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Einsparungen stehen ganz oben an

Herbstsynode Einsparungen stehen ganz oben an

Der Doppelhaushalt für 2014 und 2015, Flächenreduzierungen bei Gemeindehäusern und -räumen und die Fusion von Kirchenkreisamt und Stadtkirchenamt gehörten zu den Schwerpunktthemen der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Marburg.

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Quelle: Archivbild

Wehrda. „Unser im Frühjahr beschlossener Sparplan ist wohl noch zu milde“, sagte Dekan Burkhard zur Nieden zu Beginn der vierstündigen Herbstsynode. Im Februar war nach langen, intensiven Diskussionen ein Konzept verabschiedet worden, das eine kurzfristige Verringerung der Ausgaben um 20 Prozent beinhaltete.

Auch jetzt mussten sich die 87 Synodalen, die zur Sitzung ins Bürgerhaus in Wehrda gekommen waren, vorrangig mit Themen befassen, die Finanzen und Einsparungen betrafen. Insbesondere mit dem Haushaltsplan für die Jahre 2014 und 2015, der erstmals in doppischer Form vorgelegt wurde. Er wurde bei einer Gegenstimme und einigen Enthaltungen beschlossen.

Der Doppelhaushalt 2012/13 hatte nur durch Entnahmen aus den Rücklagen finanziert werden können. Die Ausgaben als Kirche in der Region lagen eine halbe Million Euro höher als die Einnahmen, hatte der Dekan damals ausgeführt. Ohne Ausgabenreduzierungen wären die Rücklagen bis Juni 2014 restlos aufgebraucht worden.

1303 Quadratmeter Überschuss

Trotz der Sparbemühungen müssen planmäßig zum Ausgleich des jährlich knapp 2,7 Millionen Euro umfassenden Kirchenkreis-Haushalts im kommenden Jahr 116000 Euro aus den freien Rücklagen entnommen werden, für 2015 sind 124000 Euro angesetzt. Dadurch wird der Haushalt spätestens 2016 nicht mehr ausgeglichen werden können, sollten nicht weitere Sparanstrengungen hinzukommen.

Am umstrittensten war in diesem Zusammenhang der so genannte Gebäudebedarfsplan für die Gemeindehäuser und -räume im Kirchenkreis. Die Landessynode hatte einen Schlüssel für die Zuweisung von Mitteln für Bewirtschaftung und Unterhaltung beschlossen, der von 200 Quadratmetern pro 1700 Gemeindegliedern ausgeht. Für den Kirchenkreis Marburg ergibt sich bei 49932 Gemeindegliedern Ende 2012 und 7177 Quadratmetern ein Überschuss von 1303 Quadratmetern.

„Fernziel ist, nicht durch einen Überschuss an Gebäuden finanziell gebunden zu sein“, erklärte Dekan zur Nieden. Einiges sei bereits beziehungsweise werde im Moment veräußert. Der Bauausschuss hat den Plan erarbeitet und die zuweisungsberechtigten Gebäude in drei Kategorien eingeteilt. Die erste umfasst adäquate Flächen, in der zweiten befinden sich solche, bei denen Änderungen nötig sind, bei der dritten empfiehlt man dringend eine massive Reduzierung beziehungsweise Veräußerung. In Kategorie drei finden sich die Gemeindehäuser in Lohra-Rollshausen, in Marburg in der Schützenstraße, bei der Pauluskirche, in der Georg-Voigt-Straße und das Gemeindezentrum bei der Emmauskirche. Das bedeutet 2000 bis 3000 Euro weniger Zuweisungen pro Jahr für diese Gebäude.

Harte Einschnittewerden heiß diskutiert

Dass die rein an diesem Schlüssel orientierte Kategorisierung nicht realitätsnah sei, kritisierte Pfarrer Markus Rahn am Beispiel der Pauluskirche. Ohne Gemeindehaus, in dem sich Heizung und Toiletten befinden, würde man überhaupt keine Gottesdienste in der Kirche feiern können.

Der Dekan gab unumwunden zu, dass das Wort Gebäudebedarfsplan ein Euphemismus sei und es sich in Wirklichkeit um einen Gebäudereduktionsplan handle. Man bräuchte belastbare inhaltliche Kategorien, aber die Erfahrung lehre, dass solche Kategorien immer zu kurz griffen. Vermutlich würde man immer zu dem einfachen Verfahren mit Gemeindemitgliedern und Flächen zurückkehren. Das sei hoch unbefriedigend, dennoch stehe er dafür. Die Bedenken von Rahn teile er von A bis Z.

Letztlich wurde der Beschluss in abgemilderter Formulierung als „vorläufiger Gebäudebedarfsplan“ gefasst, der in zwei Jahren evaluiert und eventuell in Hinblick auf die beschlossene Kategorisierung novelliert werden soll. Bei zehn Gegenstimmen und einigen Enthaltungen wurde der Plan angenommen. Ohnehin liegt die Entscheidung letztlich bei den Gemeinden, ob sie der Empfehlung folgen oder ihre Gebäude mit weniger Mitteln von der Landeskirche erhalten. Die Fusion von Kirchenkreisamt und Stadtkirchenamt war bereits in der jetzigen Satzung des Zweckverbandes Kirchenkreisamt der Kirchenkreise Kirchhain und Marburg bis spätestens 30. Juni 2016 vorgesehen. Inzwischen arbeiten beide eng zusammen, auch aufgrund personeller Veränderungen ist die Fusion Mitte 2014 sinnvoll. Der Standort Barfüßertor soll noch bis 30. Juni 2016 erhalten bleiben, bis dahin wird das Gebäude Universitätstraße 45 zum einzigen Standort umgebaut. Die entsprechende neue Satzung, die zum 1. Juli 2014 in Kraft tritt, wurde bei zwei Gegenstimmen und einigen Enthaltungen angenommen.

Länger diskutiert wurde auch über den Rahmenplan zu den Arbeitsfeldern Kirchenmusik, Jugendarbeit, Küsterdienst und Sekretariatsdienst, zu dessen Aufstellung Kirchenkreise grundsätzlich verpflichtet sind. Grundlage war das im Frühjahr beschlossene Sparkonzept, welches der Rahmenplan detaillierter umsetzt.

Rahmenplan soll Sicherheit schaffen

Heike Junk, Vorsitzende des Jugendausschusses, kritisierte, dass man nicht in die Entstehung des Rahmenplanes einbezogen worden sei, obwohl man den Vorstand beraten solle, wenn es um Jugendarbeit gehe. Jugendpfarrerin Elke Kirchhoff-Müller äußerte sich ebenfalls enttäuscht, dass man in diesem Jahr noch nicht gehört worden sei.

Dekan zur Nieden bedauerte, dass die Atmosphäre der Zusammenarbeit durch Missverständnisse belastet sei, und bat um Entschuldigung dafür, soweit es an ihm liege. Aber er glaube, „dass die Anliegen der Jugendarbeit bei uns gut aufgehoben sind.“ Der siebenseitige Rahmenplan sei „ganz karg“, es gehe darum, ihn zu beschließen, um Sicherheit für die Mitarbeiter zu schaffen, deren Stellen erst dann geschützt seien. Der Jugendausschuss sei sehr früh informiert worden, sobald der Text vorlag, man arbeite im Moment sehr schnell. Die Zahl der Stellen zu bestimmen sei Funktion der Synodalen, aber man sei eminent auf die Arbeit des Jugendausschusses angewiesen.

Mit einer Gegenstimme und einigen Enthaltungen wurde der Rahmenplan beschlossen.

von Manfred Schubert

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