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„Er wurde immer aufdringlicher“

Aus dem Landgericht „Er wurde immer aufdringlicher“

Auch das mutmaßlich zweite Opfer eines wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen angeklagten Mannes berichtet von zunehmenden nächtlichen Annäherungsversuchen des Angeklagten. Dieser bestreitet die Vorwürfe.

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Ein zweiter Zeuge berichtete vor dem Marburger Landgericht von einer beängstigenden Situation.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Zum Geschlechtsverkehr mit dem Erwachsenen kam es laut Zeuge jedoch nicht, im Gegensatz zu dem ersten Opfer, einem damals 16-Jährigen aus Marburg, bei dem der Angeklagte bis zum Äußersten gegangen sein und den Jungen zum Sex gezwungen haben soll.

Den Beschuldigten lernte der zweite junge Mann aus der Gemeinde Breidenbach vor vier oder fünf Jahren kennen. Damals machte der Jugendliche ein Praktikum in einem Friseurgeschäft, in dem auch der Angeklagte arbeitete.

Mit diesem verstand er sich gut, schnell entwickelte sich eine Freundschaft zu dem erwachsenen Mann, berichtete der Zeuge. Wann genau es zu einem vermeintlichen Missbrauch kam beziehungsweise wie alt er zu diesem Zeitpunkt war, wusste der Heranwachsende nicht mehr genau. „Ich war vielleicht so 14 oder 15 Jahre alt“, vermutete das mutmaßliche Opfer.

Junge übernachtete
 bei dem Angeklagten

Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Dr. Thomas Wolf, ob auch ein früherer Zeitraum in Betracht komme, bejahte der Zeuge vorsichtig, „das kann sein, vielleicht war ich auch erst 13 Jahre alt“.

Regelmäßig besuchte er den Angeklagten und dessen damalige Freundin damals in seiner Wohnung, übernachtete häufig, so wie andere Jungen auch, auf der Couch. Mehrmals habe auch der heute 29 Jahre alte Beschuldigte die Nacht mit ihm auf dem Sofa verbracht, nachdem beide vor dem Fernseher eingeschlafen waren.

An eine für ihn beängstigende Situation erinnere er sich noch heute, so der Zeuge. Während er schlief, habe der Angeklagte ihm die Unterhose heruntergezogen, sein Geschlechtsteil mit der Hand und dem Mund berührt, berichtete der junge Mann undeutlich und mit sichtlichem Unbehagen. Davon sei er schließlich aufgewacht.Nachdem er von dem Beschuldigten verlangt hatte aufzuhören, zog sich der Mann zurück und begab sich in sein Schlafzimmer, sagte der Zeuge.

„Er hat bei mehreren 
etwas versucht“

Bei dem einen Vorfall sei es jedoch nicht geblieben, „er hat mich häufiger im Schlaf berührt, wurde mit der Zeit immer aufdringlicher“, betonte der Zeuge während seiner Aussage vor dem Landgericht.

Schließlich sei es auch tagsüber zu Annäherungsversuchen und Übergriffen gekommen. Wie beim ersten Opfer soll der 29-Jährige ihn mehrfach aufgefordert haben, in seiner Wohnung zu duschen, um den Jugendlichen anschließend im Badezimmer zu überraschen. Auch mit anderen Jungen soll der Beschuldigte versucht haben, intim zu werden, „er hat bei mehreren etwas versucht“, sagte der Zeuge.

Die damalige Freundin des Mannes vertraute ihm ihre Sorge an, dass ihr Partner sich an noch jüngeren Kindern vergreifen könnte, berichtete der Zeuge. Weiter ging er auf das Thema nicht ein. Zum Teil widersprachen sich seine Angaben mit einer früheren polizeilichen Vernehmung, was er mit dem langen Zeitabstand erklärte.

Das mutmaßliche dritte Opfer sowie weitere Zeugen sollen am zweiten Verhandlungstag am Mittwoch, 4. November, vor dem Marburger Landgericht gehört werden.

von Ina Tannert

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