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„Er räumte die Störerin aus dem Weg“

Urteil gegen Cappeler Messerstecher „Er räumte die Störerin aus dem Weg“

Der Cappeler Messerstecher (24) ist am Donnerstag zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Marburg folgt damit der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Metallbauer erstach im Mai 2014 seine Schwiegermutter (51) und verletzte seine mittlerweile geschiedene Ehefrau sowie deren Bruder.

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Dem Verurteilten werden Donnerstag, dem letzten Verhandlungstag, im Gerichtssaal vorübergehend die Handschellen abgenommen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Verurteilung wegen Mordes aus Ermöglichungsabsicht hat bei den überlebenden Opfern Erleichterung, bei der Familie des Messerstechers Tränen ausgelöst.

„Ich bereue alles, ich weiß, was ich der Familie, auch meinen Kindern angetan habe. Ich würde das Geschehene gerne rückgängig machen“, sagte der Verurteilte in seinen letzten Worten an das Gericht. Wenige Minuten später fällte das Gericht das Urteil: 15 Jahre Gefängnis.

„Die Mutter war eine schutzbereite Person. Doch sie war dem Angreifer für sein eigentliches Ziel, der Ehefrau, dazwischengeraten. Also räumte er die Störerin aus dem Weg“, sagte der Vorsitzende Richter Dr. Carsten Paul.

 

Die Nebenkläger hingegen freuten sich über die Entscheidung des Landgerichts: „Den Kindern der Getöteten war wichtig, dass es für den Täter eine hohe, möglichst lebenslange Strafe gibt“, sagte Rechtsanwältin Dr. Marina Marschall auf OP-Nachfrage. Zuvor hatte sie ihr Plädoyer gehalten: „Er ist ein Taugenichts, falsch, faul und gewalttätig“, sagte sie in Richtung des Angeklagten.

Der größte Lebenserfolg des 24-Jährigen sei es gewesen, „Macht und Herrschaft über eine junge Frau zu besitzen“, die er dann „zur Sexsklavin dressiert“ habe. Ihr Aufbegehren habe er nicht verkraftet – und sie dafür töten wollen. Die Schwiegermutter sei bei der Ausführung des Tatplans „aus dem Weg geräumt“ worden, ergänzt die zweite Opfer-Anwältin Dr. Elke Edelmann.

Richter sieht keine Affekttat

Die Staatsanwaltschaft sah durch die vorherige Beweisaufnahme alle ihre Anklagepunkte als bewiesen an: „Schon Tage vor der Tat hatte er den Entschluss gefasst, seine Ehefrau zu töten, er hat es gegenüber Freunden sogar angekündigt“, sagte Staatsanwalt Nicolai Wolf in seinem Plädoyer. In SMS-Dialogen schrieb er: „Ich kill’ die Bitch“. Dass er letztlich anstatt seiner mittlerweile geschiedenen Ehefrau die Schwiegermutter – die Oma seiner zwei Kinder – erstach, sei geschehen, weil er „seinen Plan durch sie gefährdet sah“.

Der 24-Jährige sei am 30. Mai 2014 im Mehrfamilienhaus in der Moischter Straße „durch die Wohnung gewalzt“, ohne dass er – wie die Verteidigung anführte – von der Familie provoziert worden sei. „Er stach die Schwiegermutter aus dem Weg, um seine dann flüchtende Ehefrau töten zu können.“

Die Verteidigung wertete die Messerattacke speziell gegen das Todesopfer (51) anders: Ein Totschlag im Affekt sei es gewesen, sagte Verteidiger Sascha Marks. Eine verminderte Schuldfähigkeit aufgrund einer diagnostizierten „schweren Depression“, gar eine Affekttat liegt laut Richter Paul nicht vor.

von Björn Wisker

 
Definition zum Mordmerkmal der Ermöglichungsabsicht
Voraussetzung ist, dass es dem Täter zielgerichtet darauf ankommt, durch sein Vorgehen eine andere Tat zu fördern. Die Verwirklichung des Mordmerkmals hängt nicht davon ab, dass der Täter die Tötung als unerlässliches Mittel zur Ermöglichung der Bezugstat erachtet.
 
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Anzeichen für Depression

Im Prozess gegen einen 24-Jährigen, der seine Schwiegermutter erstochen, Ehefrau und Schwager mit Messerstichen verletzt hat, stößt eine Depressions-Diagnose die Debatte um die Schuldfähigkeit des Täters an. Ein Urteil wird für Donnerstag erwartet.

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