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Ernährung, Bildung und viel Liebe

Kenia Ernährung, Bildung und viel Liebe

OP-Redakteurin Nadine Weigel besuchte kürzlich für zwei Wochen das „Miro“-Waisenhaus-Projekt in Kenia, das sie seit einem Jahr unterstützt. Hier lesen Sie die Höhepunkte ihrer Erlebnisse.

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James hat gut lachen. Der Junge, der vor einem Jahr aufgrund von Mangelernährung an Rachitis litt und nicht laufen konnte, ist nun gesund und munter.

Quelle: Nadine Weigel

Kiembeni. Tag 1: Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel. 38 Grad im Schatten, der Schweiß rinnt in Strömen. Kenia im März ist für Europäer kaum auszuhalten. Vor allem nicht in den Slums von Mombasa. Kein Lüftchen regt sich in Kiembeni. Wieder einmal gibt es kein Wasser an diesem Tag. „Das Wasser ist abgestellt”, erklärt Josephine Mutisya, die Leiterin des Miro, des Mighty Redeemer Orphanage.

Wir sind zurück in Kenia, um nach den Kindern des Miro-Waisenhaus zu sehen. Vor gut einem Jahr besuchten die Gießener Ärztin Dr. Vera Fleig, und ich in unserem Urlaub durch Zufall dieses arme Heim zum ersten Mal. Was wir dort vorfanden, schockierte uns zutiefst. Aufgrund mangelnder Sponsoren waren die Kinder unterernährt und krank. Bevor sie von Josephine Mutisya aufgenommen wurden, mussten sie viel erleiden: Manche verloren ihre Eltern durch AIDS, andere wurden missbraucht, misshandelt oder einfach auf den Müll geworfen. Wir konnten nicht einfach wieder nach Hause fahren – und beschlossen zu helfen. Dank der Spendenbereitschaft vieler OP-Leser konnten wir innerhalb der vergangenen zwölf Monate viel verbessern.

 

Den 16 Kindern im Alter von einem bis zehn Jahren geht es heute deutlich besser. James und Zacharias, die noch vor einem Jahr aufgrund ihrer Rachitis-Erkrankung nicht stehen, geschweige denn laufen konnten, flitzen nun lachend über den Hof. Im November zogen wir mit den Kindern in ein besseres Haus um. Eines mit mehr Platz und mit fließendem Wasser. „Doch fließendes Wasser nützt nichts, wenn die Regierung das Wasser rationiert“, stellt Vera Fleig fest.

Kenia gehört zu den Ländern, die chronisch unter Wassermangel leiden. Laut Welthungerhilfe waren es im Jahr 2006 rund fünf Millionen Menschen, die dauerhaft gesundheitliche Schäden davontrugen, weil sie nur unzureichend zu trinken hatten. In urbanen Gebieten wie der Küstenstadt Mombasa ist zwar die Wasserversorgung besser als in den ländlichen Gebieten im Norden, aber noch weit von „gut“ entfernt.

Für ein Waisenhaus ist diese Wasserknappheit verheerend. „An solchen Tagen nutzen wir zuerst das Wasser aus den Zisternen auf dem Dach. Wenn das aufgebraucht ist, müssen wir Wasser in Kanistern kaufen und vom Brunnen hierher tragen”, erklärt Heimleiterin Josephine. Doch das ist mühsam und teuer. Uns ist klar: Es muss ein Wassertank her. Nur so kann das Heim auch in Zeiten der Knappheit versorgt werden.

Nach einer Odyssee durch Mombasa werden wir schließlich fündig. Ein mannshoher, 1 500 Liter fassender Tank überbrückt nun die wasserknappen Tage. Gespendet wurde er von einem guten Freund aus Marburg, der dafür auf seine Geburtstagsgeschenke verzichtete.

Catrin im Garten des Waisenhauses.

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Tag 5: Jubelnd stürzen sich die Kinder auf die Schaukel, die wir im Garten haben bauen lassen. „Das Haus ist klein, deshalb wollten wir den Kindern wenigstens eine Möglichkeit geben, sich etwas auszutoben“, erklärt Vera.

Tag 8: Der Klang heller Kinderstimmen dringt durch das Fenster. 20 Kinder laufen singend im Kreis um die Tische. Ein ganz normaler Tag in der Vorschule der Anangamangar Academy. Doch nicht für Cathrine aus dem Miro-Kinderheim. „Ich bin eine Blau-Rote”, erklärt die Fünfjährige mit strahlendem Lächeln und präsentiert stolz ihre Uniform: ein rotes Hemd und eine dunkelblaue Hose. Cathrine ist unheimlich glücklich, mit vier ihrer „Geschwister“ aus dem Miro-Heim nun die Privatschule besuchen zu können. Endlich! Denn bislang war es aufgrund fehlender Sponsoren nicht möglich, die Miro-Kinder in eine Schule zu schicken. Bildung ist verhältnismäßig teuer in Kenia, nur an einer Privatschule können Lerninhalte kindgerecht vermittelt werden. Mit der Abschaffung des Schulgeldes im Jahr 2003 tat sich die kenianische Regierung keinen Gefallen. Zwar wurde so Kindern aus ärmeren Familien Schulbildung ermöglicht, doch mit einem Schlag gingen plötzlich 1,7 Millionen Kinder mehr zur Schule. Investitionen im Bildungssektor blieben allerdings aus. Die Folgen an öffentlichen Schulen: hoffnungslos überfüllte Klassenräume und schlecht ausgebildete Lehrer. Auf 100 Schüler kommt an einer öffentlichen Schule in Kenia nur ein Lehrer. Bildung – und somit die Chance auf ein besseres Leben – ist da kaum möglich. Der Besuch der Privatschule kostet zehn Euro pro Monat und Kind. „Wir sind froh, dass wir durch die finanzielle Unterstützung aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf die Schulgebühren bezahlen können“, freut sich Vera Fleig.

Cathrines Vorschulklasse besuchen 20 Kindern – ein niedriger Schnitt in Kenia. Ähnlich ist der Schnitt an der Marvel Primary School, an der fünf weitere Kinder des Miro-Heimes Suaheli, Englisch und Mathe lernen. Hier betreuen drei Lehrer insgesamt 48 Schüler. „Wie viel Korken hat Sarah, wenn sie zu ihren sechs Korken noch zwei addiert“, fragt Lehrerin Victoria Sayo Sabwa. Joshua aus dem Miro meldet sich sofort: „Acht”.

Es ist Mittagszeit. Die Kinder des Miro-Heimes bekommen von einer der drei Hausmütter Essen gebracht. Ein Schultag ist lang, von 7.30 Uhr bis 16 Uhr – normale kenianische Härte. „Leider bekommen nicht alle Kinder so gutes Mittagessen“, erklärt Schulleiterin Monica Rose Kahinde. Deshalb überlegt sie, mittags selbst zu kochen und so – gegen ein kleines Entgelt – eine gute Ernährung für all ihre Schüler zu garantieren. „Gute Ernährung, gute Bildung und viel Liebe – das sind die wichtigsten Dinge im Leben eines Kindes“, sagt die Schulleiterin und lächelt.

von Nadine Weigel

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