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Eltern sehnen Ende der Arbeiten herbei

Kita Cappeler Straße Eltern sehnen Ende der Arbeiten herbei

Bürgermeister Franz Kahle kritisiert die unzureichende Zeitplanung für den Kita-Neubau. Der damit angesprochene Architekt weist die Schuld von sich - Leidtragende sind Kinder und Eltern.

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Livia auf dem Arm von Mutter Melanie Wende (von links) sowie Mara mit ihren Eltern Alexandra Sauer und Bernd Schäfer vor dem unfertigen Kita-Neubau in der Cappeler Straße.

Quelle: Andreas Arlt

Marburg. Lange war es eine unbefriedigende Situation für die Eltern von 50 Kindern, die im Krippenneubau auf dem Vitosareal in der Cappeler Straße betreut werden sollten, derzeit aber provisorisch untergebracht sind. Jetzt sagen sie: „Es reicht uns!“. Denn eigentlich hätte das Gebäude, das besonders effizient konzipiert ist und mehr Energie erzeugen als verbrauchen soll, längst fertig sein sollen. Der ursprüngliche Bezugstermin zum 1. Januar dieses Jahres wurde aber immer weiter nach hinten verschoben.

Architekt sieht „unrealistische Vorgaben“

Mittlerweile geht das zuständige Architektenbüro Opus aus Darmstadt davon aus, dass bis zum Ende der Sommerferien in der ersten Septemberwoche die letzten Arbeiten erledigt sind - „wenn uns die Firmen keinen Strich durch die Rechnung machen“, wie Opus-Projektleiter Andreas Sedler sagte. Gründe für die Verzögerung habe es einige gegeben: Firmen, die Termine nicht eingehalten hätten, unzulängliche Arbeiten, die korrigiert werden mussten und nicht zuletzt auch „unrealistische Vorgaben“ durch die Stadt als Bauherren. „Anderthalb Jahre sind ganz normal für so ein Projekt“, sagte Sedler.

Acht Monate - und damit bis zum Ende des vergangenen Jahres - war jedoch die Vorgabe der Stadt, die sich auch nicht den Schwarzen Peter zuschieben lassen will. „Dafür ist eine Bauleitung da, dass sie einen Zeitplan erstellt und diesen umsetzt“, sagte Bürgermeister und Baudezernent Dr. Franz Kahle (Grüne). Der Stichtag sei auch gesetzt worden, um 750000 Euro Fördermittel des Bundes für den Ausbau der Kinderbetreuung abrufen zu können. Nur durch eine kurzfristige Bundesratsinitiative wurde die Frist um ein Jahr verlängert - ein „glücklicher Umstand“, wie Kahle sagte.

Als „Architektenleistung unter aller Kanone“ bezeichnete Kahle den Zeitplan zunächst, bezog dies aber ausdrücklich nicht auf das Projekt an sich. „Das bauliche Konzept ist hervorragend. Wir hoffen jetzt auf einen Zielspurt, damit die restlichen Arbeiten auch noch erledigt werden und die Kinder Anfang September in den neuen Räumen untergebracht werden können.“ Seit zwei Monaten dokumentiert die Stadt die Baufortschritte mit Tageszeitplänen. Bis auf Kleinigkeiten laufe demnach alles im Plan, wie Günter Böth, Leiter des Fachdienstes Hochbau, bestätigte.

Der Elternbeirat bleibt aber skeptisch, ob die Kindergruppen nach den Sommerferien tatsächlich in das fertige Gebäude einziehen können. Damit würde die provisorische Unterbringung der bereits seit 1. März beim zukünftigen Betreiber, dem Gesamtverband der Evangelischen Kirchengemeinden in Marburg, angemeldeten Kinder enden. 30 Kinder werden im Kindergarten „Am Teich“ in Cappel betreut, dessen Sanierung sich um ein Jahr verschoben hat. Zudem sind 20 Kinder in Räumen der Mosaik-Schule untergebracht. Die Eltern kritisieren vor allem, dass der Informationsfluss nur mangelhaft gewesen sei. „Wir als Eltern mussten uns schon mehrmals mit kurzfristig geplanten Schließungsterminen arrangieren. Als Arbeitnehmer hat man Urlaub einzutragen oder anderweitig eine adäquate Kinderbetreuung organisieren müssen, die letztlich auch Kosten verursacht hat“, kritisieren sie in einem offenen Brief. Die Stadt und das Architekturbüro wollen im Rahmen eines Gesamtelternabends am 31. Juli in den Räumen des Altbaus der Kinderkrippe Cappeler Straße eine Stellungnahme abgeben.

von Andreas Arlt

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