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Eins mehr: Anders sein ist gut

Welt-Down-Syndrom-Tag Eins mehr: Anders sein ist gut

Was bringt zwei Herren im gestandenen Alter dazu, sich verschiedenfarbige Socken anzuziehen und damit zu posieren? Es ist der Welt-Down-Syn-drom-Tag am kommenden Montag.

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Egon Vaupel (links) und Lothar Hofmann weisen mit verschiedenfarbigen Socken auf den Welt-Down-Sysndrom-Tag am Montag hin.

Quelle: Tobias HIrsch

Marburg. Im vergangenen Jahr haben sich am 21. März in Schweden etwa 250000 Menschen verschiedenfarbige Socken angezogen, um auf die Situation von Menschen mit Down-Syndrom hinzuweisen. Die zehnjährige Nathea Anemyr hat diese Aktion damals ins Leben gerufen, berichtet Lothar Hofmann, der Vorsitzende des Deutsch-Schwedischen Freundschaftsvereins. „Anders zu sein, ist gut“, wird Nathea zitiert, „meine Schwester hat das Down-Syndrom und ich werde traurig, wenn ich all die Schimpfworte über Menschen wie sie höre.“

Hofmann hat die Aktion nun nach Marburg importiert: Am Montag zwischen 11 und 17 Uhr informiert der Deutsch-Schwedische Freundschaftsverein an einem Stand auf dem Marktplatz über das Down-Syndrom, unterstützt von der Stadt Marburg, der Kulturloge und dem Verein fib (Verein zur Förderung der Inklusion behinderter Menschen). Hingucker sollen, ähnlich wie in Schweden, verschiedenfarbige Socken auf Wäscheleinen sein.

Und einen prominenten Unterstützer hat Hofmann auch gefunden: den früheren Oberbürgermeister Egon Vaupel, der am Montag mit auf dem Marktplatz informieren wird. „Die Aktion trifft eine Haltung, die ich auch in der Politik versucht habe zu verkörpern.“ Vaupel hat auch eine persönliche Beziehung zu Menschen mit Down-Syndrom: In seinem Heimatoprt Schlierbach lebte ein Junge mit Down-Syndrom, der Vater war Ortsdiener.

„Tommy war ein Sonnenschein“, erinnert sich Vaupel, der den etwa Gleichaltrigen dann aus den Augen verloren, aber Jahrzehnte später wieder getroffen hat: bei einem Termin während einer Special-Olympics-Veranstaltung in Düsseldorf. „Hallo Egon“, schallte es da durch eine große Sporthalle, und Tommy kam auf den früheren Nachbarn zugerannt, um ihn zu begrüßen. Den hat das so sehr gerührt, dass er die Szene bis heute nicht vergessen hat.

Das Datum 21. März ist für den Welt-Down-Syndrom-Tag nicht zufällig gewählt. Das Datum steht symbolisch für das dreifache Vorhandensein des 21. Chromosoms in der Zelle. Menschen mit Down-Syndrom haben in jeder Körperzelle 47 Chromosomen, während normalerweise jede menschliche Zelle 46 hat. Auf etwa 600 Geburten kommt ein Kind mit Down-Syndrom.

Für Deutschland bedeutet dies, dass jährlich etwa 1200 Kinder mit Down-Syndrom geboren werden - tendenz sinkend: Aufgrund deutlicher Diagnosemöglichkeiten während der Schwangerschaft wie Fruchtwasseruntersuchungen hat sich die Zahl der Abtreibungen bei Embryos mit dieser Diagnose erhöht, sagt Hofmann.

Vor allem die geistigen Fähigkeiten der Kinder mit Down-Syndrom wurden in der Vergangenheit unterschätzt. Sie wurden noch vor wenigen Jahrzehnten meist in Heimen untergebracht.

„Kinder mit Down-Syndrom sind erstaunlich lernfähig, wenn man ihnen die Chancen gibt, sich zu entfalten“, sagt etwa „einsmehr“, die Initiative Down-Syndrom in Augsburg.

Arbeitskreis fordert bessere Inklusion

Der Arbeitskreis Downsyndrom Deutschland hält es für wissenschaftlich erwiesen, dass „gemeinsames Leben und Lernen (Integration) bei allen Altersgruppen machbar, nützlich und sinnvoll“ ist. Internationale Forschungen hätten ergeben, dass beim gemeinsamen Unterricht alle Beteiligten im Vergleich bessere Ergebnisse erzielen.

Der Arbeitskreis kritisiert, dass die Länderkompetenz im Bildungsbereich auf Bundesebene die Chancengleichheit für Menschen mit Down-Syndrom oder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf aus anderen Gründen verhindere.

Der Arbeitskreis sagt, dass das überdurchschnittlich positive Sozialverhalten von Menschen mit Down-Syndrom angesichts der Tatsache, dass in helfenden Berufen der Personalmangel ständig steigt, eine ganz neue Dimension gewinne.

„Diese Weiterentwicklung wird auch Einfluss haben auf künftige Wohn- und Lebensformen“, sagt Lothar Hofmann. Dort werde von allen Beteiligten „kreatives Handeln auf der Basis einer verlässlichen Finanzierung“ gefordert.

von Till Conrad

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