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Eiswasserwelle schwappt in Landkreis

"Ice Bucket Challenge" Eiswasserwelle schwappt in Landkreis

George W. Bush, Mario Götze, Bill Gates - sie alle haben es bereits getan. Immer mehr Menschen beteiligen sich an der „Ice Bucket Challenge“.

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Marburg. „Die Krankheit hat leider immer noch zu wenig Aufmerksamkeit“, sagte der Mardorfer CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Heck in einem Video auf Facebook. Wenige Sekunden später wird ein Eimer mit Eiswasser über den CDU-Politiker geschüttet, um auf die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS, siehe Hintergrund) aufmerksam zu machen.

Er folgt damit einem Internet-Trend, der derzeit die sozialen Netzwerke bestimmt. Wer die Herausforderung annimmt, benennt drei andere Personen für die „Ice Bucket Challenge“. Heck forderte unter anderem Landrätin Kirsten Fründt (SPD) heraus, die derzeit im Urlaub ist. Sie findet die Aktion gut, um neurologische Erkrankungen in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Mit Eiswasser übergießen wird sie sich jedoch nicht, sondern spendet für eine lokale Einrichtung.

Das Football-Team Marburg Mercenaries will beim Training heute Abend entscheiden, wie es der Aktion auch längerfristig helfen kann. Viele der Spieler haben bereits eine Eisdusche hinter sich.

Aber nicht alle beteiligen sich an der Aktion. Josia Dillmann beispielsweise tut es Pamela Anderson gleich und verweigert die Teilnahme. Er erklärt: „Mein Hauptgrund dafür ist eigentlich, dass ich kein Video auf Facebook hochladen möchte, weil mir die Seite nicht gefällt.“

An der „Ice Bucket Challenge“ selbst möchte er nicht teilnehmen, da er das Gefühl hat, dass der eigentliche Sinn, nämlich ALS-Erkrankten zu helfen, verloren gegangen sei. Niemand gebe Informationen darüber, wie und wo man spenden könne. Zudem findet er es falsch, dass zu Forschungszwecken Tierversuche eingesetzt würden. Aus dem gleichen Grund lehnte auch Pamela Anderson die Eisdusche ab.

Wichtig auf den seriösen Hintergrund zu achten

Laut Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) ist es wichtig, bei Aktionen wie dieser auf einen seriösen Hintergrund zu achten. „Wir finden nichts Verwerfliches daran, wenn man über Spaß an eine Sache herangeführt wird“, sagte DZI-Leiter Burkhard Wilke. Die aktuelle Eiswette kommt einer etablierten amerikanischen ALS-Organisation zugute.

Bei der Aktion, die sich rasant im Internet verbreitet, überschütten sich die Teilnehmer mit einem Kübel Eiswasser und rufen weitere Kandidaten zum Duschen oder zur Spende für die Forschung zugunsten der unheilbaren Krankheit ALS auf. Viele Prominente und auch Nicht-Prominente haben sich bereits an der „Eis-Eimer-Herausforderung“ beteiligt.

von Andreas Arlt und Inga von Horn

Hintergrund

ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) ist eine Erkrankung des motorischen Nervensystems, die dazu führt, dass die Nervenzellen, die die Skelettmuskulatur steuern, absterben. Dies führt zu Bewegungseinschränkungen, Koordinationsschwäche der Hand- und Armmuskulatur sowie Gang-, Sprech-, Schluck- und Atemstörungen.

ALS gilt als nicht heilbar. Weltweit leiden schätzungsweise 350 000 Menschen an der Krankheit, in Deutschland vermutet man bis zu 6 000 Betroffene, wobei genaue Zahlen nicht vorliegen. Die Überlebenszeit nach Diagnoseerstellung beträgt im Schnitt drei bis fünf Jahre, da die Patienten meist einer Lungenentzündung, die durch Schluckstörungen und Lähmung der Atemmuskulatur hervorgerufen wird, erliegen.
Es gibt Ansätze, dem Verlauf der Krankheit medikamentös entgegenzuwirken. Hierbei ist es wichtig, die Therapie möglichst früh zu beginnen, da sie sich auf Symptombehandlung und Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit, durch entsprechende Hilfsmittel, beschränkt.

Um Geld zur Forschung für ein Heilmittel und zur Unterstützung von ALS-Patienten zu sammeln, hat sich 1985 die US-amerikanische Non-Profit-Hilfsorganisation ALS Association gegründet. Bisher wurden mit Hilfe der Ice-Bucket-Challenge-Kampagne bereits über 70 Millionen US-Dollar gesammelt.

von Inga von Horn

Ein Video zur Ice-Bucket Challenge finden sie hier.

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Von Redakteur Katharina Kaufmann

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