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Einen Tag als Rollstuhlfahrer unterwegs

Stadtrallye Einen Tag als Rollstuhlfahrer unterwegs

Es war nur ein Spiel, aber ein sehr aufregendes, das am Ende ihre Sichtweise auf behinderte Menschen veränderte: Drei Schüler machten mit dem Rollstuhl eine Stadtrallye durch die Innenstadt.

Marburg. Lennard Kirsch (12) und Yannick Schlüter (12) sind gesunde Jungs, manchmal frech, manchmal albern. Sie namen an einem besonderen Kurs teil, der gemeinsam mit dem Verein zur Förderung der Integration Behinderter (fib) angeboten wurde. Die Marburger Schüler meisterten eine Stadtrallye, deren Schwierigkeit darin bestand, mit einem Rollstuhl unterwegs zu sein. Vor der „Reise“ stand die Pädagogin Naxina Wienstroer von der fib-Beratungsstelle, die selbst im Rollstuhl sitzt, den Kindern Rede und Antwort.

Kurze Zeit später konnten die Schüler erfahren, welche Bedingungen Körperbehinderte im Alltag erleben. Immer abwechselnd saß einer im Rollstuhl, die anderen schoben. Station 1 der Rallye war das Kaufhaus Ahrens. „Dort war es super“, sagten die Ferienspiel-Teilnehmer einstimmig. „Wir wurden von Kunden und von Verkäufern gefragt, ob man uns helfen kann“, berichtete Yannick. Zudem sei in der Spielzeugabteilung genug Platz gewesen, um mit dem Rollstuhl durchzufahren. „Das hat Spaß gemacht, die Leute waren freundlich und wir konnten alles machen“. Einem Drogeriemarkt, den sie laut ihrer Rallye-Liste aufsuchen sollten, konnten die Schüler überhaupt keine Punkte vergeben, weil sie nicht einmal reinkamen. Die Rampe fehlte.

„Das habe ich absichtlich gemacht“, lachte Naxine Wienstroer. Die Schüler sollten erkennen, dass es wichtige Geschäfte und Orte gibt, die nicht barrierefrei sind. Die drei waren sich am Ende einig: Solch eine Rallye würden sie jederzeit wieder machen. „Das war total spannend“, so Lennard. „Jeder von uns wird jetzt, wenn er Behinderte auf der Straße sieht, eher mal fragen, ob er helfen kann“, sagte einer der Jungs. „Wir haben ein anderes Bild von Behinderten bekommen“, sagte Yannick.

von Anna Ntemiris

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