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Eltern machen ihrem Ärger Luft

Kita-Neubau Eltern machen ihrem Ärger Luft

Während einer Besichtigung am Donnerstagabend ist die größte Sorge der frustrierten Eltern deutlich geworden: Auch der dritte Bezugstermin Anfang September steht auf der Kippe.

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Vor dem Gebäude diskutierten Vertreter von Stadt, Bauträger und Projektplaner mit den Eltern den aktuellen Baustand.Foto: Tannert

Marburg. Baustellenatmosphäre statt Kinderparadies: Eltern, Stadt, Träger und Projektplaner diskutierten an Ort und Stelle den aktuellen Baustand des Gebäudes. Und der ist nicht so weit fortgeschritten, wie die Eltern es sich wünschen: Baugerüste, Schutt, unverputzte, unverkleidete Wände und offen liegende Kabel beherrschen momentan noch das Bild in dem hochmodernen Gebäude. Stellenweise erstrahlt das Innere bereits in bunten Farben, Aufenthaltsräume, Ruhe- und Küchenbereiche sind nahezu fertig und lassen erahnen, wie die moderne Krippe einmal aussehen wird.

Doch es gibt noch einiges zu tun. Während des Besichtigungstermins hagelte es Kritik von den größtenteils enttäuschten Besuchern: Einige Gruppenräume seien zu klein, die Schlafbereiche nicht ausreichend, Ecken, Kanten oder Geländer nicht genügend gesichert, beschwerten sich Eltern und Träger, die seit Monaten mit baulichen Verzögerungen leben müssen. „Das ist unter aller Kanone. Niemals wird das alles bis Anfang September fertig“, warf unter anderem Vater Bernd Schäfer, ebenfalls im Baugewerbe tätig, den Verantwortlichen vor und prophezeite einen weiteren Arbeitsaufwand von mindestens zehn Wochen.

Ob der neue Umzugstag Anfang September wie versprochen eingehalten werden kann, ist fraglich. „Es wurden Fehler beim Bau gemacht, dadurch entstand ein Stau auf der Baustelle“, erklärte Projektleiter Andreas Sedler vom zuständigen Architektenbüro Opus aus Darmstadt. Über die Schuldfrage wurde am Donnerstagabend anhaltend diskutiert, mehr als ein harsches Wort fiel dabei in Richtung der Architekten. Wer nun genau Schuld an den gravierenden Mängeln trägt, könne jedoch nicht 100-prozentig nachgewiesen werden, erklärte Günter Böth, Leiter des Fachdienstes Hochbau.

Mehr als zwei Stunden standen alle Projektbeteiligten den erregten Eltern Rede und Antwort. Bei einer Podiumsdiskussion in der nahen Mosaikschule brachten diese ihr Anliegen schließlich auf den Punkt: „Sie wissen gar nicht, was Sie für einen Ärger verursacht haben. 50 Kinder und deren Eltern leiden seit Monaten darunter“, betonte Mutter Juliane Lange aus Marburg und kritisierte unter anderem den unrealistischen Zeitplan des Großprojekts. Dieser konnte von Anfang an nicht eingehalten werden, die Stadt habe einem notwendigen Zeitpuffer nicht zugestimmt, gab Projektleiter Sedler den Vorwurf zurück, versprach jedoch: „Wenn alle Firmen reibungslos arbeiten schaffen wir es.“

Der Elternbeirat blieb skeptisch. Mit einem Umzug in der ersten Septemberwoche rechneten nur die wenigsten der Anwesenden. Hauptproblem ist die kurzfristige Organisation der Kinderbetreuung, sollte der Termin erneut platzen. Als Lösung schlugen die Eltern einen einheitlichen Zeitpuffer vor, um eine langfristige Planung zu ermöglichen und einer erneuten Absage entgegenzuwirken.

Einem festen Stichtag konnte der Gesamtverband der Evangelischen Kirchengemeinden nicht zustimmen. Der zukünftige Betreiber der Kita einigte sich mit den Eltern jedoch auf eine zweiwöchige Vorlaufzeit. Der Verband erwartet von der Stadt ein „schlüsselfertiges Gebäude“, erst nach der Übergabe der fertigen Kita, wird der Träger den Eltern einen endgültigen Bezugstermin zwei Wochen später mitteilen. „Als Sicherheitsnetz für die Planung aller“, erklärte Pfarrer Ralf Hartmann, Vorsitzender des Verbandes.

von Ina Tannert

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