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Einvernehmlicher Sex führt dennoch zur Verurteilung

Gericht Einvernehmlicher Sex führt dennoch zur Verurteilung

Weil er mit zwei 13-Jährigen intim geworden sein soll, musste sich ein Heranwachsender aus dem Nordkreis wegen schweren sexuellen Missbrauchs vor Gericht verantworten.

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Marburg. Gleich mehrere Taten zwischen Ende 2015 und Ende vergangenen Jahres warf die Marburger Staatsanwaltschaft dem jungen Mann ursprünglich vor. Nach einer mehrstündigen Verhandlung stand fest: Zweimal hatte der damals 20-Jährige Geschlechtsverkehr mit seiner 13 Jahre alten Freundin. Die noch als Kind geltende Partnerin war demnach zu jung, selbst wenn der Sex einvernehmlich war. Dass beide in einer gleichberechtigten Beziehung zueinander standen, bestätigte die Ex-Freundin vor Gericht: „Er hat mich nicht gezwungen, ich habe es gewollt.“

Sie teilte außerdem mit, dass sie die Initiative ergriffen hatte. „Es ist einfach so passiert, aber ich hätte gehen sollen, es war falsch“, gab der Beschuldigte zu. Zumindest warten hätte er können, der zweite sexuelle Kontakt ereignete sich nur einen Tag vor dem 14. Geburtstag des Mädchens. Weil dabei das Kondom riss, fuhr das junge Paar zum Arzt, um die sogenannte Pille danach zu besorgen. Doch dafür musste die Mutter hinzugezogen werden. Die ganze Sache kam heraus und führte zu einer Anzeige.

Die Verhandlung gegen den 21-Jährigen konzentrierte sich hauptsächlich auf einen weiteren, schweren Vorwurf des sexuellen Missbrauchs. Der Angeklagte soll ein zum Tatzeitpunkt ebenfalls 13 Jahre altes Mädchen „befingert“ haben, während es betrunken in einem Bett schlief. Beide waren Teil einer befreundeten Gruppe Jugendlicher aus dem Nordkreis, feierten im Sommer vergangenen Jahres in einer Diskothek.

Finger im Intimbereich

Die Partygesellschaft übernachtete bei einem Bekannten. Volltrunken und „kaum ansprechbar“ wurde die 13-Jährige in der späten Nacht in ein Bett getragen, um ihren Rausch auszuschlafen, bestätigten mehrere Zeugen. Ihre allesamt älteren Freunde schauten in der Nacht regelmäßig nach ihr, auch der Angeklagte soll mehrfach in das Zimmer gegangen sein. Die mutmaßlich Geschädigte wachte am frühen Morgen auf, spürte nach eigener Aussage einen Finger in ihrem Intimbereich.

Ohne sich nach dem Täter umzusehen, rannte sie geschockt aus dem Zimmer, kroch bei einigen Bekannten unter und berichtete von dem Vorfall. Die Rückschlüsse der Zeugen: Der Angeklagte sollte im selben Zimmer schlafen, demnach käme nur er als Täter in Betracht. Bereits Wochen zuvor soll er der 13-Jährigen zudem an den Hintern gefasst haben, versuchte sie zum Sex zu überreden. Der Beschuldigte bestritt die schweren Vorwürfe vehement.

Mehrere Zeugen vermuteten das Gegenteil, mit eigenen Augen gesehen hatte keiner den vermeintlichen Missbrauch. Neben fehlenden Augenzeugen führte auch die hohe Alkoholisierung des Mädchens in dieser Nacht zu Problemen. Die Zeugin hatte mit großen Erinnerungslücken zu kämpfen. „Ich weiß fast nichts mehr, aber ich weiß, dass er da lag - wer denn sonst“, berichtete die Jugendliche vor Gericht.

Pseudo-Erinnerungen oder tatsächliches Wissen?

Verteidiger Sebastian Wendt bezweifelte die Glaubwürdigkeit der Zeugin. Er sprach von „Pseudo-Erinnerungen“, möglicherweise ausgelöst durch die Mutmaßungen der Freunde. Zweifelsfrei könne der massive Vorwurf nicht bewiesen werden. Zu diesem Anklagepunkt wurde der Beschuldigte freigesprochen. Für ein Urteil reichte die Beweislage nicht aus, erklärte der Vorsitzende Richter Dirk-Uwe Schauß.

Weiterer Anklagepunkt war ein Verkehrsdelikt: Ende September vergangenen Jahres beschädigte der leicht angetrunkene Angeklagte ein Verkehrsschild in der Bahnhofstraße, flüchtete im Anschluss zu Fuß weiter. Das Schöffengericht verurteilte den Mann nach dem Jugendstrafrecht wegen einer Trunkenheitsfahrt samt Unfallflucht sowie wegen zweifachen sexuellen Missbrauchs zu einer Geldbuße von 3000 Euro.

von Ina Tannert

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