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Erinnerung an die Friedhofsgeschichte

150 Jahre Hauptfriedhof Erinnerung an die Friedhofsgeschichte

150 Jahre Marburger Hauptfriedhof: An dieses Jubiläum wurde am Freitag in einer Feierstunde ­erinnert.

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Friedhofsdezernent Dr. Franz Kahle hatte zur Feierstunde „150 Jahre Hauptfriedhof“ in die alte Kapelle eingeladen.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Im Jahr 1865 wurde der Marburger Hauptfriedhof an der Ockershäuser Allee als neue zentrale und überkonfessionelle Begräbnisstätte eröffnet (die OP berichtete). Aus diesem Anlass fand am Freitag in der alten Friedhofskapelle eine kleine Erinnerungsfeier statt, bei der 
auch eine neue städtische Broschüre zur Geschichte dieses Friedhofs vorgestellt wurde.

Für die Marburger Stadtgeschichte sei der bis heute genutzte Friedhof sehr bedeutsam, denn daran lasse sich der Wandel im Umgang mit Verstorbenen ablesen, sagte Friedhofsdezernent Dr. Franz Kahle (Grüne). Ein verändertes Hygiene-Verständnis habe wie in anderen deutschen Städten vor 150 Jahren zur Errichtung des neuen, großen Friedhofs geführt.

Zahl der Urnenbestattungen steigt

Bis in das 16. Jahrhundert seien die Begräbnisse immer in der Nähe von großen Kirchen in der Stadt erfolgt. Danach habe Landgraf Philipp die Verlegung von Friedhöfen vor die Stadtmauern – und zwar am Barfüßer Tor, am Michelchen und vor Weidenhausen verfügt. Das große Stadtwachstum im 19. Jahrhundert habe dann die neue Lösung an der Ockershäuser Allee zur Folge gehabt.

Heutzutage gebe es auch auf dem Hauptfriedhof immer mehr Urnenbestattungen. Neu seien dort seit einiger Zeit auch ein großes jüdisches und ein muslimisches Gräberfeld.

Die Pharmaziehistorikerin Dr. Barbara Rumpf-Lehmann, die Kunsthistorikerin Dr. Jutta Schuchard und der Bauforscher Ulrich Klein haben Texte für die 24-seitige Broschüre zur Geschichte des Friedhofs verfasst, die am Freitag vorgestellt wurde und ab sofort im Garten- und Friedhofsamt erhältlich ist.

Bestattungskultur unterliegt Wandel

Rumpf-Lehmann berichtete in einem Vortrag, dass es nach einer ersten Erweiterung des Friedhofs im Jahr 1899 zu einer zweiten Erweiterung gekommen sei. Zudem stellte sie kursorisch die Entwicklung des Friedhofs vom Ursprung mit vier rechteckigen Feldern (Quartieren) bis zum heutigen Ausbaustand dar. Heutzutage erstreckt sich auch das durch Ankäufe von Ockershäuser Gärten erweiterte Areal über eine teils sehr bergige Fläche von insgesamt 22 Hektar.

Schuchard erläuterte in ihrem Vortrag auch Hintergründe zum Wandel in der Bestattungskultur. Sie erwähnte auch, dass der Marburger Hauptfriedhof damals zur Gründungszeit Mitte des 19. Jahrhunderts wie auch die anderen Friedhöfe ­Totenhof genannt worden sei.

Damals habe es auch drei Klassen der Beerdigung gegeben. Passend dazu hätten die damals für den Transport der Toten benutzten Leichenwagen auch eine unterschiedlich komfortable Ausstattung besessen. Auch in Marburg habe sich der Trend des Friedhofswesens von der Dominierung durch die Kirchen hin zu einer Kommunalisierung vollzogen.

Umrahmt wurde die Feier von Orgelmusik. So spielte Gerold Vorrath unter anderem das Orgelstück „Ach wie flüchtig, ach wie nichtig“ von Georg Böhm.

von Manfred Hitzeroth

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