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"Ernährung ist eine politische Haltung"

Semester "Ernährung ist eine politische Haltung"

Vegan, vegetarisch, saisonal, regional - die Erwartungen der Studenten in Marburg an das Essen sind heute sehr vielfältig. Wie wird die Mensa ihren Ansprüchen gerecht? Eine OP-Umfrage.

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Studenten essen in der Marburger Mensa am Erlenring.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. Rico Stiel (29) beugt sich über einen Gemüsekloß, der mit einer dampfenden Curry-Mango-Sauce überzogen ist. „Das riecht schon mal sehr lecker“, sagt der Mitarbeiter des Fachzentrums Deutscher Sprachatlas und greift zur Gabel. Vor kurzem erst sei er Vegetarier geworden und hat festgestellt: „Die vegetarischen Gerichte in der Mensa sind häufig sehr unkreativ.“ Mit seiner heutigen Wahl, den Gemüsekloß, der Tomatensuppe und dem Bohnensalat, ist er jedoch zufrieden. So gesund ernähre er sich nicht jeden Tag. Manchmal müssten es auch Pommes sein. Die seien in der Marburger Mensa „legendär“.

Ein paar Meter entfernt sitzt Philipp Petresco (25) am Tisch und isst Gulasch. Er würde sich eher als „Flexitarier“ bezeichnen. Als solcher wünscht sich der Pharmazie-Student mehr Auswahl in der Mensa. „Manchmal gibt es tagelang nur Hühnerfleisch. Mehr Rind wäre toll.“ Manuel Mrocher (30) legt hingegen besonderen Wert auf regionale und Bio-Produkte. „Geschmacklich gibt es da einen ganz deutlichen Unterschied“, findet der Psychologie-Student. Deshalb habe er sich heute Fisch mit Kartoffeln, Bohnen und Eiern ausgesucht - eine Mahlzeit mit viel Protein. „Ich versuche, auf meine Ernährung zu achten und mache auch regelmäßig Sport“, erklärt er.

Fünf verschiedene Menüs werden in der Mensa am Erlenring täglich angeboten: Ein Tagesgericht, ein Fleisch- oder Fischgericht, ein vegetarisches Gericht, ein besonders frisch zubereitetes und vitaminreiches „Mensa Vital“-Gericht und jeden Mittwoch ein veganes Gericht. Hinzu kommen Gemüse- und Salatbeilagen.

Was auf den Speiseplan der Mensa kommt, bestimmen der Leiter der Hochschulgastronomie Martin Baumgarten und seine Kollegin Johanna Käß. Das sind in diesem Semester zum Beispiel Gemüse-Currys, Grünkohl, Champignons, Knödel, Ente oder Röstkartoffeln. Auch ein Sankt-Martins-Essen und ein Weihnachtsessen stehen ebenso auf dem Plan wie eine „Internationale Woche“ und der „Welt-Vegan-Tag“ im November.

Ernährung spielt bei Asta-Wahlen größere Rolle

Bei der Auswahl orientieren sich Baumgarten und Käß an aktuellen Food-Trends und Untersuchungsergebnissen, wie etwa denen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), das 2014 die Ernährungsgewohnheiten und -einstellungen von Studierenden untersuchte. Demnach ist Ernährung eines der zentralsten Themen für Studenten. Für Baumgarten ist das keine Überraschung: „Schauen Sie sich doch mal im Internet um: Überall, ob bei Facebook oder Instagram, werden Fotos von Essen gepostet. Foodblogs schießen nur so aus dem Boden. Ernährung ist eine politische Haltung geworden und spielt auch bei den Asta-Wahlen eine immer größere Rolle.“

So setzen sich immer mehr Listen dafür ein, dass den Studierenden die Möglichkeit gegeben wird, sich an der Uni bewusster zu ernähren und dass die Speisepläne der Mensa abwechslungsreich gestaltet werden. Und das aus gutem Grund: Laut DZHW-Studie schätzen 75 Prozent der Studierenden ihr Ernährungsverhalten als „gesundheitsorientiert“ ein.

76 Prozent ist es vor allem wichtig, dass ein Lebensmittel aus ihrer Region kommt. Mehr als die Hälfte der Studierenden legt Wert auf ökologisch und fair hergestellte Lebensmittel. Gleichzeitig sinkt der Anteil der Studierenden, denen „kostengünstige Angebote“ sehr wichtig sind. Oder anders ausgedrückt: „Die Studenten sind bereit, für gutes Essen mehr zu zahlen“, so Studentenwerk-Sprecherin Franziska Busch.

Dies ist jedoch noch lange kein Freischein für die Mensen, teureres Essen anzubieten. „Einerseits soll das Essen qualitativ hochwertig sein, andererseits muss es aber auch günstig sein“, erklärt Baumgarten. „Das bedeutet, dass wir uns einen Paprikasalat im Winter einfach nicht leisten können. Dafür gibt es dann Kohlsalat.“

Laut Angaben des Deutschen Studentenwerks befindet sich die Marburger Mensa preislich bundesweit im Mittelfeld. Durchschnittlich bezahlen Studenten in Deutschland zwischen 1,80 Euro und 3,77 Euro für ihr Mittagessen (zum Vergleich: 1,95 bis 3,40 Euro in Marburg). „Der Preis richtet sich danach, wie hoch der Semesterbeitrag an der jeweiligen Uni ist und wie hoch der Landeszuschuss ist“, erklärt Referatsleiter für Hochschulgastronomie Jörg-Markus zur Oven im OP-Gespräch.

Eine kleine OP-Umfrage in der Mensa zeigt, dass die vielen Besucher mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis einverstanden zu sein scheinen. „Der Preis stimmt“, findet etwa Rico Stiels Kollegin Stephanie Leser-Cronau (29) und auch die Erstsemestler Jakob Hauen-Schild (21) und Wadim Neesbors (20) sind zufrieden: „Wir haben beide 2,65 Euro für unser Mittagessen bezahlt. Es hat gut geschmeckt und die Beilagen waren ausreichend. Das passt.“

von Ruth Korte

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