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Erdmagnetfeld leitet Tauben zurück in den Schlag

Flugmeister Erdmagnetfeld leitet Tauben zurück in den Schlag

Die Reisesaison läuft. Seit Anfang Mai sind die Brieftauben der Reisevereinigung Marburg wieder in Deutschland unterwegs.

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Stefan Naumann (links, 25) übergibt seine Brieftauben an Torsten Nau (39), der sie dann im Kabinenfahrzeug unterbringt.

Quelle: Jaqueline Erlach

Marburg. Dem Kalender der Reisevereinigung zufolge finden an den Wochenenden bis September insgesamt 13 Wettflüge statt, an denen die Tauben ihr Können unter Beweis stellen.

Der erste Preisflug dieses Jahres startete Anfang Mai aus dem Luftlinie 168 Kilometer entfernten Schlüsselfeld im Kreis Bamberg.

Von den insgesamt 96 Mitgliedern der Reisevereinigung nehmen 35 aktive Züchter mit ungefähr 1000 Tauben an den Preisflügen teil, sagte Mitglied Günter Scholl (76).

„Vor einem Wettflug werden die Brieftauben mit einer Diät auf die Anstrengung vorbereitet“, erklärte Taubenzüchter Torsten Nau (39). Zu Beginn gebe es Kohlenhydrate, dann folge eiweißhaltige Nahrung für den Muskelaufbau der Tiere. Kurz vor dem Flug bekämen sie nur noch fetthaltiges Futter, damit sie über genug Energie für den Langstreckenflug am nächsten Tag verfügten. Der Flugleiter der RV Marburg, Wolfgang Winter (72), erläuterte, wie die Tauben darüber hinaus vor einem Wettflug vorbereitet werden. Am Abend vor dem Flug werden die Brieftauben mithilfe eines elektrischen Senders im Fußring mit speziellen Geräten im System registriert.

Ein extra für solche Fahrten ausgebauter Transporter, auch Kabinenfahrzeug genannt, bringt die Tauben über Nacht in Richtung Südost. In diesen Lastern seien die Tauben mit ausreichend Wasser und Luft versorgt. „Die Standards für Vogeltransporte werden streng eingehalten“, sagte Winter. Der Auflasszeitpunkt wird in der RV Marburg vom Flugleiter je nach Wetterlage bestimmt.

So müssten Flüge auch verschoben werden, wenn Regen, Nebel oder Gewitter anstehen, um die Tiere keinem Risiko auszusetzen.

Längste Flugstrecke misst 600 Kilometer

In der Regel kehrten die Brieftauben am nächsten Morgen heim. „Den direkten Weg zu ihrem Heimatschlag finden sie mithilfe der Sonne und des Erdmagnetfeldes“, sagte Winter. „Einmal im eigenen Schlag angekommen, laufen die registrierten Wettflugtauben über eine Antenne im Boden, die dann die Ankunftszeit speichert.“ Um die Gewinnertaube eines Wettflugs zu ermitteln, werden die Entfernung und die Flugzeit gemessen. Daraus ergäben sich durchschnittliche Fluggeschwindigkeiten von 80 Stundenkilometern, berichtete Günter Scholl.

Eine trainierte Brieftaube ­könne bei Rückenwind sogar Geschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern erreichen, was eine Brieftaube von Manfred Riechel (72) im Wettflug vom 290 Kilometer entfernten Hemau bewiesen hat. Der Flugauswertung zufolge flog die Taube die Strecke dank guter Wetterbedingungen und Rückenwind mit bis zu 120 Stundenkilometern.

Die Flugstrecken werden im Laufe der Reisesaison stufenartig erhöht. Der längste Flug der Saison mit insgesamt 600 Kilometern Strecke findet am 29. Juli statt. „Die Tauben starten dann von Wien aus“, kündigte Scholl an.

Für die Jungtauben, die in diesem Jahr geboren wurden, seien die Strecken jedoch nicht so lang. Sie liegen dem Reiseplan dieser Saison nach zwischen 88 Stundenkilometern vom unterfränkischen Aschaffenburg aus und 304 Kilometern vom oberpfälzischen Hemau aus.

Jungtauben lernen von den Älteren

Jungtauben werden von den Züchtern langsam an die Wettflugbedingungen herangeführt, indem sie mit den Alttauben fliegen. Diese gäben ihre Erfahrungen an die Jungtiere in den sogenannten Vorflügen weiter, erklärte Winter.

Der Erfahrung der Marburger Taubenzüchter zufolge erreichen Brieftauben im Schnitt im Alter von zwei bis fünf Jahren die meisten Gewinne.

Am Ende der Saison wird die beste Taube der RV Marburg die sein, die die meisten Preise gesammelt hat. Preise bekomme man, wenn die Taube es bei einem Flug unter das erste Drittel der Reisetauben geschafft hat, führte Scholl aus. Je nach Schnelligkeit erhält die Taube beispielsweise 100 Punkte für den ersten Platz.

Dann wird ausgezählt, wie oft eine Taube in einer solchen Preisliste stand, das heißt, wie viele Preise sie erflogen hat. „Reisevereinigungsmeister Marburg wird der Züchter, der mit seinen fünf besten Tauben die meisten Preise gesammelt hat“, führte Flugleiter Winter aus.

von Jaqueline Erlach

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