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Erpresser landen im Knast

Amtsgericht Erpresser landen im Knast

Ein Erpresser-Duo aus Marburg heckte einen Plan aus, um an 80 000 Euro aus einem Erbe der Verwandtschaft zu gelangen. Sie plagten ihre Opfer mit mehreren Morddrohungen.

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Marburg. Die blaue Kette mit dem Kreuz gleitet stundenlang durch seine Finger. Als ob sie der letzte Halt für den 46-jährigen Hauptangeklagten wären. Auch, nachdem Richter Dominik Best das Urteil - drei Jahre Gefängnis wegen räuberischer Erpressung sowie Anstiftung dazu - begründet. „Als Drahtzieher haben sie ihre Schwester und deren Lebensgefährten traumatisiert, psychisch nachhaltig geschädigt“, sagt er. Gemeinsam mit seinem mitangeklagten Komplizen (31) - der nun für zwei Jahre in Haft muss - habe der Marburger einen Plan geschmiedet um an das Familienerbe zu gelangen. 80 000 Euro forderte das Duo - „sonst schneide ich euch den Kopf ab“, soll der 46-jährige Angeklagte gedroht haben.

Während der jüngere Täter aus Frankfurt einen Großteil der Vorwürfe bestätigt und sich bei den Opfern entschuldigt, „baut sich der andere seine Pipi-Langstumpf-Welt so, wie sie für ihn passt“, sagt Best. Wahnhaft versuche er einen Erbanspruch „auf eigene Faust durchzusetzen“ - obwohl er den Anspruch nicht besitze, auf diesen vor vielen Jahren schriftlich verzichtet habe. Und beim Blick auf das lange Vorstrafenregister und die Intensität seiner Taten, drohe ihm langfristig sogar die Sicherungsverwahrung, erläutert der Richter.

Dem Urteil gingen nach zwei Verhandlungstagen die Plädoyers voraus. Die Staatsanwaltschaft forderte dreieinhalb Jahre sowie zwei Jahre und zehn Monate Gefängnis für die Beschuldigten. Die Verteidigung des 31-Jährigen verlangte ein Maximum von zwei Jahren Haft, die des 46-Jährigen argumentierte für acht Monate Freiheitsstrafe.

Mehrere Zeugen schilderten im Vorfeld das Verhältnis des Marburgers zu seiner Familie, speziell der mit Morddrohungen geschädigten Schwester und deren Lebensgefährten aus Cölbe. Selbst die Mutter (65) zeichnete das Bild eines Mannes, der einem Phantom, einer Fantasie nachjagt. „Mein Sohn bildet sich ein, dass großes Vermögen vorhanden war. Dabei war das Geschäft meines Mannes hoch verschuldet“, sagt sie. Nach dessen Tod habe die Familie alles notwendige notariell geregelt , samt dem Verzicht auf weitere Ansprüche, die der Sohn geltend machen könnte. Grund: Er wurde kurz zuvor zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Unterschrieben habe er nur, um den bürokratischen Erbschaftsprozess zu verkürzen, es „für die ganze Familie einfacher und schneller zu regeln“, sagte der 46-Jährige darauf. Er pocht auf Absprachen, wonach ihm von der Schwester mehr Geld in Aussicht gestellt worden sei. Das - sowie Kaution oder Hilfe nach seiner Haftentlassung Ende 2012 - habe sie ihm verweigert. „Ich hatte nie eine Chance als ich aus dem Gefängnis zurück nach Marburg kam“, sagt er.

Der 31-Jährige, der nach Auffassung des Gerichts bemüht war seinen Freund nicht weiter zu belasten, gab sich reumütig: „Ich bin da in eine Riesendummheit rein geraten, dachte, das wäre ein Spaß.“ Er habe die Schwester seines Komplizen unter Druck gesetzt, weil er selbst Angst vor „dessen verrückten Ausrastern“ gehabt habe. Immerhin schnitt der 46-Jähriger vor ein paar Jahren einem Fitnessstudio-Besitzer vier Finger ab. „Aber aus Notwehr“, entgegnete der Hauptangeklagte.

Mehrere Ermittler sowie die Haftrichterin bestätigen, dass der Frankfurter auch ihnen gegenüber signalisierte, Furcht vor dem Marburger zu haben.

von Björn Wisker

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