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Einigung ist gescheitert

Sturz-Prozess Einigung ist gescheitert

Vor der Zivilkammer des Landgerichtes wird derzeit der Fall des 2010 vor der Elisabethkirche verunglückten Victor-John Gustitus verhandelt. Ein Urteil steht offenbar kurz bevor.

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Gefährliches Terrain: Vor dem Hauptportal der Elisabethkirche stürzte Ende 2010 ein Fußgänger.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Den Rechtsstreit ficht Gustitus mit der Stadt Marburg aus – denn sie ist seiner Ansicht nach daran schuld, dass der in Marburg lebende US-Amerikaner den 20. Dezember 2010 nicht mehr vergessen kann.

Als der heute 71-Jährige auf dem Gelände der Elisabethkirche auf einer im Boden eingelassenen vereisten Metallschiene ausrutschte und stürzte, änderte sich sein Leben schlagartig: Der Mann erlitt schwere Verletzungen und forderte 30 000 Euro Schadenersatz von der Universitätsstadt.

Schon seit Juli 2012 läuft die Zivilverhandlung beim Landgericht. Jetzt fand eine Vergleichsverhandlung statt.

Zoff um Metallschiene und Warnschilder

Axel Ludwig, der Anwalt des Klägers, argumentierte, dass die Metallschiene lediglich dekorativen Zweck habe: „Es handelt sich ja nicht um einen notwendigen Gullydeckel.“

Seit dem Vorfall könne sich sein Mandant nur noch mithilfe eines Gehstocks fortbewegen, sei aber bereit, einem Vergleich zuzustimmen. Außerdem hat Gustitus seinen Geschmacks- und Geruchssinn dauerhaft verloren, wie ihm im Krankenhaus mitgeteilt wurde.

Laut Klägerseite sei die Metallschiene „eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht der Stadt“. Außerdem regte sich Gustitus darüber auf, dass kurz nach seinem Sturz Warnschilder von der Stadt aufgestellt wurden, die den Unfallort als Gefahrenquelle auswiesen. „Die Stadt wusste also, dass dort ein Sicherheitsrisiko vorliegt. Ich weiß übrigens von mehreren Leuten, die dort gestürzt sind“, sagte der 71-Jährige.

Der Rechtsanwalt der Stadt Marburg lehnte einen Vergleich ab, da sich sein Klient keiner Pflichtverletzung schuldig gemacht habe. Die Metallschiene sei unter anderem auch zur Orientierung für blinde und sehgeschädigte Mitbürger vorgesehen.

Dass die Universitätsstadt aufgrund ihrer Umsicht vor Gericht stehe, sei „regelrecht unerhört“. Darüber hinaus seien die Warnschilder kein Schuldbekenntnis, sondern eine Vorsichtsmaßnahme, um weiteren Unfällen vorzubeugen, wie der Vertreter der Stadt bestimmt erklärte.

Das Gericht erbat sich für das Urteil Bedenkzeit. Ludwig teilte mit, dass er eine Entscheidung in der nächsten Woche erwarte. Was geschehen wird, wenn das Urteil zu Ungunsten seines Mandanten ausfällt?
„Dann werden wir Berufung einlegen. Ich sehe nämlich eine reelle Chance, dass wir auf der nächsten Ebene Erfolg haben“, zeigte sich Ludwig überzeugt.  Die nächste Instanz wäre das Oberlandgericht in Frankfurt.

von Benjamin Kaiser

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