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"Er war ganz blass und hat gezittert"

Tötungsdelikt am Richtsberg "Er war ganz blass und hat gezittert"

Es ist ein blutiges Familiendrama: Ein 31-Jähriger hat wohl seine 37-jährige Ehefrau in einer Wohnung im Marburger Stadtteil Richtsberg erstochen.

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Die Tür der Wohnung, in der die Frau getötet wurde, ist von der Polizei versiegelt worden. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Eine Siegelmarke der Polizei klebt an der Tür, hinter der sich am Montagabend das Familiendrama ereignete. Sonst deutet gestern nichts auf das Verbrechen hin, das Marburg erschüttert hat. Es ist ruhig in der Straße „Am Richtsberg“, die Sonne scheint, Kinder toben auf dem kleinen Spielplatz neben dem Haus. Lediglich die diversen Kamerateams, die vor dem Haus Nr. 16 auf und ab laufen und bei Nachbarn klingeln, zeigen, dass hinter der grauen Fassade des Sozialbaus eine Frau getötet wurde.

Auf eine Person haben es die Boulevardmedien ganz besonders abgesehen: Maria R. Die 63-Jährige war unmittelbar vor Ort, als das Verbrechen passierte. Immer wieder muss sie den Reportern schildern, was sie erlebt hat. „Der Mann kam mit den beiden jüngeren Kindern auf dem Arm aus dem Haus. Er war ganz blass und hat gezittert“, erinnert sich die Frau, die bei ihrer Tochter - einer Nachbarin der Familie - zu Besuch ist. Der mutmaßliche Täter habe sie gebeten, sich um die Kinder zu kümmern, weil seine Frau tot sei. Er habe gesagt: „Ich habe sie tot gemacht“, erklärt die schockierte Frau. Sie habe die weinenden Kinder beruhigt, die Polizei angerufen und dem mutmaßlichen Täter das Handy gegeben.

Oliver Rust von der Marburger Staatsanwaltschaft bestätigte der OP auf Anfrage, der 31-Jährige habe am Montag gegen 17 Uhr der Polizei telefonisch mitgeteilt, dass er seine Frau getötet habe. Bei der gestrigen Vorführung vor dem Ermittlungsrichter folgte nach Rusts Angaben allerdings kein Geständnis: der mutmaßliche Täter machte stattdessen keine Angaben zur Tat. Es gebe allerdings momentan keinen Anhaltspunkt, dass der 31-Jährige nicht der Täter war.

Die Todesursache waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft vermutlich Stich- beziehungsweise Schnittverletzungen, die der Frau mit einem am Tatort gefundenen Messer - vermutlich der Tatwaffe - zugefügt wurden. Gerüchte, dass die Frau auch am Hals gewürgt worden sei, konnte der Staatsanwalt nicht bestätigen.

Die Ergebnisse der gestern in die Wege geleiteten Obduktion des Opfers stehen noch aus. Zur Tatwaffe machte der Staatsanwalt keine Angaben. Auch nähere Einzelheiten zum Tatmotiv stehen noch nicht fest. Nur soviel ist jetzt kurz nach der Bluttat klar: Hintergrund ist wohl ein Beziehungsstreit. Das bestätigt auch Maria R. die sich mit dem mutmaßlichen Täter unterhalten habe. Bei dem Streit sei es wohl um einen anderen Mann gegangen.  „Er hat auf die Polizei gewartet, dann hat er plötzlich gesagt: Was habe ich gemacht, was habe ich bloß gemacht? Und dann hat er angefangen zu weinen. Ganz arg hat er geweint“, berichtet sie.

Die drei kleinen Kinder des Ehepaars im Alter von einem Jahr, zwei Jahren und sieben Jahren hatten sich nach Darstellung der Staatsanwaltschaft bei dem tödlich verlaufenen Familienstreit nicht direkt am Tatort befunden.

Der Staatsanwalt bestätigte Informationen, wonach die drei Kleinkinder nach dem Tod ihrer Mutter und der Verhaftung des Vaters sich mittlerweile in der Obhut des Jugendamtes befinden.

von Nadine Weigel und Manfred Hitzeroth

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