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Engpässe bei Kursen für Flüchtlinge

Volkshochschule Marburg Engpässe bei Kursen für Flüchtlinge

Sprache büffeln, Geschichte lernen, Kultur verstehen: Die Zahl der Deutsch- und Integrationskurse in der Universitätsstadt ist innerhalb der vergangenen zwölf Monate massiv gestiegen. Die VHS muss sogar Kursteilnehmer abweisen.

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Juliet Ogiego aus Kenia informiert sich in der Volkshochschule in Berlin-Mitte über Deutschkurse. Deutschkurse an Volkshochschulen sind seit Jahren wichtige Bausteine für Integration. Der Bedarf steigt stetig an.

Quelle: Wolfgang Kumm

Marburg. Im vergangenen 
Jahr gab es an der Volkshochschule Marburg (VHS) 150 Deutschkurse, alleine in den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind es 100 – weit mehr als die Hälfte laufen als Module der Integrationskurse für Asylbewerber.

Noch einmal knapp 100 sind in der zweiten Jahreshälfte geplant, sagt die Leiterin der VHS Marburg, Kirsten Fritz-Schäfer, im Gespräch mit der OP. Darunter richtet sich ein erheblicher Teil an Menschen ohne Deutschkenntnisse und ohne Schriftkenntnisse. Wie viele Flüchtlinge die Lerneinheiten (600 Sprach- und 60 Landeskundestunden) in Marburg absolviert haben, ist unklar, da der Aufenthalts-
status der Teilnehmer nach VHS-Angaben statistisch nicht erfasst wird.

Sowohl bei den reinen Sprach- als auch den erweiterten Integrationskursen gilt: „Nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Zuwanderer etwa aus Spanien, Selbstzahler wie Studenten oder Au-Pair sitzen in den Kursen“, heißt es seitens der Stadtverwaltung auf OP-Anfrage. Die Mehrheit der Teilnehmer dürften aber seit Eröffnung der Erstaufnahme-Einrichtung in Cappel Asylbewerber sein.

„Notlösung“: Deutschkurse für Camp-Bewohner

Momentan belegen mehr als 800 Ausländer die Kurse – zwei Drittel davon sind Männer. Die Zahl der Syrer, Iraner und Eritreer sei in diesem Semester „stark gestiegen“, viele weitere kommen aus Afghanistan, dem Irak und Somalia. Und bis auf wenige Zuwanderer bestehen laut VHS alle die Abschlusstests sowohl in den Sprach- als auch Landeskundemodulen (der landeskundliche Teil umfasst neben Fragen zur Geschichte und Politik Deutschlands auch spezielle Fragen zu Hessen).

Der Zulauf zu den Kursen ist derzeit so groß, dass einzelne 
Bewerber abgelehnt werden mussten. Sie meldeten sich vereinzelt beim Portal Gisselberg, um an einem der Deutschkurse teilzunehmen, die ehrenamtliche Mitarbeiter dort für die Bewohner des Camps an der Umgehungsstraße anbieten – eine Notlösung, die laut Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach, der verantwortlichen VHS-Dezernentin, so nicht vorgesehen ist.
Laut Fritz-Schäfer soll nämlich jeder zugewiesene Flüchtling die Chance haben, einen Deutschkurs bei der VHS zu belegen. Die Zahl der Kurse sei deswegen deutlich ausgebaut worden.

Wer jetzt nicht zum Zuge komme, kann sich für den nächsten Starttermin vormerken und auf eine Warteliste setzen lassen. Allerdings, so schränkt Fritz-Schäfer ein, gibt es eine Pause um die Sommerferien herum – zum einen, weil viele Kursleiter im Urlaub sind, zum anderen, weil während der Sommerferien etwa Schulen als Unterrichtsorte nicht zur Verfügung stehen.

Bis zum Ende des aktuellen VHS-Sommersemesters werden mehr als 300 die Prüfungen abgelegt haben, und zwischen Dezember 2015 und Mai dieses Jahres bestanden zwei von knapp 90 Kursteilnehmern nicht. „Die Durchfallquote ist sehr gering.“

Kursleiter brauchen amtliche Zulassung

Fällt jemand durch, bleibt unterhalb des 
geforderten Niveaus, bekommt derjenige nach dem Besuch mehrerer weiterer Lernstunden eine weitere Chance, das Zertifikat – das Ausländern perspektivisch auch eine Einbürgerung erleichtert – zu erhalten. In den Kursen sind zur Zeit nach Auskunft der Stadtverwaltung 48 Deutschlehrer eingesetzt, sie bekommen ein Gehalt von 26 Euro pro Stunde.

Um in den Integrationskursen unterrichten zu können, müssen die Kursleiter über eine entsprechende Zulassung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verfügen. Diese erhalten sie etwa durch einen Uni-Abschluss im Fach Deutsch als Fremdsprache oder wenn sie das Zweite Staatsexamen in 
einer modernen Fremdsprache haben.

Die Angebotspalette bei der VHS reicht von Alphabetisierungskursen für Menschen ohne Schriftkenntnisse über Aussprachetraining bis hin zu Konversationskursen. Andere Angebote, die speziell mit Blick auf eine mögliche berufliche Zukunft der Schülerinnen und Schüler gemacht worden sind, sind dagegen nicht angenommen worden. So kam ein spezieller Kurs „Deutsch für Pflegekräfte laut VHS mangels interessierter Teilnehmer nicht zustande.

Bestehen Sie den Landeskunde-Test? Versuchen Sie es im Online-Testcenter des Bundesamts: www.bamf.de/DE/Willkommen/DeutschLernen/Integrationskurse/Abschlusspruefung/LebenInDeutschland/lebenindeutschland.html

von Björn Wisker
 und Till Conrad

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