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„Erlkönig“ zieht viele Blicke auf sich

Autonomes Fahren in Marburg „Erlkönig“ zieht viele Blicke auf sich

Montag kommender Woche will die IHK ihre Vision vom autonomen Fahren als Verkehrskonzept für Marburg der Öffentlichkeit vorstellen. Am Sonntag wurde dazu ein Video gedreht.

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Das „autonom fahrende Auto“ war am Sonntag auf der gesperrten Panoramastraße unterwegs.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Sonntagmittag: Zwei Mitarbeiter des Ordnungsamts fahren die Panoramastraße entlang, bleiben an den Schildern zur Geschwindigkeitsbegrenzung stehen und verhüllen diese mit blauen Müllsäcken. Denn in den kommenden Stunden sind statt 70 nur noch 40 Stundenkilometer auf der dreispurigen Straße erlaubt, außerdem wird der Verkehr immer wieder angehalten. Grund sind Dreharbeiten der Gießener Agentur „Mediashots“, die im Auftrag der IHK Kassel-Marburg einen Spot zum Thema „autonomer Pendelverkehr“ dreht.

Auf dem bergauf gelegenen Parkplatz kommt derweil das Team an – inklusive einem Anhänger, auf dem ein verhülltes Auto steht. Mitarbeiter ziehen die Plane ab, das Fahrzeug im „Erlkönig-Look“ hat auf dem Transport aufgrund von Wind und Regen ein wenig gelitten. „Der Tankdeckel ist weggeflogen, auch ein Solarmodul fehlt“, sagt Inhaber Marco Kessler.

Kurzerhand wird ein neues Modul aufgeklebt, der fehlende Deckel mit Folie kaschiert. Denn das Auto, das auf dem Nummernschild plakativ das Wort „Zukunft“ trägt, steuert nicht von alleine, ist lediglich zu Show-Zwecken umgebaut.
Und das immens, wie Kessler erläutert. „Wir haben das Auto zunächst komplett entkernt. Dann wurde die komplette Steuerung in den Kofferraum verlegt.“ Hört sich leicht an, war aber ein immenser Aufwand: Bremse, Kupplung, Gaspedalwurden verlängert, sodass sie von hinten bedient werden können.

Bremsscheibe dient im Kofferraum als Lenkrad

Von außen wurde mit rund 80 Dosen Bauschaum die Form des ursprünglichen Fahrzeugs unkenntlich gemacht, dann wurde das Auto mit der Erlkönig-Folie und den „Solarzellen“ beklebt. „Zwei Wochen haben wir an dem Mobil gearbeitet“, sagt Kessler. Der Auftritt wirkt. Denn von passierenden Verkehr wird das Fahrzeug neugierig beäugt.

Im Kühlergrill des Fahrzeugs sitzen zwei Kameras, die das Bild der Straße auf einen Monitor übertragen. Allerdings waren es Rückfahrkameras – „ich schaue mir das Bild also über  einen Spiegel an“, sagt Fahrer
Julian Kling. Er sitzt im Kofferraum des Kompaktwagens, die Beine fädelt er durch zwei kleine Löcher unter dem Innenraum hindurch, als Lenkrad fungiert eine alte Bremsscheibe. Viel Platz hat Kling nicht, „aber es macht
eine Menge Spaß“, sagt er.

Allerdings ist die Sicht doch recht ungewohnt und auch eingeschränkt. Deshalb erhält Kling von seinen Kollegen Anweisungen per Funk.

Im Passagierraum sitzen Madeleine Allendörfer, Niklas und Leonie Guder. Sie unterhalten sich während der Fahrt, machen Selfies, spielen an ihren Telefonen oder Tablets – eben all das, was sie tun könnten, wenn das autonome Fahren bereits verwirklicht wäre. „Es ist total ungewohnt, aber eine coole Sache“, sagen sie. „Allerdings braucht man viel Vertrauen.“ Doch das haben sie – und zwar stundenlang. Denn mittels Drohne und Kamerafahrten wird das Auto immer wieder gefilmt – zunächst auf der Panoramastraße, dann auf den Lahnbergen und zum Schluss am Bahnhof.

„Das Wetter macht uns zu schaffen“, gibt Kessler zu. Für die Drohnenflüge ist es recht windig, immer wieder unterbrechen Regenschauer die Dreharbeiten. Bis zum Abend hat das Team von „Mediashots“ allerdings alles im Kasten.
Das Ergebnis wird am Montag, 11. Juli, im Technologie- und Tagungszentrum zu sehen sein: Dann wird die IHK ab 18 Uhr über ihre Vision, Marburg als Pilotregion für das autonome Fahren zu etablieren, vorstellen.

Marco Kessler ist von dem Thema als solchem nicht nur begeistert, sondern bereits jetzt überzeugt: „Autonomes Fahren wird sich etablieren, denn die Autos fahren bereits.“ Zwar habe es jüngst bei einer Tesla-Probefahrt ein Todesopfer gegeben – „aber das Thema wird kommen, und bestimmt schon in echt naher Zukunft“.

  • Die Informationsveranstaltung beginnt am Montag, 11. Juli, um 18 Uhr im Technologie- und Tagungszentrum. Neben dem Film wird eine neue Homepage zum Thema vorgestellt. Peter Lather, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses, führtdurch den Abend, Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies hält ein Grußwort, Professor Martin Przewloka wird das Konzept vorstellen. Anmeldungen sind bei der IHK unter Telefon 0 64 21 / 96 54 21 bis Donnerstag, 7. Juli, erbeten.

von Andreas Schmidt

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