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„Er möchte wieder in sein Heimatland zurück“

14 Monate Haft für Flüchtling „Er möchte wieder in sein Heimatland zurück“

„Bitte geben Sie mir noch eine Chance. Ich will nicht im Gefängnis bleiben“, bat der 20-jährige Angeklagte das Gericht.

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Der Angeklagte soll im Camp Cappel Handys gestohlen haben.

Quelle: Archiv

Marburg. Er musste sich vor dem Marburger Amtsgericht wegen mehrerer Straftaten verantworten – unter anderem wegen versuchten sowie räuberischen Diebstahls und Körperverletzung. Ein Faktor bei fast jeder Straftat war die scheinbar starke Alkoholsucht des Angeklagten. Sie war Motiv für eine weitere Straftat. Am 26. August 2015 soll der Angeklagte in einem Marburger Supermarkt Spirituosen geklaut haben. Als er vom Filialleiter gestellt wurde, soll er diesen geschubst haben, weggelaufen sein, wurde jedoch kurz darauf gefasst. Der Angeklagte leugnete den Schubser, räumte den Diebstahl jedoch ein. Laut Polizeiprotokoll sei der 20-Jährige zur Tatzeit alkoholisiert gewesen.

„Stark betrunken“ sei der Angeklagte nach eigener Aussage am 21. Oktober 2015 gewesen. An diesem Tag soll er im Zuge eines Streits mit zwei Männern einem der beiden mit einem hölzernen Stuhlbein gegen den Oberkörper geschlagen haben. „Einer der beiden wollte seinen Hund auf mich hetzen. Als der andere Mann auf mich zu kam, habe ich ihn mit einem Stück Holz geschlagen. Ich wollte mich nur verteidigen“, berichtete der Angeklagte.

Der Hundebesitzer erzählte eine ganz andere Geschichte: „Wir saßen einfach nur da und waren ganz friedlich. Da kam auf einmal dieser Typ total aggressiv an und hat meinen Kumpel mit einem Stuhlbein geschlagen.“ Genau so hatten es auch zwei Zeuginnen in Erinnerung, die den Streit beobachtet hatten und die Aussage des Hundebesitzers bestätigten.

Vorwurf: Handys im Camp Cappel gestohlen

Des Weiteren wurde dem Angeklagten vorgeworfen, am 18. November 2015 in der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Cappel drei Handys gestohlen zu haben. Nach einigen Ermutigungen seines Verteidigers Thomas Strecker rang sich der Angeklagte zu einem Teilgeständnis durch. „Ich habe an dem Tag nur ein einziges Handy geklaut. Das schwöre ich“, sagte er.

Dass der 20-Jährige nur teilweise geständig war, hielt ihm Staatsanwältin Annemarie Petri vor: „Er hat nicht reinen Tisch gemacht, sondern in mehreren Punkten gelogen.“ Weiterhin bezeichnete sie die Geständnisse als „windelweich“ und „wenig glaubhaft“. Eine positive Sozialprognose – notwendiges Kriterium für eine Bewährungsstrafe – sei nicht möglich. So sah es auch das Gericht unter dem Vorsitz von Thomas Rohner, das eine Gesamtfreiheitsstrafe von 14 Monaten verhängte.

Nach der Verhandlung stellte Strecker für seinen Mandanten einen Antrag auf „aufenthaltsbeendende Maßnahmen“. „Er hat sich entschieden, dass Deutschland doch nichts für ihn ist und möchte wieder in sein Heimatland zurück“, sagte der Anwalt.

von Benjamin Kaiser

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