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Einzug in winterfeste Unterkünfte

Richtfest im Camp-Cappel Einzug in winterfeste Unterkünfte

Was sonst zwei Jahre dauern kann, war innerhalb von drei Monaten fertig: Sechs Häuser – und damit feste, warme Unterkünfte – stehen in Marburg für geflüchtete Menschen bereit.

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Während des Richtfests im Camp-Cappel forderte Altoberbürgermeister Egon Vaupel das Land auf, möglichst bald die auf dem Gelände noch vorhandenen Zelte abzubauen, damit dort Flächen für Aktivitäten der Flüchtlinge entstehen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die großen Fotoapparate, die Beifall klatschenden Menschen: Schnell sprach sich unter den Kindern herum, dass auf dem Gelände des Flüchtlingscamps etwas Besonderes los ist. Immer mehr Jungen und Mädchen kamen, hörten den Reden in der ihnen fremden Sprache zu und machten das, was alle am Ende machten: klatschen.

Was sonst zwei Jahre dauern kann, war innerhalb von drei Monaten fertig: Sechs Häuser – und damit feste, warme Unterkünfte – stehen in Marburg für geflüchtete Menschen bereit.

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Das Richtfest in Cappel war am Mittwoch kein gewöhnliches. Die Stadt Marburg und das Gießener Regierungspräsidium (RP) übergaben die neuen Wohngebäude für Flüchtlinge. Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Altoberbürgermeister Egon Vaupel, die bauausführende Firma Greif Holzbau aus Lahntal mit ihren Mitarbeitern sowie zahlreiche Vertreter von anderen Bau- und Handwerksbetrieben sowie viele Gäste kamen zusammen, um den Anlass zu würdigen.

Frank Greif sprach den – vermutlich ersten – Richtspruch im Flüchtlingscamp. Foto: Weigel

Projekt ohne bürokratischen Aufwand in Gang gebracht

Frank Greif von der Firma Greid sprach auf einem der neuen Häuserdächer traditionell den Richtspruch: Menschen suchen „ein kleines Stück vom Himmelreich“, sagte er und bat Gott um Bewahrung vor Not und Elend. Bei Kaffee und Kuchen kamen die Festgäste anschließend mit den Bewohnern des Camps zusammen.

Ullrich erklärte, das Land Hessen werde bis zum 21. Dezember keine Flüchtlinge mehr in Zelten unterbringen, da an allen 30 Standorten der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) nach und nach feste Unterkünfte eingerichtet worden seien. Die ersten Flüchtlinge aus der HEAE kamen in Marburg im Juli in Zelten unter.

Während in anderen Kommunen Leichtbauhallen als Unterkunft dienen, ist die Stadt Marburg nun mit den Holzhäusern Vorreiter. Vaupel hatte – quasi in Eigenregie – im September den Bau in Auftrag gegeben. Wie früher üblich habe ein Handschlag mit der Firma Greif und ein Ehrenwort gereicht, um das Projekt ohne bürokratischen Aufwand zunächst in Gang zu bringen.

Dann entwickelte das Land gemeinsam mit der Stadt das Um- und Ausbaukonzept für den Standort in Cappel. Ullrich lobte Vaupels Engagement und betonte am Mittwoch in seiner Rede mehrfach, wie schnell die sechs Häuser fertiggestellt worden seien. Während für andere Bauprojekte rund 30 Baubesprechungen in zwei Jahren nötig seien, habe man hier engagiert und ohne Unterbrechung alles vorangetrieben. In den zweigeschossigen Häusern nach Holzfachwerkart haben bis zu je 144 Personen Platz.

 

Insgesamt könnten damit bis zu 850 Menschen in Cappel würdig unterkommen, derzeit sind es mehr als 500. Je Geschoss gibt es elf Zimmer. Dort können bis zu acht Personen in Etagenbetten übernachten. Die Zimmer sind je 26 Quadratmeter groß. Jedes Stockwerk verfügt über Wasch- und Toilettenräume und zwei Ein- und Ausgänge. Innerhalb des Hauses gibt es keine Treppe in das jeweils andere Stockwerk.

Spies spricht von „Gästen“

Drei der neuen Gebäude sind bereits bezugsfertig, zwei sind schon bewohnt. Die anderen zwei Häuser sollen Anfang des nächsten Jahres fertig werden. Geplant sind außerdem drei weitere Gebäude für die Verwaltung, Kantine und Kinder- und Sozialbetreuung.

Die Leichtbauhallen und Container, wo die Flüchtlinge bisher untergebracht waren, sollen weiterhin stehen bleiben – falls in Notfällen die Kapazitäten nicht ausreichen. Zunächst aber werden sie für die Verwaltung und Kantine genutzt, erklärte Ullrich. Vaupel gab den Rat, die noch vorhandenen Zelte abzubauen. „Der Platz wird als Begegnungs- und Sportgelände benötigt“, so Vaupel.

Der neue OB Spies nahm das Wort Flüchtlinge nicht in den Mund, sondern sprach bewusst von Gästen, die in Marburg willkommen seien. „Es ist schön, dass Sie bei uns sind“, sagte er zu den Menschen. Auch wenn nicht alles leicht sei, ergänzte er.

Ullrich hatte zuvor eingeräumt, dass nicht alles perfekt sei, und man auch die Ängste und Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen müsse. Stellvertretend für die Bewohner bedankte sich Hassan Hadari aus Afghanistan für die neuen Häuser, die nur vorübergehend das neue Zuhause für die Asylsuchenden aus Ländern wie Afghanistan, Syrien, Iran, Irak und Eritrea sind.

von Anna Ntemiris

 
Hintergrund
Die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung bietet – Stand Mittwoch – 23.900 Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf. Die Außenstelle in Cappel hat derzeit eine Kapazität von 556 Personen, davon leben 288 in den neuen Holzhäusern, 268 in Leichtbauhallen. Am Mittwoch waren dort 500 Menschen untergebracht.
 
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