl die Schwester als auch die gemeinsame Mutter (65). „Mein Sohn bildet sich ein, dass großes Vermögen vorhanden war. Dabei war das Geschäft meines Mannes hoch verschuldet“, sagt sie. „Meine Tocher ist jedenfalls unten, völlig fertig“, sagt sie.

Beide Angeklagten sind offenbar Mehrfachtäter. Sie saßen - vorübergehend zur selben Zeit - in der Justizvollzugs-anstalt Weiterstadt Gefängnisstrafen ab.

Der Verdacht der Staatsanwaltschaft: In diesen Monaten schmiedeten der Marburger und sein jüngerer Komplize die Erpressungs-Pläne. Die Beschuldigten bestreiten das, sie hätten sich erst Ende 2012 nach der Haftentlassung kennen gelernt. „Wir saßen ja nicht im selben Gefängnisblock und haben dementsprechend nie einen gemeinsam Hofgang gehabt“, sagt der 46-Jährige.

Der 31-Jährige gebürtige Frankfurter räumte den Anruf bei der Schwester seines Bekannten ein, entschuldigte sich vor Gericht bei dem Opfer. „Ich wollte ihnen keine Angst einjagen. Das alles war eine Schnapsidee“, sagte er. Sein Verteidiger verwies darauf, dass der wohl Heroinsüchtige nicht der Hauptschuldige in diesem Verfahren sei, sondern zu der Tat überredet, manipuliert wurde.

Für einen von diesem Prozess der räuberischen Erpressung abgekoppelten Strafverfahren - einen Einbruch in der Liebigstraße - legte der Frankfurter ebenfalls ein Geständnis ab.

Unter Vorsitz von Richter Dominik Best geht der Erpressungs-Prozess am 17. September um 14 Uhr in Raum 154 weiter.

von Björn Wisker

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