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Endgültig: Marktfrühschoppen abgesagt

Umstrittenes Volksfest Endgültig: Marktfrühschoppen abgesagt

Jetzt ist es definitiv: Der Marktfrühschoppen findet in diesem Jahr nicht statt. Das beschloss die Mitgliederversammlung des Marktfrühschoppenvereins mit großer Mehrheit.

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Der Marktfrühschoppen findet in diesem Jahr nicht statt.  Die Ausrichter bemühen sich um eine Nachfolgeveranstaltung.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Grund für die Absage ist laut Axel Koch, dem Schriftführer des Marktfrühschoppenvereins, die Befürchtung, dass die Burschenschaften Germania, Rheinfranken und Normania Leipzig trotz ausdrücklicher Ausladung durch den Verein an dem Marktfrühschoppen teilnehmen könnten.

Alle drei Burschenschaften sind Mitglieder des als rechtsextrem geltenden Dachverbands „Deutsche Burschenschaft“ (DB). Die Germania Marburg ist zudem in diesem Jahr vorsitzende Burschenschaft des Verbands, der in den vergangenen Jahren immer wieder durch völkische und rassistische Beschlüsse aufgefallen war. Mit am bekanntesten ist die rassistisch motivierte Debatte, die die Deutsche Burschenschaft 2011 um  die Aufnahme des chinesischstämmigen Studenten Kai Ming Au durch eine Mannheimer Burschenschaft führte.

Einzelne Burschenschaften, etwa die „Burschenschaft Danubia“ in München, die „Dresdensia Rugia“ in Gießen, die „Hamburger Burschenschaft Germania“ und die „Pennalen Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg“ werden vom Verfassungsschutz beobachtet.  Mitglieder just der Danubia und der Dresdensia Rugia nahmen im vergangenen Jahr demonstrativ am Marktfrühschoppen teil.

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) bezeichnete die Entscheidung des Marktfrühschoppenvereins als „verantwortungsvoll und vernünftig“. Vaupel hatte 2012 nach einem entsprechenden Beschluss des Stadtparlaments ein Verbot des Marktfrühschoppens ausgesprochen, war damit aber vor dem Verwaltungsgericht in Gießen gescheitert.   Das Stadtoberhaupt würdigte vor allem den Vorstand des Marktfrühschoppenvereins, der sich nach den Vorkommnissen der Vorjahre intensiv mit den Positionen der Deutschen Burschenschaft und der Rolle der drei Marburger DB-Burschenschaften  auseinandergesetzt und anschließend „klar Farbe“ bekannt habe.

Der Vorstand um den Vorsitzenden Tilman Pfeiffer hatte im Januar die drei Marburger DB-Burschenschaften ausgeladen. Nachdem die Mitgliederversammlung des Vereins diese Haltung zunächst nicht teilte, trat der Vorstand zurück, setzte aber anschließend eine Revision des Beschlusses durch. Zwischenzeitlich geäußerte Befürchtungen, der Verein werde durch Mitglieder der DB-Burschenschaften majorisiert, bewahrheiteten sich nicht.

Alle Entscheidungen mit großer Mehrheit gefällt

Wie Koch weiter berichtete, setzte die Hauptversammlung eine Arbeitsgruppe ein, die sich Gedanken über ein „neuartiges Bürgerfest am Tage des Marktfrühschoppens“ machen soll – „möglichst noch in diesem Jahr“, wie der Schriftführer hinzufügte.

Sie habe die Aufgabe, Vorschläge über die Gestaltung und Durchführung einer solchen Veranstaltung (Musik, Ablauf, Versorgung, Sicherheit …) zu unterbreiten. Der Träger einer solchen Veranstaltung werde aber nicht der Marktfrühschoppenverein sein, sagte Axel Koch. „Sie können glauben, dass den Mitgliedern diese Entscheidung sehr schwer gefallen ist“, sagte Koch. Einzelne Mitglieder sollen während der Hauptversammlung Tränen in den Augen gehabt haben. Aber, so Koch, alle Entscheidungen seien mit großer Mehrheit gefällt worden.

Vaupel erklärte, man solle sich jetzt Zeit lassen, ehe man über eine Anschlussveranstaltung konkret nachdenke.

Ein gewisser zeitlicher Abstand sei notwendig, um zu gewährleisten, dass eine Veranstaltung auf dem Marktplatz ihren eigenen Charakter ausprägen könne.

Ein Antrag der Marburger Linken für das Stadtparlament von Freitagabend, mit dem der Martkfrühschoppen 2015 verhindert werden  sollte, war vor Bekanntwerden der Entscheidung des Marktfrühschoppenvereins zurückgezogen worden. Stadtverordneter Jan Schalauske sagte der OP, der Schritt des Vereins sei überfällig gewesen. Er führt die Absage des Marktfrühschoppenvereins auch auf die jahrelangen Proteste gegen die Teilnahme rechter Burschenschaften zurück.

von Till Conrad

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