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„Er wusste, dass sie noch nicht 14 ist“

Erwachsener schläft mit Kind „Er wusste, dass sie noch nicht 14 ist“

Die Lust am Marihuana-Konsum führte einen erwachsenen Mann und eine 13-Jährige erst zum gemeinsamen Joint und später bis ins Bett. Für den Beischlaf mit einem Kind bekam der Marburger nun eine lange Haftstrafe.

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Hinter dem 26-jährigen Angeklagten schließt sich die Gefängnistür.

Quelle: dpa

Marburg. Ein 26-Jähriger Marburger ist am Mittwoch vor dem Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Die dritte Strafkammer um Richter Dr. Thomas Wolf sprach den Mann des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes und der unerlaubten Abgabe sowie des unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln schuldig.

Im vergangenen Jahr hatte der Angeklagte dreimal mit einem Mädchen geschlafen, das zu diesem Zeitpunkt erst 13 Jahre alt gewesen war. Er räumte am Ende der Verhandlung ein, ihr Alter gekannt zu haben. Ferner ließ der 26-Jährige zu, dass das Mädchen sowie ein guter, ebenfalls minderjähriger Freund in seiner Wohnung Marihuana rauchten.

Am Ende bröckelte sie doch, die Fassade des 26-Jährigen. Er atmete schwer, schlug beide Hände vors Gesicht. „Ich bereue alles. Mein Leben muss sich ändern“, sagte der Angeklagte und gestand, vom genauen Alter des Mädchens gewusst zu haben, mit dem er im vergangenen Sommer dreimal geschlafen hatte. Sie war zu diesem Zeitpunkt erst 13 Jahre alt gewesen. Damit hatte sich der Angeklagte des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes, also einer Person unter 14 Jahren, schuldig gemacht.

Reichliche Vorstrafen

Und obwohl Richter Dr. Thomas Wolf dem Mann nach diesem Geständnis signalisierte, dass er mit einer langjährigen Haftstrafe rechnen müsse, wirkte der 26-Jährige nun wie befreit. „Es erleichtert mich, ich habe in den vergangenen Monaten in Geheimnissen gelebt.“ Fortan erzählte der Angeklagte dem Gericht strukturiert vom Tod seines Vaters, von einer Kindheit, in der er irgendwann bei falschen Freunden gelandet war, den Marihuana-Konsum kennenlernte.

Reichliche Vorstrafen prägen das Konto des Marburgers. Es geht unter anderem um Diebstahl, Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Während der nun verhandelten Taten liefen noch zwei Bewährungen von zurückliegenden Urteilen - eine davon wurde bereits widerrufen, sodass der Angeklagte aktuell in Strafhaft sitzt und mit Handschellen in den Gerichtssaal geführt werden musste.

Wie aber war nun das sexuelle Verhältnis zu dem Mädchen zustande gekommen, das gerade einmal halb so alt wie der Beschuldigte selbst ist? Über einen gemeinsamen Freund, so berichtet er, hätten sich die beiden im Frühsommer des vergangenen Jahres kennengelernt. Dieser Freund ist heute 16 Jahre alt und konsumiert selbst regelmäßig Marihuana - allerdings nur in der Wohnung des Angeklagten, weil es zu Hause zu gefährlich sei, erzählte er selbst.

Das Mädchen zeigte sich „am Kiffen interessiert“ und schrieb deshalb dem 16-Jährigen. Zu dritt traf sich die Gruppe daraufhin beim Angeklagten, um vornehmlich „Gras“ zu rauchen. Zwischen dem Angeklagten und dem Mädchen entwickelte sich dabei eine engere Beziehung. Die junge Zeugin, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagte, erklärte laut Richter Dr. Wolf, sie liebe den 26-Jährigen auch heute noch.

Dass es zum Geschlechtsverkehr der beiden gekommen war, hatte der Angeklagte in seiner Einlassung bereits eingeräumt. Beim ersten Mal habe es sich allerdings nur um „Kuscheln“ gehandelt, bei den beiden darauffolgenden Malen um mittels Kondom geschützten Sex.

Alter ist der Knackpunkt

Nur behauptete der Marburger zu Beginn: „Sie hat gesagt, sie sei 15 Jahre alt und werde demnächst 16. Ich wusste nicht, wie alt sie wirklich war.“ Das Mädchen stellte dem gegenüber, sie hätte ihr wahres Alter - 13 - offen kundgetan. Ob dies nun der Fall war oder nicht, erwies sich als Knackpunkt der Verhandlung.

Nachdem der Angeklagte kurz vor Ende der Beweisaufnahme eingelenkt hatte, bilanzierte Dr. Wolf: „Der Angeklagte wusste, dass das Mädchen noch nicht 14 Jahre alt ist.“ Und damit kam der schwere sexuelle Missbrauch eines Kindes im Urteil zum Tragen. Innerhalb dieses Paragraphen handelte es sich um einen minderschweren Fall, weil der Geschlechtsverkehr ungezwungen war.

Darüber hinaus verurteilte die dritte Strafkammer den 26-Jährigen wegen der unerlaubten Abgabe sowie des unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln. Zweimal hatte der Angeklagte nachweislich zugelassen, dass sein Freund und das junge Mädchen - beide minderjährig - in seiner Wohnung Marihuana konsumierten. Staatsanwalt Oliver Rust merkte an, das die Dunkelziffer dieser Fälle wahrscheinlich noch höher sei.

Seinem 16-jährigen Freund hatte der Angeklagte im Dezember 2014 den Betrag von 100 Euro in die Hand gedrückt, damit der Jugendliche bei einem Dealer neues „Gras“ kaufen konnte. Mit einer Mischung aus Verzweiflung und Galgenhumor nahm der Mann am Ende das noch nicht rechtskräftige Urteil auf. „Ich hab‘s früher nie verstanden“, sagte er bezüglich seiner Vorstrafen, „jetzt weiß ich, was Sache ist.“

von Yanik Schick

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