Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
"Eines bin und bleibe ich: Antifaschist"

Historisches Stadtsiegel "Eines bin und bleibe ich: Antifaschist"

Der Jurist Dr. Heinz Düx, der vor 90 Jahren in Marburg geboren wurde, hat wesentlich an der justiziellen Aufarbeitung der NS-Verbrechenmitgewirkt.

Voriger Artikel
Versorgung auch nach Klinik-Aufenthalt
Nächster Artikel
Arm der Regierung, Lobbyist der Region

Dr. Heinz Düx (von links), seine Frau Helga Düx, Laudator
Dr. Georg Falk und Oberbürgermeister Egon Vaupel bei der
Verleihung.Foto: Katharina Meyer zu Eppendorf

Marburg. Dr. Heinz Düx ist „kein Freund kleinbürgerlicher Euphorie über die Ehrung der eigenen Person.“ Dass die Verleihung des Historischen Stadtsiegels durch Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) im Historischen Saal des Rathauses trotzdem eine nicht nur für die Stadt Marburg historisch notwendige und wichtige war, wird klar, sobald man von Leben und Wirken des gerade 90 Jahre alt gewordenen Geehrten erfährt.

Kindheit und Jugend verbrachte er in seiner Geburtsstadt Marburg. Auch dort wurde die NSDAP unterstützt, wurden Juden diskriminiert und entrechtet und die Synagoge im November 1939 in Brand gesetzt. Und auch die Militarisierung der Schulen erlebte Düx am eigenen Leib. „In der linken Ecke sitzt der Heinz, das ist der Staatsfeind Nummer eins“, wollten seine Mitschüler in die Klassenzeitung drucken lassen, weil Düx das System der Nazis schon damals ablehnte.

Nach Zusammenbruch des NS-Regimes Eintritt in KPD

Dass er nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes in die KPD eintrat, war für ihn, vor allem im Hinblick auf seine persönlichen Erfahrungen trotzdem mehr eine „notwendige Maßnahme“ als eine einer reinen politischen Ideologie folgende. „Die KPD hatte damals als vormals jüdische Partei dem NS-Bild etwas entgegenzusetzen“, erklärt er diesen Punkt in seiner Vita.

Sich allerdings längerfristig in feste Strukturen einzubetten, lehnte er trotz seiner vielfältigen Beteiligungen in Vereinen und Organisationen in späteren Jahren entschieden ab, weshalb er nicht nur aus der KPD austrat, sondern auch in keine weitere Partei eintrat. Denn nichts war dem Juristen in seiner Tätigkeit als Anwalt, Richter und juristisch-gesellschaftlicher Publizist wichtiger, als „die eigene Meinung zu behalten“. Und er fügt hinzu: „Eines bin und bleibe ich: Antifaschist“.

Zu welch besonderem gesellschaftlichen Engagement sein kritischer Kopf schließlich im Besonderen fähig war, zeigte sich vor allem in seiner Tätigkeit als Richter, der sich mit der Entschädigung von NS-Opfern auseinandersetzte. Unter anderem Laudator und Richter am Oberlandesgericht Frankfurt sowie Mitglied des Hessischen Staatsgerichtshofes - Dr. Georg Falk, hat dies, auch aus einem fachlichen juristischen Blick im Besonderen unterstrichen.

Einsatz für Neuordnungder Rechtssprechung

Denn trotz der sogenannten Entnazifizierung nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes, konnten sich ehemalige NS-Anhänger und Täter während des beginnenden Kalten Krieges in der neuen Bundesrepublik flächendeckend ungestraft in die neuen Institutionen bewegen.

Düx bewegte sich als Richter, der sich mit den Entschädigungen der NS-Opfer beschäftigte, indes juristisch wie auch menschlich auf der Seite derer, die im Nachkriegsdeutschland „für die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“ und eine „historische Neuordnung der Rechtssprechung“ eingetreten sind, wie es Falk formulierte. Dafür ist er mit dem Historischen Stadtsiegel ausgezeichnet worden.

von Katharina Meyer zu Eppendorf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr