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Elnhäuser zeigen Zuversicht

Flüchtlinge Elnhäuser zeigen Zuversicht

80 Bewohner kamen zu der vom Ortsbeirat initiierten Informationsveranstaltung zum Thema „Flüchtlinge in Elnhausen“. Die Versammlung verlief sachlich, und die Elnhäuser zeigten sich hilfsbereit.

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In einer hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen spielen Kinder. Laut Ortsvorsteher sollen nur Familien nach Elnhausen kommen.Foto: Boris Roessler

Quelle: Boris Roessler

Elnhausen. Vor rund zehn Tagen sei er von einem Einheimischen angesprochen worden, ob jetzt Flüchtlinge auch nach Elnhausen kommen würden, berichtete Ortsvorsteher Jan von Ploetz zu Beginn der Veranstaltung. Damals wusste ich von nichts, so der Sitzungsleiter weiter. Um alle Bürger auf den gleichen Stand zu bringen, habe er sich mit der Stadt Marburg in Verbindung gesetzt und umgehend diese Informationsveranstaltung organisiert.

Die Flüchtlingskoordinatorin der Stadt Marburg, Gudrun Fleck-Delnavaz, gab einen Überblick über den rechtlichen Rahmen, die Herkunftsländer und Entwicklung der Flüchtlingszahlen der letzten Jahre. Weiterhin berichtete sie über die Residenzpflicht der Flüchtlinge und die bekannt große Außenstelle des Erstaufnahmelagers in Cappel.

Interessanter die dann folgenden Zahlen: Die Stadt Marburg habe entsprechend ihrem Anteil 21 Prozent der auf den Landkreis entfallenden Personen aufgenommen. Derzeit leben rund 670 Schutzsuchende in der Stadt. Um diese Personen alle unterzubringen, mietet die Stadt Marburg in möglichst allen Stadtteilen Wohnungen an.

Familien sollen in drei Wohneinheiten einziehen

In Elnhausen habe man lange nach entsprechenden Möglichkeiten gesucht und nach einigen vergeblichen Ortsbesichtigungen nun endlich ein Anwesen gefunden. In drei Wohneinheiten bestünde dort die Möglichkeit der Unterbringung von Familien, berichtete der Fachbereichsleiter der Abteilung Arbeit - Soziales - Wohnen, Peter Schmidt.

„Die Erfahrungen der Unterbringung in anderen Marburger Stadtteilen sind bisher sehr positiv“, berichtete Fleck-Delnavaz. Überall habe sich schnell ein freiwilliger Helferkreis gebildet, der die Neuankömmlinge unterstütze, sich in unbekannter Umgebung zurechtzufinden.

Eine erste Fragerunde erledigte der Ortsvorsteher selbst. Ob denn Schule und Kindergarten auf neue Kinder vorbereitet seien und ob weitere Objekte zur Unterbringung in Aussicht stünden.

Beide Fragen wurden mit Nein beantwortet. Schulpflichtige Flüchtlingskinder müssten zuerst einen Deutschintensivkurs absolvieren, bevor man sie in reguläre Klassen beschulen würde. Und bezüglich der Kita könne man aktuell noch keine Aussagen treffen, da man noch nicht wisse, wann welche Familien mit wie vielen Kindern untergebracht würden.

"Elnhausen ist hilfsbereit"

Der ehemalige Ortsvorsteher Reinhold Becker meldete sich zu Wort und versicherte: „Elnhausen ist hilfsbereit.“ Familien seien unproblematisch. Sorgen bereiten ihm die Ereignisse von Köln mit den vielen alleinstehenden Nordafrikanern. Er könne nicht verstehen, wie man seinen Pass einfach wegwerfen kann und damit seine eigene Identität aufgeben würde. Der Fachbereichsleiter versicherte, dass keine „Männer-WG“ in Elnhausen geplant sei und sprach dabei von drei Familien und etwa zwölf Personen. Bezüglich der baulichen Angelegenheiten werde man sich an den Vermieter wenden.

Ein Nachbar sorgte sich um den eventuell zu kleinen Abwasserkanal, der ursprünglich für sein Haus alleine gebaut wurde und mit seinem Einverständnis auch die Nachbarn mitbenutzen konnten. Nun aber würden viel mehr Personen angeschlossen. Die Anregung zur Gründung eines freiwilligen Helferkreises wollte der Ortsvorsteher auf seine kommende Sprechstunde verschieben. Dennoch waren die offiziellen Registrierungsformulare der Stadt am Abend stark nachgefragt.

Nicht nur Ortsvorsteher von Ploetz sieht in den neuen Nachbarn eine Bereicherung für Elnhausen. Auch TSV-Vorsitzender Oliver Bein bekam zustimmenden Applaus für seine abschließende Bemerkung: „Das bekommen wir locker gebacken.“

von Heinz-Dieter Henkel

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