Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
„Einfache Antworten gibt es nicht“

Neujahrsempfang Staatsarchiv „Einfache Antworten gibt es nicht“

Rund 100 Gäste aus ­Forschung, Politik und ­öffentlichem Leben ­kamen zum Neujahrs­empfang des Hessischen Staatsarchivs Marburg.

Voriger Artikel
Südbahnhof soll barrierefrei werden
Nächster Artikel
Grüne beraten über SPD-Bewerber

Staatsarchivleiter Dr. Andreas Hedwig erläuterte Probleme der alltäglichen ­Arbeit von Historikern.

Quelle: Björn-Uwe Klein

Marburg. Es war eine klare Botschaft, die Dr. Andreas Hedwig, Leiter des Hessischen Staatsarchivs Marburg, den Anwesenden vermittelte: „Einfache Antworten gibt es häufig nicht.“ Für Historiker sei dies eine ebenso banale wie wichtige Feststellung, sagte Hedwig, der zuvor auf die Bedeutung von Archiven eingegangen war. Die Arbeit mit Schriftquellen bezeichnete er als eine „Dauerherausforderung“.

Als eine weitere Herausforderung nannte der Archivleiter den Umgang mit problematischen Begriffen wie „kulturelle Identität“ oder „kulturelle Werte“. Beide Begriffe hätten eine historische Dimension, sie seien „nicht feststehend“, sondern „dynamisch“ - und für politische Argumentationen untauglich. Ihre Problematik äußere sich nicht nur in Bezug auf Pegida, sondern beispielsweise auch in Debatten über die Globalisierung. „Besagte Begriffe tragen uns auf, sie zu hinterfragen“, betonte Hedwig. Auf „interpretierende Diskussionen“ komme es an - und nicht nur auf historische Analysen.

Rund 100 Gäste aus Forschung, Politik und öffentlichem Leben kamen zum Neujahrsempfang des Hessischen Staatsarchivs Marburg.

Zur Bildergalerie

Der Archivleiter berichtete zudem über die Tätigkeiten der im Staatsarchiv ansässigen Historischen Kommission Hessen, die im vergangenen Jahr mit einigen Neuveröffentlichungen aufwartete. Meistverkauftes Buch sei das Werk über die NS-Vergangenheit ehemaliger hessischer Landtagsabgeordneter gewesen. Hedwig selbst hat es bearbeitet, Herausgeber ist Norbert Kampmann.

Über die Aktivitäten des Marburger Geschichtsvereins informierte der 2. Vorsitzende Professor Ulrich Ritzerfeld. Neun Exkursionen standen 2014 auf dem Programm, sie seien allesamt gut besucht gewesen, sagte Ritzerfeld, der auf ein weiterhin großes Interesse an den Projekten seines Vereins hofft. Wissenswertes über das Archiv der Philipps-Universität teilte dessen Leiterin Dr. Katharina Schaal den Anwesenden mit. So sind zum Beispiel die Namen fast aller Studierenden seit der Universitätsgründung im Jahr 1527 bekannt.

Im Anschluss an den offiziellen Teil versammelten sich die ­Gäste an den Stehtischen im Foyer des Hauses. Dort wurden in lockerer Atmosphäre Neujahrswünsche und Plausch bei Sekt und Häppchen ausgetauscht. Auch für das ein oder andere Fachgespräch fand sich am Abend noch Zeit.

Den nächsten Vortrag im Staatsarchiv hält am 29. Januar Susan Schlesinger. „Internationale Neugotik - Georg Gottlieb Ungewitter, seine Schüler und Frankreich“ lautet der Titel der Veranstaltung. Beginn ist um 19 Uhr.

von Björn-Uwe Klein

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr