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Einmal impfen bitte, Herr Doktor!

Impfwoche Einmal impfen bitte, Herr Doktor!

Bei Kindern achten die Eltern darauf, dass der Impfschutz gegeben ist. Doch Erwachsene vergessen mithin über Jahrzehnte, in den eigenen Impfpass zu schauen. Die Impfwoche vom 31. März bis 4. April soll Abhilfe schaffen.

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Ein kurzer Piekser - und der Impfschutz ist erneuert.

Quelle: Ralf Hirschberger

Marburg. "Meist wird es schlichtweg vergessen, den eigenen Impfschutz in regelmäßigen Abständen überprüfen zu lassen“, sagt Dr. Ortwin Schuchardt, Hausarzt in Stadtallendorf und Sprecher der heimischen Ärztegenossenschaft „Prima“. Die dort organisierten Ärzte wenden sich mit der Impfwoche vom Montag, 31. März, bis Freitag, 4. April, vor allem an die 19- bis 60-Jährigen, die nach der Erfahrung der Mediziner eher unregelmäßig zum Arzt gehen.

„Wir wollen mit dieser Aktion die Bevölkerung anregen, die möglicherweise schon lange fällige Auffrischungsimpfung nachzuholen“, erklärt Schuchardt und verweist auf Tetanus (Wundstarrkrampf) und Diphtherie. Vor allem bei Tetanus gilt: Der Erreger kommt überall draußen vor. „Das ist zum Beispiel bei der Gartenarbeit gefährlich. Und Tetanus ist schlecht antibiotisch behandelbar“, erkärt Schuchardt, der dringend zu einer Impfauffrischung rät, wenn die letzte Tetanus-Impfung länger als zehn Jahre zurückliegt. Ansonsten kann es lebensbedrohlich werden für Menschen, die sich den Erreger eingefangen haben. Er löst toxische Schübe aus, die dazu führen können, dass die Atmung zusammenbricht. „Da wir einen guten Impfschutz haben, kommen Fälle von Tetanus nur noch so selten vor - und deshalb vergessen wir auch leicht, warum die Impfung so wichtig ist“, sagt der Hausartz.

Die ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt, sich bei dieser Gelegenheit auch gleichzeitig gegen Keuchhusten (Pertussis) impfen zu lassen. „Das ist mit einer einzigen Spritze möglich und wird von den Krankenkassen bezahlt“, erläutert Schuchardt.

Masern, Mumps, Röteln: Mindestens eine Impfung

Außerdem wird von der Stiko empfohlen, Personen ab dem Geburtsjahrgang 1970 und Jüngere mindestens einmal gegen Masern, Mumps und Röteln zu impfen. Auch diese Impfung ist eine Kassenleistung wie die gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis - und damit kostenfrei. „Wenn Menschen komplette Impfgegner sind, ist es natürlich schwer, sie zu überzeugen“, weiß der Stadtallendorfer Hausarzt und berichtet über eine Bewegung gegen die Masern-Impfung in Österreich. „Da hieß es zuletzt, es würde das Immunsystem schulen und es sei intelligenzfördernd für Kinder, wenn man die Masern zulässt“, berichtet er kopfschüttelnd und klärt über das Risiko auf, das demgegenüber steht: In immerhin einem von 1000 Fällen führten die Masern zu schweren Gehirnschädigungen. „Das kann vorher niemand wissen, ob es bei einem Fall von Masern bei einem schweren fieberhaften Infekt bleibt und nicht zu einer schweren Behinderung führt, die das ganze Leben verändert.“ Spätkomplikationen seien noch Jahre später möglich, weiß Schuchardt und berichtet, dass der amerikanische Kontinent inzwischen masernfrei sei. „Wir bräuchten eine Impfungsrate von 95 Prozent, um die Masern ebenfalls auszurotten, aber wir sind in Deutschland leider nur bei einem Prozentwert von um die 70“, berichtet der Arzt.

"Es lohnt sich, nach dem Impfpass zu suchen"

Weg von den Masern. Es gibt weitere Impfungen, auf die die Ärzte in der Impfwoche die Aufmerksamkeit der Patienten lenken. Ab dem 60. Lebensjahr wird aufgrund der Empfehlung der Stiko die Impfung gegen Lungenentzündung (Pneumokokken) von den Krankenkassen übernommen - vor allem um ältere, anfällige Menschen vor den Folgen einer Erkrankung zu schützen.

„Es lohnt sich also, wieder einmal den Impfpass zu suchen“, sagt Schuchardt augenzwinkernd. Denn dass sich der eigene Impfpass gar nicht so einfach auftreiben lässt, ist für einen Arzt ein bekanntes Phänomen. „Doch daran soll es nicht scheitern“, sagt Schuchardt. Beim Hausarzt werden alle Impfungen, die der Patient bekommen hat, verzeichnet. Ein neuer Impfpass kann kostenlos erstellt werden. „Wenn man den Hausarzt zwischendurch nicht gewechselt hat, ist es also gar kein Problem.“ Wer zwischendurch umgezogen ist, kann bei seinem früheren Arzt recherchieren. „Und wenn sich gar nichts herausfinden lässt, etwa bei Patienten die aus dem Ausland zugezogen sind, würden wir zur Sicherheit alle wichtigen Impfungen vornehmen und einen neuen Impfpass ausstellen“, erklärt Schuchardt.

Die Prima-Praxen im ganzen Landkreis stellen sich in der Impfwoche besonders darauf ein, den Impfschutz ihrer Patienten zu überprüfen und eventuell notwendige Impfungen vorzunehmen. Die Impfstoffe sind in den Praxen vorhanden - die Patienten müssen sich nur auf den Weg machen. Wer dies innerhalb der Impfwoche nicht schafft, kann beruhigt sein. Die üblichen Impfungen bieten die Hausärzte jederzeit an.

Große Sorgen wegen Impfreaktionen müsse sich dabei niemand machen, berichtet Hausarzt Schuchardt aus langjähriger Praxiserfahrung: „Die Impfungen werden fast immer gut vertragen - sogar wenn wir mehrere Impfstoffe gleichzeitig geben.“ Im schlimmsten Falle fühlten die Patienten sich in den Tagen nach der Impfung etwas kränklich. „Aber dann wissen wir auch ganz sicher, dass das Immunsystem reagiert hat und sich ein Impfschutz aufbaut.“

von Carina Becker

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