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Eine wahnsinnig fette Beute

Frittenfett-Klau Eine wahnsinnig fette Beute

Dieser Kriminalfall riecht verdächtig - und zwar nach Burgerfleisch und Pommes. Mit 1050 Kilogramm geklautem Fett "brannten" Unbekannte durch. Die OP-Leser diskutieren im Netz über die Hintergründe.

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Den Fett-Dieben aus Marburg ging es bei ihrem Raubzug wohl kaum um den kulinarischen Aspekt. Mit dem dunklen Extrakt lassen sich sogar Fahrzeuge antreiben.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Als Andreas Nagler am Dienstagmorgen das Burger King-Gelände in der Afföllerstraße betrat, schien alles wie immer: der Filialleiter begann, wie gewohnt, mit seiner Arbeit. Später am Tag fiel ihm auf, dass der große Kanister hinter der Filiale, der sonst mit dem gebrauchten Fett gefüllt war, fehlte: „Im ersten Augenblick dachte ich, das Fett sei von einer Fremdfirma abgeholt worden. Nachdem ich aber meine Schichtführer gefragt hatte, ob ein Lastwagen dagewesen sei, stellte sich heraus, dass das ganze Fett tatsächlich geklaut wurde“.

Nagler sagte, er habe bereits durch andere Gastronomen von solchen Diebstählen gehört. In seiner Filiale am Marburger Messegelände sei dies jedoch zum ersten Mal vorgekommen. Allein die Masse des geklauten Fetts mache den Vorfall zu einem besonderen, erklärt der Marburger Oberkommissar Karl Heinz Brössel. „Da reichen keine fünf Mann zum Anheben, man braucht schon entsprechendes Hebewerkzeug, wie einen Hubwagen. Dazu ein entsprechend großes Gefährt für den Abtransport.“

Aber wozu der ganze Aufwand? Ist das hellbraun glänzende „Gold“ zum Einreiben der Männertanzgruppe „Chippendales“ bestimmt, wie OP-Leserin Nicole Hentschke meint, oder zum „Bude heizen“, wie es Facebook-Nutzer Kai Lieber beschreibt? Eines ist sicher, der Fall des gestohlenen Frittenfetts in der Burger-King-Filiale Marburg bleibt ein Kuriosum.

Eine der wahrscheinlichsten Erklärungen für den Fettraub lieferte Facebook-Nutzer Thomas Eddi Czyrzewski: Die Diebe gießen das Fett in ihr Auto. Das klingt erstmal nach Pippi Langstrumpfschem Wunschdenken, aber im Laufe der Diskussion meldeten sich weitere Nutzer, die sagten, ihr Auto mit Frittenöl tanken zu können. Geht das wirklich? Peter Zimmer vom ADAC Marburg sagt: „Ja, das geht“.

Allerdings nicht mit jedem Auto. Es muss ein Diesel sein - ein Diesel der älteren Generation mit so genannte Saugdiesel. Wer sein altes Fritteusenfett in den neuen BMW kippt, macht sein Auto kaputt. Anders sieht das zum Beispiel bei einem 1er Golf Diesel aus, bei einem alten Lkw oder einer Baumaschine. „Wenn man die Kartoffelstückchen rausfiltert“, so Zimmer, könne man einen alten Traktor durchaus mit dem bei Burger King geklauten Fett betreiben.

Der Verbrauch sei dann vielleicht etwas höher als bei herkömmlichem Diesel, mit 1050 Kilo könnte man aber trotzdem relativ weit kommen: Wenn man bei einem alten Diesel-Golf von zwölf Litern Öl pro hundert Kilometern ausgeht, reicht die Beute für rund 8000 Kilometer.

Damit käme der Dieb von Marburg bis über die Grenze nach Indien, kurz vor die Tore von Neu Delhi. Aufmerksamkeit würde das mit dem Fett betriebene Fahrzeug jedoch aufgrund des Geruchs auf sich ziehen. „Das Ding riecht beim Fahren halt wie ne Frittenbude“, sagt der Oberkommissar Karl Heinz Brössel.

Muss man eigentlich von Diebstahl sprechen, wenn Abfall geklaut wird? Der Jurist würde sagen, das kommt drauf an. Der Marburger Rechtsanwalt Hans-Berndt Ziegler legt den Fall so aus: Burger King ist verpflichtet, das Fett ordnungsgemäß zu entsorgen. Wenn also jemand das Fett vom Hof holt, der nicht dazu beauftragt ist, es entsprechend zu recyceln, dann ist es Diebstahl. Eins steht jedenfalls fest: Mundraub war es nicht, sagt Jurist Ziegler. Dieses Delikt gibt es nämlich gar nicht mehr.

von Thomas Strothjohann und Dennis Siepmann

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