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„Einflugschneise für die Lahnberge“

Ginseldorf und Bauerbach „Einflugschneise für die Lahnberge“

Fahren immer mehr Autos durch Ginseldorf? „Wir haben eindeutig mehr Verkehr im Ort“, sagt Ortsvorsteher Dr. Horst Wiegand. Der Ortsbeirat will das Thema auf die ­Tagesordnung nehmen.

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Die Strecke durch Ginseldorf und Bauerbach auf die Lahnberge ist für viele Autofahrer aus Nachbarlandkreisen eine Abkürzung. Die Ortsbeiräte wollen sich mit dem Thema befassen.

Quelle: Tobias Hirsch

Ginseldorf. „Es sind schon ­einige Jahre, dass immer mehr Autos durch Ginseldorf und Bauerbach fahren“, sagt der Ginseldorfer Wilhelm Nebel im Gespräch mit der OP. „Wir haben bislang nur nicht erkannt, woher das Problem kommt.“

Deshalb ergriff Nebel mit einigen Mitstreitern die Initiative: „Wir haben uns bei Fleckenbühl auf die Lauer gelegt.“ Einigen Autos seien die Ginseldorfer hinterhergefahren, haben geschaut, woher sie kommen und wohin sie unterwegs sind, haben die Nummernschilder notiert und Autos gezählt. Demnach würden täglich rund 2000 Fahrzeuge durch Ginseldorf und Bauerbach fahren. „Anhand der Nummernschilder ist klar zu erkennen: Wir sind die Einflugschneise für benachbarte Landkreise“, sagt Nebel. So stünde oft KB und HR auf den Kennzeichen. Bei Verkehrszählungen der Stadt Marburg wurden laut Presseamt im Jahr 2005 täglich 2000 durchfahrende ­Autos festgestellt, 2009 seien es 1500 Fahrzeuge gewesen.

Laut Nebel sei es für die Autofahrer aus den Nachbarkreisen oder dem Marburger Nordkreis etwas kürzer, über die beiden Marburger Stadtteile zu fahren - statt den Weg über die B3 und durch die Neue Kasseler Straße und die Panoramastraße in Marburg zu wählen.

Auch Ortsvorsteher Dr. Horst Wiegand sagt, dass die Strecke über Ginseldorf für viele Autofahrer kürzer ist: „Wer im Navigationsgerät die Auswahl ,kürzeste Strecke‘ gewählt hat, wird durch unsere Stadtteile geleitet, um auf die Lahnberge zu kommen.“ Bauerbachs Ortsvorsteher Lothar Böttner erklärt, dass die Strecke über die beiden Stadtteile zwar nicht viel kürzer sei - allerdings eine große Zeitersparnis einbringe, da es dort keine Ampeln gebe.

„Der Weg ist eigentlich nur halboffiziell“

Bereits vor zwei Jahren hat der Ortsbeirat in Ginseldorf sich mit dem Verkehrsthema befasst. „Wir haben gefordert, dass Navi-Hersteller den Weg nicht mehr ausweisen“, sagt Wiegand. Außerdem habe das Gremium gefordert, dass die Lahnberge schon ab der Auffahrt bei Bürgeln ausgewiesen werden und über die Panoramastraße führen solle. Eine weitere Forderung aus Ginseldorf: Die Schließung des Weges zwischen Bauerbach und den Lahnbergen. „Eine Sperrung des Weges war bei uns noch kein Thema“, sagt Böttner und erklärt: „Der Weg ist eigentlich nur halboffiziell. Er wird in den Navis ausgewiesen, aber er ist nicht für ein so hohes Verkehrsaufkommen gemacht.“

Philipp Höhn vom Presseamt der Stadt erklärt, dass Marburg bereits 2014/15 Gespräche mit einer Kartierungsfirma für Navigationssysteme aufgenommen habe. „Es konnte erreicht werden, dass der Verbindungsweg von Bauerbach zu den Lahnbergen mit allen Verboten und Beschränkungen erfasst und damit bei der Routenwahl mit ­einer untergeordneten Bedeutung eingestuft und somit für die Verkehrsteilnehmer als nicht attraktiv dargestellt wird.“

Bauerbach kämpfe zugleich mit dem Verkehr aus Richtung Kirchhain, Schröck und Roßdorf Richtung Lahnberge, erklärt Böttner. „Eigentlich sollten sie über Sonnenblick fahren.“ Schule und Kindergarten liegen laut dem Ortsvorsteher an der viel befahrenen Straße, was auch eine Gefährdungslage für die Kinder darstelle.

Nebel glaubt, dass die Situation für seinen Heimatort bald noch schlimmer wird - und zwar, wenn eine neue Ampel im Bereich Alte Kasseler Straße/Siemensstraße aufgestellt wird. „Derzeit haben die Autofahrer vier bis fünf Stops an der Linksabbiegespur der Ampel Neue Kasseler Straße Richtung Lahnberge“, erklärt der Ginseldorfer. „Mit einer neuen Ampel werden es sicher sechs bis sieben Stopps. Das kostet ja noch mehr Zeit.“ Für Ginseldorf werde das sicherlich der Super-GAU. „Auch für uns wird sich das Problem weiter verschärfen“, befürchtet Bauerbachs Ortsvorsteher.

„Die Universitätsstadt wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen, den Verkehr über Ginseldorf und Bauerbach zu verringern“, betont Höhn vom Presseamt. Die Ampelanlage an der Siemensstraße plane Hessen Mobil für das Frühjahr - nötig sei diese wegen mehrerer schwerer Unfälle an der Stelle. Nach einer Eingewöhnungsphase sei dann eine neue Verkehrserhebung in Ginseldorf geplant. Dann solle erneut geprüft werden, ob und wie der Verkehr auf dem Verbindungsweg von Bauerbach zu den Lahnbergen verringert werden könne.

Tempo-30-Zone in ganz Ginseldorf?

Mit den Ergebnissen seiner Zählung ist Nebel auch zu den Ortsbeiräten von Ginseldorf und Bauerbach gegangen. „Jetzt wird es ein politisches Thema“, ist er sich sicher. Das bestätigt auch Wiegand. So wolle der Ginseldorfer Ortsbeirat nun versuchen, einen gemeinsamen Sitzungstermin mit den Bauerbacher Nachbarn zu finden, um die Problematik zu besprechen.

„Wir müssen etwas tun, denn je mehr Menschen auf die Lahnberge fahren, desto mehr Verkehr bekommen wir vor die Haustüre“, ist Wiegand sich ­sicher. Schon jetzt bedeute der Verkehr eine erhebliche Einschränkung für die Ginseldorfer. Umso mehr freue er sich darüber, dass eine Tempo-30-Zone vor dem Kindergarten eingerichtet worden sei. „Unser Ziel wäre es jedoch, für den ganzen Stadtteil eine Tempo-30-Zone zu bekommen.“

von Patricia Grähling

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