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Erinnerungen an die Zeit der Tracht

Bildband Erinnerungen an die Zeit der Tracht

Mit rund 300 Hochglanzfotos nimmt der Bildband „Tagewerk und Abendmahl“ den Leser mit auf eine Zeitreise ins Oberhessen der 1950er Jahre.

Marburg. Trachtenträgerinnen sind heutzutage selbst in Dörfern kaum mehr zu sehen. Nur noch 121 Frauen haben im August 2010 im Landkreis die evangelische, 87 die katholische Marburger Tracht, getragen. Das haben Eckhard Hofmann und Jürgen Homberger recherchiert. „Das sind die letzten authentischen Trachtenträgerinnen“, erklärt Mitautor Eckhard Hofmann.

Vor 50 bis 60 Jahren war das noch ganz anders: In den 1950er Jahren war es völlig normal, Frauen und in einigen Ortschaften sogar Kinder, die in Tracht gekleidet waren, anzutreffen. Als der Fotograf Professor Wolf Lücking 1956 unter anderem die damaligen Landkreise Marburg und Biedenkopf bereiste, gehörten in Tracht gekleidete Frauen zu einem festen Bestandteil des alltäglichen Dorfbildes. „Egal ob bei der Stall- und Feldarbeit, bei Festen und Beerdigungen oder dem sonntäglichen Kirchgang, die Trachten waren in all ihren Facetten gegenwärtig“, erzählt Hofmann.

Der von der Hessischen Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege herausgegebene Bildband nimmt den Betrachter mit in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Er zeigt fast 300 von Lücking geschossene Bilder von Alltagsszenen aus hessischen Dörfern in den 1950er Jahren, Dorfansichten, Bilder von Hofreiten und vom Kirchgang. Ergänzt wird der Bildteil mit ausführlichen Beschreibungen der Trachten durch die Mitautoren Hofmann und Jürgen Homberger aus dem Ebsdorfer Grund sowie persönlichen Eindrücken und Anmerkungen des heute 79-jährigen Fotografen.

Bereits ab 2003 arbeiteten Hofmann und Homberger an dem nun erschienenen Werk. In Vorbereitung auf eine Trachtenpräsentation, die damals in Cappel stattfand, recherchierten sie und stießen dabei auf Bildbände Lückings aus dem Jahr 1959. Der damalige Dozent der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin veröffentlichte zu dieser Zeit drei Bücher mit Bildern, ehe er nach Westdeutschland flüchtete und das Projekt zum Erliegen kam. „Wir dachten uns, dass der Professor noch leben könnte und es noch weitere Fotos geben könnte“, berichtet Hofmann. In der Tat habe man Lücking ausfindig gemacht und in Berlin besucht. Der Bildband sei schließlich in Gemeinschaftsarbeit entstanden.

Das Buch ist bei Eckhard Hofmann und Jürgen Homberger, E-Mail htk.gbr@web.de, für 39 Euro und im Buchhandel erhältlich.

von Stefan Weisbrod

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