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„Eine historische Chance für den Kreis ist vertan“

Freie Wähler üben Kritik „Eine historische Chance für den Kreis ist vertan“

„So haben die 70 000 Menschen, die Kirsten Fründt ihre Stimme gaben, sich das nicht vorgestellt.“ Jürgen Reitz, der Fraktions-Chef der Freien Wähler, ist davon überzeugt, dass Bürgerwille im Landkreis gerade mit Füßen getreten wird.

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Eintracht in der alten Koalition: Jürgen Reitz während einer Kreistagssitzung neben der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Sandra Laaz.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Jürgen Reitz ist bitter enttäuscht. Und traurig über eine „historische Chance für den Kreis“, die vertan ist“. Versprechungen von Bürgerbeteiligung, von Transparenz in der Politik, offener Kommunikation, von Dialogbereitschaft gegenüber allen Fraktionen und den Bürgern: „Ich habe ihre Worte noch im Ohr - ich habe mir das auch alles aufgeschrieben“, sagt Jürgen Reitz über Landrätin Kirsten Fründt.

Der Vorsitzende der Freien Wähler hat auf die neue Landrätin gebaut. Und jetzt kommt alles ganz anders, als er es erwartet und sich gewünscht hat. Die Zeit bis zur Kommunalwahl 2016, die unweigerlich Veränderungen in der Zusammensetzung des Kreistags mit sich bringen wird, sah Reitz als eine Phase, die der neuen Landrätin beste Möglichkeiten gegeben hätte, um sich zu bewähren und um ihrem Politikstil Raum zu geben. „Wir hätten in wechselnden Mehrheiten entscheiden können - Kirsten Fründt hätte diesen Prozess moderieren und dabei zeigen können, wie man Mehrheiten findet und Menschen mitnimmt. Ich habe mir gewünscht, dass sie das Heft in der Hand behält.“

Große Koalition scheint sicher

Dass die SPD jetzt mit der CDU an einer großen Mehrheit schmiedet, kann aus Sicht des FW-Mannes nur von Nachteil sein: „Eine große Koalition wird uns nichts Gutes bringen - da prallen die Interessen zu hart aufeinander. Und Regieren in einer so dominanten Mehrheit ist auch nicht gut, da fällt die Notwendigkeit weg, einen Dialog zu führen und mit der Opposition eng zusammenzuarbeiten.“

Die Koalitionsgespräche, die jetzt zwischen den beiden großen Fraktionen laufen, kamen für Reitz nicht etwa überraschend. Die CDU habe den Freien Wählern als langjährigem Koalitionspartner schon Ende 2013 mitgeteilt, mit der SPD in Gespräche treten zu wollen. Die Freien Wähler ihrerseits signalisierten ihr Interesse, an einem rot-grünen Bündnis mitzuwirken - die SPD ging auf das Angebot der Grünen nicht ein. Die bestehende Koalition aus CDU, Grünen und Freien Wählern wurde bislang nicht offiziell aufgelöst - obwohl weder in der SPD noch in der CDU jemand ernsthaft davon ausgeht, dass die laufenden Verhandlungen scheitern. Die große Koalition für Marburg-Biedenkopf nebst der Abwahl des Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Karsten McGovern (Grüne) scheinen so gut wie sicher.

"Das sind doch eine Menge Stimmen"

Anfang Februar gab es die letzte Koalitionsrunde der alten Mehrheitsfraktionen - ein Termin, der danach noch angesetzt war, platzte, weil die aktuelle Entwicklung bereits eingesetzt hatte. „Das, was jetzt läuft, ist doch alles nur Parteistrategie - das hat mit Konstruktivität nichts zu tun“, sagt Jürgen Reitz und stellt heraus, dass die große Mehrheit der Menschen im Landkreis mit der Wahl Kirsten Fründts auch wechselnde Mehrheiten gewählt habe. „Das Wahlergebnis war ein Geschenk der Bürger für die Politik auf Kreisebene - deshalb ist es so schade, dass die Landrätin ihren Weg jetzt nicht weitergeht“, beklagt der Freie-Wähler-Chef.

Für Reitz steht fest, dass es eine Abwahl McGoverns nur ohne Beteiligung der Freien Wähler geben wird. „Wir haben ihn schließlich vor fünf Jahren wiedergewählt - und das haben wir getan, weil er eine sehr gute Arbeit geleistet hat.“ Der FW-Mann verdeutlicht, dass McGovern in den vergangenen Jahren mit so großen Fachbereichen wie dem für die Schulen eine riesige Verantwortung getragen habe. „Da ist es nicht entscheidend, ob man ihn arrogant findet oder als Wahlverlierer sieht - er hat ja über 20 Prozent bekommen bei der Landratswahl, das sind doch eine Menge Stimmen.“ Die FW-Fraktion werde den Protest der neun Bürgermeister aus dem Landkreis, die gegen McGoverns Abwahl initiativ geworden sind, voll unterstützen - so wie schon Bürgermeister Bernd Schmidt aus Dautphetal, der auch FW-Kreistagsabgeordneter ist.

Die aktuellen Ereignisse an der Kreisspitze lassen Reitz glauben, dass ein wichtiger Vorsatz, für den Kirsten Fründt in ihrem Wahlkampf gestanden habe, schon dahin sei, nämlich, „dass die Bürger das Gefühl haben, dass es sich lohnt, sich zu engagieren und mitzuwirken“.

Leser-Befragung

Die OP will es wissen: Wie bewerten die Menschen im Landkreis die Ereignisse an der Kreisspitze? Stimmen Sie auf unserer Hompage ab unter www.op-marburg.de

Wie soll es Ihrer Meinung nach weitergehen in der Kreispolitik?

1) Bis zur Kommunalwahl 2016 sollte die neue Landrätin Kirsten Fründt mit wechselnden Mehrheiten im Kreistag regieren. Die alte Koalition aus CDU, Grünen und Freien Wählern bleibt bestehen.

2) SPD und CDU bilden eine große Koalition und wählen vorzeitig den Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Karsten McGovern (Grüne) ab.

3) Mir egal, die machen doch eh, was sie wollen.

Mehr Informationen zu diesem Thema lesen Sie  hier

von Carina Becker

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