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Endlich eine sinnvolle Aufgabe haben

Arbeitsgelegenheit für Flüchtlinge Endlich eine sinnvolle Aufgabe haben

Im Portal Gisselberg können auch Menschen arbeiten, die noch keine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung haben.

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Sie arbeiten zusammen, damit Flüchtlinge wie Racha Abduhl Azim und Herr Behmann (Vordergrund) sich frühzeitig mit Tätigkeiten wie etwa in der Kleiderspende einbringen können: Tanja Hainl vom Jobcenter (von links), Gerlind Jäckle von der Praxis GmbH, Martina Schnell, die als Koordinatorin in der Kleiderspende tätig ist, Christoph Rettler von der Beratungsstelle für Flüchtlinge in Hessen,
Peter Schmidt vom Fachdienst Soziales und Andrea Heilmann, Leiterin der Geschäftsstelle für Flüchtlingsbetreuung.

Quelle: Marcus Hergenhan

Gisselberg. Einen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu finden, ist für viele Asylbewerber nicht gerade einfach, denn neben den formalen Hürden über Arbeitserlaubnis und Asylstatus gibt es häufig sprachliche Probleme und Skepsis auf Seiten der Arbeitgeber. Im Portal Gisselberg beziehungsweise der dort angegliederten Kleiderausgabe des Deutschen Roten Kreuzes wurden nun von der Portalleitung und der Praxis GmbH mithilfe von Fördermitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und des Europäischen Sozialfonds zehn Arbeitsgelegenheiten (ALG) in der Altkleiderausgabe geschaffen.

„Wir sind sehr glücklich darüber, wie gut hier alle zusammengearbeitet haben, damit das so ermöglicht werden konnte“, sagte Gerlind Jäckle von der Praxis GmbH. „Hier gibt es alle Hände voll zu tun und die Flüchtlinge werden bestens eingearbeitet“, ergänzte Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (SPD).

Unter der Bezeichnung ALG laufen Tätigkeiten vor allem auf gemeinnützigem Gebiet, die nicht in Konkurrenz zur freien Wirtschaft stehen und als erster Einstieg für Langzeitarbeitslose oder Flüchtlinge angeboten werden können. „Diese Stellen erfüllen alle Kriterien, damit hier auch Menschen arbeiten dürfen, die noch keine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung haben“, erklärte Tanja Hainls vom Kreisjobcenter.

Zu tun gibt es genug und viele Antragsteller sind froh, endlich eine sinnvolle Aufgabe zu haben, bei der sie ihre frisch in den Portalkursen erworbenen Sprachkenntnisse auch anwenden können.

„Viele haben schon vorher ehrenamtlich geholfen“

Denn das Altkleiderangebot steht nicht nur Flüchtlingen offen, sondern auch jedem, der einen Stadtpass hat. „Im Moment sind die Flüchtlinge noch die Mehrzahl, aber es kommen auch immer mehr Anwohner aus Marburg. Manchmal ist es noch schwierig mit der deutschen Sprache, oder es kommt jemand, bei dem meine Auswahl an Arabisch, Französisch, Portugiesisch und Englisch auch nicht reicht, aber dann muss man sich eben mit Händen und Füßen helfen“, berichtete Racha Abduhl Azim, die als bislang einzige aus ihrer Familie aus Syrien flüchten konnte.

Martina Schnell, welche die neuen Hilfskräfte bei ihrer Tätigkeit anleitet, ist froh über die eifrigen Dolmetscher: „Viele haben ja schon vorher ehrenamtlich geholfen und es ist einfach toll zu sehen, mit welchem Engagement diese Menschen arbeiten, weil sie etwas zurückgeben wollen.“

Herr Behmann aus Afghanistan (sein vollständiger Name wird hier nicht genannt, da das Verfahren noch läuft, d. Red.), der aus politischen Gründen seine Heimat verließ, ist äußerst dankbar für die Möglichkeit, sich einbringen zu können: „Ich habe in Afghanistan als Journalist gearbeitet und möchte auch gerne wieder in diesem Beruf Fuß fassen, da ist es wichtig, nicht nur ein bisschen Deutsch in Kursen zu lernen, sondern es auch anwenden zu können.“

Bislang sind für die zehn Stellen in der Kleiderausgabe des Portals Gisselberg drei bis sechs Stunden am Tag vorgesehen, dafür gibt es eine Aufwandsentschädigung von 1,05 bis 1,50 Euro je nach Asylstatus.

von Marcus Hergenhan

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