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Erinnerung an das Müllhalden-Trauma

Protest vor 20 Jahren Erinnerung an das Müllhalden-Trauma

"Deponie hier nie!". Vor 20 Jahren gingen Bauerbach, Schröck und Großseelheim erfolgreich gegen die Pläne des Landkreises auf die Barrikaden. Bewohner erinnerten nun an die Bürgerinitiative.

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Zur Erinnerung an die Proteste gegen die geplante Mülldeponie vor 20 Jahren zogen Bauerbacher durch und vor den Ortsteil. „Deponie, hier nie!“ lautete die Parole seinerzeit. Fotos: Ina Tannert

Bauerbach. Kein Müll im Arzbachtal! Darüber freuen sich die Bewohner von Bauerbach, Schröck und Großseelheim heute und darum kämpften sie vor rund 20 Jahren. Mit Erfolg. Der Bau einer großen Restmülldeponie bedrohte Ende der 80er Jahre die fruchtbaren Felder im Arzbachtal an der Landstraße 3088. Damals suchte der Landkreis einen Standort für eine neue Großmülldeponie mit Kompostierungsanlage.

Von über 40 möglichen Standorten, wurde 1987 das Arzbachtal, auf Höhe der Kreisstraße zwischen Bauerbach und Schröck, als am besten geeigneter Platz für die 50 Hektar große Entsorgungsanlage ausgesucht. Die Bewohner aus Großseelheim, Schröck und vor allem dem nahen Bauerbach waren geschockt. Schnell machte sich Unmut über eine Müllhalde direkt vor der Haustür breit. Ein Jahr später schlossen sich Bürgerinitiativen aller Ortschaften zum „Bürgerverein keine Mülldeponie im Arzbachtal“ zusammen.

Über fünf Jahre dauerte der Kampf. Zahlreiche Demonstrationen, Protestfluten, Diskussionen und über 1000 Einwendungen gingen beim Landkreis ein. Beide Seiten führten haufenweise Gegenargumente, Untersuchungen, geologische Tests und Gutachten durch, lieferten sich jahrelang bürokratische und juristische Schlachten.

Anfang der neunziger Jahre wendete sich langsam das Blatt. 1990 führte die Stadt Marburg weitere Probebohrungen durch, bei denen ein großes, hochwertiges Trinkwasserreservoir gefunden wurde. Die Stadt forderte den Kreis daher auf, die Pläne für den Bau einzustellen, welche die „Grundwassererschließungsmöglichkeit für Marburg zunichte machen würden“. Ausschlaggebend für die hydrogeologischen Bedenken war unter anderem die mangelnde Dichte und Trockenheit des Untergrundes, welche eine mögliche Beschädigung der Folienabdichtung der Deponie und große Gefahr für das Grundwasser darstellte.

Schlagabtausch zwischen Stadt und Landkreis

Den Bedenken widersprach der Kreis und betonte noch ein Jahr später, dass eine „hochwertige geologische Barriere vorhanden sei“. Das Kräftemessen der Deponie-Befürworter und Gegner zog sich noch zwei weitere Jahre hin. Bis Mitte 1993 der Landkreis nicht die erforderliche Mehrheit für das Vorhaben erreichte und schließlich den Planfeststellungsantrag beim Regierungspräsidium zurück zog. Es wurde auf neue Standorte und modernere Abfallentsorgungsmöglichkeiten ausgewichen.

Zum Gedenken an den jahrelangen und erfolgreichen Bürgereinsatz pilgerten am vergangenen Sonntag rund 60 Bewohner aus Bauerbach, Großseelheim und Schröck zum Gedenkkreuz der Bewegung ins Arzbachtal. An mehreren Wegstationen erinnerten die Anwesenden an die langen und zermürbenden Protestjahre.

Während der Wanderung sammelten Kirche und Veranstalter Spenden für ein Wasserversorgungsprojekt in Kenia. Zu Ehren der Bewegung läuteten an diesem Tag fünf Minuten lang die Kirchenglocken aller drei Ortschaften zur gleichen Zeit.

Ausstellung erinnert an die Proteste

Im Bürgerhaus Bauerbach wurde zudem eine Ausstellung über die jahrelangen Proteste gezeigt. Initiiert hatte die Gedenkfeier Walter Weitzel, Gründer des Verschönerungsvereins Bauerbach, der schon den damaligen Bürgerprotest mit angeführt hatte. „Vor 20 Jahren haben wir unseren Kampf gekämpft und bis heute für sicheres Trinkwasser für künftige Generationen gesorgt“, sagt er. Es war eine einschneidende Erfahrung für alle Orte, sagt Ortsvorsteher Lothar Böttner.

von Ina Tannert

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