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Eltern setzen auf späte Einsicht

G9 Eltern setzen auf späte Einsicht

„Der Elternwille wird ignoriert“, kritisiert der Vorsitzende des Marburger Schulelternbeirats, Bernd Mönnich, die Haltung der Mehrheit des Hessischen Landtags.

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An den Gymnasien im Landkreis gibt es eine deutliche Mehrheit für die Rückkehr zur längeren Gymnasialzeit G9

Quelle: Archivfoto

Marburg. Der Kulturpolitische Ausschuss hatte am vergangenen Donnerstag dem Landtag empfohlen, eine Petition abzulehnen, in der 30000 Eltern aus ganz Hessen gefordert hatten, auch den derzeitigen Fünft- und Sechstklässlern die Rückkehr zur längeren Gymnasialzeit G 9 zu ermöglichen.

Von „großem Unmut“ bei den Eltern berichtet Mönnich ob dieser Entscheidung; gegen die Rückkehr zu G9 für die Jahrgangsstufen 5 und 6 gebe es „weder aus pädagogischer noch aus organisatorischer Sicht irgendwelche Bedenken“.

Auf Anfrage der OP sagte Mönnich, die Eltern wehrten sich nicht gegen das Argument der Koalition, die immer auf die Notwendigkeit eines „Bestandsschutzes“ für die Eltern der Fünft- und Sechstklässler hingewiesen hatten. Es gebe aber die Möglichkeit „Turboklassen“ einzuführen für die Schüler jener Eltern, die dies wünschten. „Der Landesregierung fehlt aber dazu der politische Wille“, sagte Mönnich.

Ähnlich sieht dies Alexandra Graff-Thiemig vom Schulelternbeirat der Lahntalschule in Biedenkopf. Noch hofft Graff-Thiemig aber, dass die Landesregierung „Einsicht zeigt“ und die Rückkehr zu G9 den Fünft- und Sechstklässlern doch noch ermöglicht. Die SPD hatte angekündigt, das Thema an diesem Donnerstag noch einmal in den Landtag zu bringen.

Ein Schlaglicht auf die Stimmung unter den Eltern wirft das Ergebnis einer Umfrage an der Lahntalschule in Biedenkopf. Dort waren etwa 200 Eltern von Fünft- und Sechstklässlern befragt worden, ob sie für ihre Kinder die Rückkehr zu G9 wünschen. Das Ergebnis: Etwa 90 Prozent der Eltern stimmten für diese Möglichkeit.

Auf Initiative des Schulelternbeirats der Lahntalschule soll nun am Samstag eine Demonstration durch die Marburger Innnenstadt stattfinden, in der die Eltern noch einmal Druck für diese Forderung machen werden. Das Ordnungsamt rechnet mit einer hohen Teilnehmerzahl und hat schon einmal vorsichtshalber vor Verkehrsbehinderungen in der Zeit von 11 bis 14 Uhr gewarnt.

Die Demonstration startet um 11 Uhr am Steinweg und führt durch die Oberstadt zur Augustinertreppe. Dort findet eine Kundgebung statt. Anschließend geht es über die Biegenstraße zurück zur ehemaligen Kinderklinik.

Auch die Eltern der Marburger Gymnasien unterstützen die Demonstration, teilte Mönnich mit. Wie viele Eltern letztendlich demonstrieren werden, das wollen weder Mönnich noch Graff-Thiemig im Vorfeld schätzen.

Eltern werden jedenfalls aufgerufen, einen roten Karton oder ähnliches mitzubringen: „Wir wollen (der Kultusministerin) Frau Beer rote Karte zeigen“, heißt es in dem Aufruf der Elterninitiative G 9. Für ein „einheitliches Gesamtbild“ sind die Demonstranten aufgerufen, „möglichst türkis-, petrol- oder blaufarbene Oberteile“ zu tragen.

Bereits am Donnerstag wollen Eltern mit einem Demonstrationszug durch die Wiesbadener Innenstadt auf ihre Forderung aufmerksam machen.

Bislang haben sich hessenweit 39 Schulen dafür entschieden, 11 weitere wollen in einem Modellversuch G8 und G9 parallel anbieten. Die Eltern in Hessen wünschten „mit überwältigender Mehrheit“ wieder G9, erklärte der Landeselternbeirat.

In Wiesbaden, Darmstadt, Kassel, Offenbach, Rüsselsheim und den Kreisen Hochtaunus und Groß-Gerau gibt es nach jetzigem Stand im neuen Schuljahr kein G-9-Angebot.

Die hessische SPD will im Falle eines Wahlsiegs die Schulzeitverkürzung rückgängig machen, deshalb unterstützt die Fraktion den Landeselternbeirat. „Weder eine flächendeckende G-9-­Zwangsbeglückung noch die vermurkste Wahlfreiheit der jetzigen Landesregierung bieten das Angebot, das unsere Kinder brauchen“, erklärten die Grünen.

von Till Conrad

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