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Erinnerungen an den Holocaust

Vortrag Erinnerungen an den Holocaust

Die 92-jährige Zeitzeugin kam mit Elisabeth Abendroth zu einer Lesung ins Landgrafenhaus.

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Nach der Lesung nahm Trude Simonsohn (rechts) sich Zeit für persönliche Gespräche mit den
Zuhörern.

Quelle: Arnd Hartmann

Marburg. „Noch ein Glück - Erinnerungen“, so heißt der Titel des gemeinsamen Buches der Holocaust-Überlebenden Trude Simonsohn und Elisabeth Abendroth, Tochter des Politologen und Begründers der „Marburger Schule“, Professor Wolfgang Abendroth. Zur Lesung eingeladen hatte das Marburger Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse (ICWC) unter der Leitung von Professor Christoph Safferling.

Besonderes Engagement gegen das Vergessen und die Aufarbeitung der Geschehnisse während des Zweiten Weltkrieges liegen Trude Simonsohn am Herzen. Seit 1975 besucht sie dafür Schulklassen. „Man kann durch eine Diktatur nicht mit sauberen Händen gehen, erklärte ich den Schülern immer“, sagte Simonsohn zu Beginn der Veranstaltung.

Eltern in Konzentrationslager verschleppt

Die 92-Jährige, geboren im mährischen Olmütz, berichtete in der Lesung von ihrem bewegten Leben, beginnend mit Kindheit und Schulzeit in ihrer Heimatstadt.

Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Zuge der Annexion der Tschechoslowakei am 15. März 1939 und der späteren Umwandlung in das Protektorat Böhmen und Mähren bat sie darum, früh die Schule zu verlassen, da zum damaligen Zeitpunkt schon antisemitische Hetze den Alltag bestimmten. Zu dieser Zeit wurde ihr Vater verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt wie auch später ihre Mutter.

Nach dem Schulabgang schloss Trude Simonsohn sich der linkspolitischen zionistischen Jugendbewegung an und zog mit dieser Gruppe auf ein Gut, um landwirtschaftlicher Arbeit nachzugehen und jüdische Jugendliche auf die Ausreise nach Palästina vorzubereiten.

Im Juni 1942 geriet sie selbst wegen angeblichen Hochverrats und illegaler kommunistischer Tätigkeit in Gefangenschaft und in sechsmonatige Einzelhaft, woraufhin später die Deportation ins KZ Theresienstadt erfolgte.

In der Garnisonsstadt, einem Sammel- und Durchgangslager, das zuvor von Tschechen bewohnt wurde, lernte sie ihren späteren Mann, den jüdischen Sozialpädagogen und Juristen Berthold Simonsohn, kennen.

Inhaftierte Kindertrösteten Alte und Kranke

In Erinnerung an die Haft im Lager Theresienstadt sagte Simonsohn, dass vor allem die inhaftierten Kinder den alten und kranken Menschen Hilfe und Trost spendeten, aber auch ein Kulturangebot innerhalb der jüdischen Gefangenen organisiert wurde.

Anschauungsmaterial wurde während der Lesung durch das Publikum gereicht, darunter Geldscheine aus der damaligen Zeit, die in Theresienstadt gedruckt wurden, und der Judenstern, ein Zwangskennzeichen für Personen jüdischen Glaubens im Dritten Reich.

Wie ihr Mann wurde auch Trude Simonsohn im Oktober 1944 ins KZ Auschwitz deportiert. Ein Lebensabschnitt, über den bis heute keine Erinnerungen mehr vorhanden sind und bei ihr einen körperlichen wie seelischen „Blackout“ verursachte. Am 9. Mai 1945 erfolgte schließlich die Befreiung der Häftlinge durch die Rote Armee, ihr Ehemann entkam den Schrecken der Nationalsozialisten lebend.

Nach Kriegsende siedelte das Ehepaar Simonsohn in die Schweiz um und ab 1955 über einen Zwischenaufenthalt in Hamburg dann nach Frankfurt, wo Trude Simonsohn bis heute lebt.

Im Anschluss an die Lesung blieb noch die Möglichkeit für ein Gespräch mit den beiden Frauen, die es sich nicht nehmen ließen, die Bücher der Gäste am Ende der Veranstaltung persönlich zu signieren.

von Arnd Hartmann

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