Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Entfesselte Kräfte toben im Landkreis

Sturmtief "Niklas" Entfesselte Kräfte toben im Landkreis

Sturmtief „Niklas“ hat am Dienstag auch den Landkreis getroffen. Die Sturmböen rissen Bäume um und beschädigten Häuser. Ab 13 Uhr waren Feuerwehr und Polizei im Dauereinsatz.

Voriger Artikel
„Es ist trotzdem immer ein Arzt da“
Nächster Artikel
Volksfest soll Weltkulturerbe werden

Landkreis. Der Sturm hat sichtbare Schäden hinterlassen, verletzt wurde nach den Erkenntnissen bis gestern Abend niemand. Obst- und Ziergehölz in Gärten und auf öffentlichen Plätzen ging zu Bruch. Dazu wurden mehrere Fahrzeuge in Marburg durch umknickende Bäume demoliert. Gewächshäuser und Gartenhütten wurden in ihre Einzelteile zerlegt und über die Landschaft verteilt.

Besonders kräftig fegte der Orkan über die Höhenlagen des Hinterlandes. So gingen bei der Polizeistation und beim Forstamt in Biedenkopf den ganzen Tag Meldungen über entwurzelte und umgestürzte Bäume sowie blockierte Straßen ein. Die in der Bewältigung von Orkanschäden erfahrene Leiterin des Forstamtes Biedenkopf, Sigrid Krawielitzki, reagierte gelassen auf den Sturm. „Was Kyrill umgeblasen hat, kann jetzt nicht mehr fallen“, sagte sie. Gerade dieser Orkan habe gezeigt, dass es zwei Wochen dauern könne, bis eine end­gültige Schadensbilanz im Forst möglich sei.

Polizei und Feuerwehr war am Dienstag im Dauereinsatz. Sturmtief "Niklas" hinterließ auch in Marburg-Biedenkopf seine Spuren.

Zur Bildergalerie

Ob es zu größeren Windwürfen kam, vermochte sie auch deshalb nicht zu sagen, weil gestern alle Förster zu Hause blieben. „Der Aufenthalt im Wald wäre viel zu gefährlich gewesen“, betonte sie.

Und wenn es wirklich zu einem größeren Windwurf käme, dann sei man gut vorbereitet, sagt Sigrid Krawielitzki. Bei Breidenbach wurde 2007 eine Holzverladestation eingerichtet, um große Mengen an Sturmholz abzutransportieren. Sie ist weiterhin in Betrieb.

Die größten Abnehmer des heimischen Holzes seien im Wittgensteiner Land zu Hause, sagte die Forstamtsleiterin und erklärte, dass von Orkanen erfahrungsgemäß auch die waldreichen Regionen in der Nachbarschaft betroffen seien. Logischerweise nähmen die Sägewerke in solchen Fällen das Sturmholz vor Ort als erstes an. Die Verladestation habe es ermöglicht, große Mengen an Holz in Regionen zu bringen, wo es benötigt werde.

Sachschäden an Autos und Häusern

Die Forstamtsleiterin ist zuversichtlich, dass die Waldbauern nicht gleich heute in den Wald rennen, um nachzuschauen, wo Bäume umgefallen sind. Denn nach einem solchen Orkan berge Totholz in den Kronen große Gefahren. Herunterfallende Äste können an den nächsten windreichen Tagen auch für Wanderer und andere Erholungssuchende gefährlich werden. Deshalb raten die Forstexperten, den Forst zu meiden, bis sich das Wetter endgültig beruhigt hat.

Nicht ganz so hoch wie in Teilen des Altkreises Biedenkopf waren offenbar die Windgeschwindigkeiten im Zuständigkeitsbereich des Forstamtes Kirchhain. Dessen Leiter Lutz Hofheinz berichtete denn auch nur von einzelnen umgestürzten Bäumen. Auch hier ist allerdings eine endgültige Schadensbilanz erst in einigen Tagen möglich.

Eine erste Zwischenbilanz von Seiten der Polizei zog Pressesprecher Martin Ahlich Dienstag um 16.30 Uhr: „Insgesamt hatten wir im Landkreis seit heute Morgen um 8 Uhr 40 sturmbedingte Einsätze, 30 davon in der Zeit ab 13 Uhr.“ Dabei blieb es aber bis gestern Abend bei Sachschäden an Autos und Häusern. Umgestürzte Bäume behinderten immer wieder den Verkehr. Besonders häufig waren die B 453 im Bereich Breite Erle, die Straßen rund um Neustadt und das Gebiet Rüchenbacher Hecke bei Gladenbach betroffen. Die zentrale ­Leitstelle der Feuerwehr im Kreis zählte bis 17 Uhr 35 Einsätze, 40 umgestürzte Bäume und einige abgedeckte Dächer.

In Cappel ereignete sich ein größerer Schaden an der Turnhalle der Erich-Kästner-Schule. Etwa 20 Quadratmeter des Daches wurden, nach Angaben von Brandmeister Jan Linker, durch den Sturm abgedeckt.

Weiterhin musste der Marburger Kaffweg ab 17 Uhr aufgrund von umgeknickten Bäumen gesperrt werden. Die Arbeiten in der Straße dauerten bis 20.10 Uhr an. Vor Ort waren laut Linker vier Fahrzeuge mit elf Einsatzkräften, die auch Äste und Stämme von parkenden Autos entfernen mussten. Die Feuerwehr Marburg zählte bis in den späten Abend 15 sturmbedingte Einsätze. Bei der Polizei Marburg gingen weitere Anrufe wegen umherfliegender Baustellen-Schilder ein.

von Philipp Lauer, Hartmut Berge
und Dennis Siepmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr