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Elite-Hochschulen gegen Rest-Unis

Universitäten Elite-Hochschulen gegen Rest-Unis

Podiumsdiskussion über das Thema Hochschulen in Hessen: Während einer Debatte in Gießen kritisierten Politiker unter anderem den Wettbewerbs-Zwang zwischen den Hochschulen

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Stehen die Studiengebühren vor der Wiedereinführung? Während einer Podiumsdiskussion in Gießen ließ CDU-Mann Rolf Müller dieses Vorhaben durchblicken. Foto: Timo Scheibe

Marburg/Gießen. Überfüllte Hörsäle, weniger Personal und damit eine schlechtere Betreuung der Studenten. So sieht der Alltag für viele Studenten an den Universitäten in Hessen aus. Die hessischen Hochschulen haben immer weniger Mittel pro Student zur Verfügung. Eine Folge des harten Wettbewerbs um befristete Gelder und des starken Anstiegs der Zahl der Studenten.

So stand die Finanzierung bei der Debatte im Vordergrund. Ein Thema, das „uns allen unter den Nägeln brennt“, wie der wissenschaftspolitische Sprecher der Grünen, Daniel May, zum Auftakt der Diskussion befand. Dass die Grundversorgung der Universitäten in Hessen erhöht werden und an die Zahl der Studierenden angeglichen werden muss - trotz Schuldenbremse - darin waren sich alle Beteiligten einig. Möglich soll dies durch das Einsparen an anderer Stelle im Haushalt gemacht werden, zum Beispiel bei geplanten Infrastrukturprojekten (FDP) oder in der Landwirtschaft (Grüne). Während CDU-Sprecher Dr. Rolf Müller langfristig gesehen keine Alternative zu Studiengebühren sieht, erteilten die Sprecher der Fraktionen der Opposition eine klare Absage. Die Linke-Sprecherin Janine Wissler bekräftigte, dass Absolventen „nach dem Studium ihren Beitrag leisten sollen, wenn sie gut verdienen“ und zwar „durch Steuern - nicht durch Gebühren“, wie sie anfügte. Besonders die Finanzierung durch Drittgelder aus der Industrie sieht Wissler als Gefahr für die Unabhängigkeit der Forschung. Ein Punkt den auch die anderen Sprecher bemängelten.

Um mehr Geld für Bildung zu erhalten, stellten alle fünf Sprecher das Kooperationsverbot von Bund und Ländern in Frage. „Wir brauchen die finanzielle Unterstützung vom Bund“, stellte Gernot Grumbach (SPD) fest und FDP-Sprecher Matthias Büger steuerte bei, dass auch Abiturienten aus anderen Bundesländern zum Studieren nach Hessen kommen. Diskussionsstoff lieferten die wohl damit einhergehenden Mitbestimmungsrechte durch den Bund. Während Büger betonte, dass die Finanzierung des Bundes nach festen, von beiden Seiten bestimmten, Kriterien und „nicht nach Gutsherrenart“ erfolgen sollte, kritisierte May, dass der Bund nur 20% der Hochschulen finanzieren wolle und nicht in der Breite.

Diese Entwicklung einer Profilbildung der Hochschulen sieht Müller jedoch auf die Hochschulen zukommen. Dies sei auf den unfairen Wettbewerb unter den Unis zurückzuführen, sagte Wissler, „dadurch gibt es die Entwicklung: Elite- und Restunis“. Auch May bezeichnete unter Beifall des Publikums den Wettbewerb zwischen den Hochschulen als „ruinös“, schließlich „nehmen die Unis mehr Studenten auf, um denselben Beitrag zu erhalten“. Und auch Grumbach bekräftigte, dass der Wettbewerb keine neuen Mittel schaffe, sondern nur für die Verteilung der vorhandenen Mittel sorge und betonte, dass es eine gerechte Verteilung von Zuschüssen geben müsse und nicht nur „Frankfurt und dann der Rest“. In diesem Punkt waren sich zumindest alle Parteien insoweit einig, dass die Vergabe der Zuschüsse transparent sein müsse.

von Timo Scheibe

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