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Energiedörfer begeistern in Paris

Weltklimakonferenz Energiedörfer begeistern in Paris

Als eine Mischung aus Kirchentag und Oberhessen-Schau erlebte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow die Weltklimakonferenz in Paris. Im Gespräch mit der OP spricht er über die Konsequenzen für den Landkreis.

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Auch so geht Klimaschutz: Marian Zachow erzeugt strampelnd Strom, um Musik aus einem Lautsprecher hören zu können – eines der in Paris vorgestellten Projekte.

Quelle: Landkreis

Marburg. Während viele Kommentare kritisieren, der in Paris vereinbarte Weltklimavertrag sei zu unkonkret und es fehle an strafenden Konsequenzen für den Fall der Nichtbeachtung, ist Marian Zachow auch einige Tage nach seiner Rückkehr aus Paris noch die Aufbruchstimmung anzumerken, die die Konferenz am Ende prägte. „Viele hatten nicht mehr damit gerechnet, dass es noch eine gemeinsame Erklärung geben würde“, berichtet der Erste Kreisbeigeordnete von einer eher negativen Stimmung, die noch am Mittwoch geherrscht habe. Dann aber sei Bewegung in die Verhandlungen gekommen.

Zachow räumt ein, dass die vereinbarten Ziele mit den derzeit geplanten Programmen nicht erreicht werden könnten. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten müsse noch nachgebessert werden. Der CDU-Politiker ist aber zuversichtlich, dass dies gelingen kann. Es sei sicher kein Zufall gewesen, dass das Interesse an den von ihm vorgestellten Energiedörfern Oberrosphe und Schönstadt so groß gewesen sei. In Paris sei deutlich geworden, dass es darauf ankomme, die Verantwortung für das Klima von der staatlichen Ebene auf die Basis auszudehnen.

Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist wichtig

Und da, das habe sich gleichfalls in Paris gezeigt, sei der Landkreis mit seinen zahlreichen privaten Initiativen im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt. Die Anerkennung, die solche Projekte andernorts erführen, könnten auch als Motivation dienen, die Pläne des Kreises, bis 2050 komplett auf erneuerbare Energien umgestellt zu haben, noch stärker zu verfolgen. Für das Gelingen der Weltklimapläne müsse sich ein verändertes Denken, die Energiewende als Chance, gerade für die ländlichen Räume zu begreifen, durchsetzen.

„Der wichtigste Hebel ist die Akzeptanz in der Bevölkerung“, sieht Zachow die Verantwortung der Politik vor allem in einer moderierenden Rolle. So habe Kanada aus den deutschen Fehlern bei der Einführung einer Ökosteuer gelernt. Als diese in Kanada eingeführt worden sei, habe der Finanzminister dafür Sorge tragen müssen, dass für die Bürger keine Mehrbelastung entstehe, also an anderer Stelle die Steuern senken müssen. Deshalb werde die Ökosteuer dort auch akzeptiert.

Stärkere Internationale Vernetzung

Dass man nicht nur sehr viel von anderen lernen könne, sondern gar müsse, ist eine Erkenntnis, die Zachow aus Paris mitgenommen hat. Deshalb möchte er auch eine stärkere internationale Vernetzung auf kommunaler Ebene vorantreiben. Ein Kongress im kommenden September in Nantes könne dazu ein weiteres Forum bieten.

Zachow will aber auch auf Kreisebene mit weiteren Projekten die Energiewende weiter forcieren. In einer Machbarkeitsstudie soll etwa ermittelt werden, wie die Elektromobilität mit dem öffentlichen Personennahverkehr verbunden werden kann. Gedacht ist dabei zum einen an Elektrobusse, aber auch den Einsatz von Elektrofahrrädern. Die könnten ein Mittel sein, in den äußeren Verästelungen des öffentlichen Verkehrsnetzes für bessere und attraktivere Anbindungen zu sorgen.

Der Beigeordnete sieht gute Chancen, Fördermittel für die Studie einwerben zu können. Auch beim Thema energetische Sanierung will Zachow den eingeschlagenen Weg fortsetzen. In den bereits sanierten Gebäuden spare der Kreis zwei Drittel der Energiekosten ein, das lohne sich also.

Schon die Kleinen lernen, worauf es ankommt

Eine ganz andere Zielgruppe peilt der Kreis mit einer Theatergruppe an, die bei Dritt- und Viertklässlern in Kirchhain ihren ersten Auftritt hatte. Sie erzählen von der Freundschaft eines Zugvogels mit einem Schulkind und vermitteln dabei viele kleine Schritte zum Klimaschutz. Auch dieses Projekt stellte Zachow in Paris vor und war damit Teil des offenen Bereichs, der sich für den Beigeordneten als eine Mischung aus Kirchentag und Oberhessen-Schau darstellte.

Projekte aus der ganzen Welt hätten auf beeindruckende Weise gezeigt, wie viele Ideen und Technologien zum Klimaschutz inzwischen entwickelt worden seien. Und mit der stärkeren Vernetzung könnten auch die Menschen im Landkreis noch mehr der vielen kleinen Möglichkeiten zum Mitmachen kennenlernen.

von Frank Rademacher

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