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Erneut Schlagabtausch zur Stadthalle

Stadtparlament Erneut Schlagabtausch zur Stadthalle

Oberbürgermeister Egon Vaupel warf der CDU vor, verwerflich zu argumentieren. Diese blieb am Freitag bei ihrer Meinung: Ein Neubau der Stadthalle wäre günstiger als die Sanierung.

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Der Bau der Stadthalle wird teurer als geplant.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Beschluss ist längst gefasst, der Umbau der Stadthalle schreitet voran. Die Stadtverordnetenversammlung debattierte das Thema am Freitag dennoch: Auf der Tagesordnung stand der Sachstandsbericht des Fachdienstes Hochbau zum Bauprojekt, den das Parlament formal zur Kenntnis nimmt. Die CDU nahm diesen Bericht zum Anlass, um ihre Kritik an den gestiegenen Kosten noch einmal zu äußern. Die anderen Fraktionen beteiligten sich nicht an der Debatte, die rot-grüne Koalition ließ den Magistrat sprechen.

Zum Hintergrund: Vor drei Jahren hatte das Stadtparlament den Umbau mit einem Kostenvolumen von 24 Millionen Euro netto genehmigt. Inzwischen rechnet man mit einem Gesamtkostenvolumen von fast 36 Millionen Euro brutto. Vergleiche man die Brutto-Zahlen von damals mit heute sei dies eine Kostensteigerung von 25 Prozent, heißt es in der Vorlage. „Inwieweit durch sich abzeichnende rechtliche Auseinandersetzungen oder durch Störungen in der Schlussphase des Bauablaufs weitere Kosten auf die Stadt zukommen, lässt sich nur schwer prognostizieren“, heißt es in der aktuellen Vorlage.

Jannasch: Parkhaus gegenüber Audimax

Manfred Jannasch (CDU) erinnerte daran, dass die ersten Schätzungen vor einigen Jahren noch bei 16,7 Millionen Euro netto lagen. Nun sei man bei 54 Millionen Euro gelandet, erklärte er in seiner Rede. „Bei wie viel?“, unterbrach ihn Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) und äußerte sein Unverständnis über diese Zahl. „Ich zeige Ihnen, wie wir dahin kommen“, antwortete Jannasch und listete „versteckte Kosten“, einen „Risikozuschlag von fünf Millionen“ und weitere Rechnungen auf, wie zum Beispiel die Außenanlagen. „54 Millionen Euro für eine Stadthalle ohne Parkplätze“, so Jannasch. Zudem befürchte er, dass die Stadthalle nicht rechtzeitig fertig werde.

Die Eröffnung ist im Mai 2016 geplant, allerdings gibt es auch Verzögerungen, sodass der Abschluss der Tiefbauarbeiten erst im Sommer möglich sein werde. Vaupel und Bürgermeister Dr. Franz Kahle bedauerten die Kostensteigerung, entgegneten aber, dass es zu dem erneuerten Konzept keine Alternative gebe. „Die wesentlichen Kostensteigerungen sind sachlich begründbar“ und beinhalten Verbesserungen, so Kahle. Die Beleuchtung sei auf LED-Lampen umgestellt worden - in den Jahren der ersten Entwürfe sei diese Technik noch nicht bekannt gewesen. Auch habe man zunächst gedacht, man könnte die alte Bestuhlung in das neue Haus mitnehmen, sich dann aber für neue und mehr Stühle entschieden.

„Sie hängen in der Mitte ihrer Schallplatte fest“

Kahle machte deutlich, dass der Terrassenbereich der Stadthalle zeitweise wegen Einsturzgefahr gesperrt war und eine grundlegende Erneuerung nötig war. Der einstige Vorschlag der CDU, stattdessen einen Neubau einer Kongresshalle auf dem jetzigen UB-Gelände zu planen, sei keine Lösung, so Kahle, denn dann hätte es an exponierter Stelle in der Stadt weiterhin eine heruntergekommene Stadthalle gegeben. „Wir hätten ein Parkhaus draus gemacht“, warf Jannasch spontan ein - und sorgte damit für verbale Sticheleien aus dem rot-grünen Lager. „Dann sind Sie in den 70er-Jahren stehen geblieben“, sagte Kahle zu Jannasch. Ein Parkhaus mitten in der Stadt gegenüber dem Uni-Campus wäre ein Schandfleck, so der Tenor der Koalition.

CDU-Fraktionschef Wieland Stötzel wollte zurück auf das seiner Meinung nach eigentliche Grundsatz-Problem: Der Magistrat habe sanieren statt abreißen und neu bauen wollen. Stötzel verwies auf den Projektstandsbericht vom Juli. Darin heißt es, Arbeiten am zu integrierenden Bestand hätten zu nicht eingeplanten Zusatzkosten geführt. Es sei zu teuer, das marode Bestandsgebäude zu erhalten und dies zu sanieren. Und so lese sich auch der Projektstandsbericht.

„Es ist verwerflich, wenn man Vorlagen in Teilen zitiert und entscheidende Teile nicht zur Kenntnis nimmt“, sagte Vaupel. „Fakt ist, die damalige Prüfung hat ergeben, dass ein Neubau 44 Millionen Euro gekostet hätte, also fast zehn Millionen Euro teurer als eine Sanierung gewesen wäre“, sagte er. An die CDU gerichtet sagte der OB: „Sie hängen in der Mitte ihrer Schallplatte fest.“ Kostensteigerungen in Höhe von 13 Prozent während des Verfahrens wären auch bei einem Neubau vorgekommen, so Vaupel.

von Anna Ntemiris

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Von Redakteur Anna Ntemiris

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