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Eine gute Nacht für Langschläfer

Winterzeit Eine gute Nacht für Langschläfer

Wer hat an der Uhr gedreht? Am Sonntagmorgen um 3 Uhr wird die Zeit wieder einmal um eine Stunde zurückgestellt. Doch warum eigentlich und welche Auswirkungen hat die Umstellung?

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In der Nacht von Samstag auf Sonntag zeigt die Uhr zweimal „halb 3“. Um 3 Uhr wird in Deutschland wieder auf die Winterzeit zurückgestellt.

Quelle: Jan Woitas

Marburg. Zweimal im Jahr stellen sich viele Menschen die immer gleiche Frage: Wird die Uhr nun vor oder doch zurück gestellt? Auch Merksätze wie „Im Sommer werden die Gartenmöbel VOR das Haus gestellt und im Winter wieder ZURÜCK“ oder „Die Uhr wird immer zum Sommer hin gestellt“ vermögen da oft nicht zu helfen. In NRW ergab eine Studie jüngst sogar, dass sich 72 Prozent der Bürger gegen den halbjährlichen Wechsel aussprechen. Dabei haben Sommer- und Winterzeit durchaus einen sinnvollen U(h)rsprung.

Seit 1980 gilt in Deutschland das Zeitgesetz, das für den letzten Sonntag im März ein Vorstellen der Uhr und für den letzten Sonntag im Oktober das Zurückstellen der Uhr um jeweils eine Stunde vorsieht. Zweck des Gesetzes ist „die bessere Ausnutzung der Tageshelligkeit“, von der man sich besonders nach dem Schock der Ölkrise in den 70er-Jahren Energieeinsparungen erhoffte. Zudem ist die Bundesrepublik mit der Umstellung nicht allein - seit 1996 gilt eine einheitliche Sommerzeit sogar in ganz Europa. Die Zeitanpassung dient also auch der Einheitlichkeit mit den Nachbarländern.

Für unseren Biorhythmus ist der Wechsel zur Winterzeit ebenfalls gut, erklärt der Schlafmediziner Professor Werner Cassel von der Philipps-Universität. „Die Umstellung ist eher unproblematisch, weil wir ja eine Stunde gewinnen“, führt er aus. Zudem entspräche die winterliche Regelung „dann auch eher wieder der natürlichen Zeit“. Während der Sonnenhöchststand während der Sommermonate in Deutschland erst etwa um 13.30 Uhr erreicht ist, fällt er im Winter circa auf 12.30 Uhr - mit lokalen Abweichungen.

„Hochsommerzeit“ nach dem Zweiten Weltkrieg

Aus schlafmedizinischer Sicht ideal wäre es, so Cassel, „wenn wir noch die örtliche Uhrzeit hätten“. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Zeitzonen weltweit vereinheitlicht. Zuvor hatte es in verschiedenen deutschen Städten noch verschiedene Zeiten gegeben, die sich zumeist nach der vom Kirchturm angezeigten Norm richteten. Während des Ersten Weltkriegs, in den Jahren 1916 bis 1918, wurde dann im Deutschen Reich erstmals die Sommerzeit eingeführt. Um in der Rüstungsindustrie produktiver zu sein, galt sie dann auch während des Zweiten Weltkrieges wieder. Zwischen 1947 und 1949 gab es neben der Sommerzeit sogar noch eine „Hochsommerzeit“, während der die Uhr noch um eine weitere Stunde nach vorne gestellt wurde. Im zerstörten Deutschland war die Ausnutzung der Tageshelligkeit besonders wichtig. Als das Land sich erholte, wurde dementsprechend ab 1950 erst einmal gar nicht mehr an der Uhr gedreht.

Kurioses rund um die Zeitumstellung ereignet sich aber auch heutzutage immer wieder. So verschnarchte vor einigen Jahren ausgerechnet der Telekom-Weckdienst die Sommerzeit. „Etliche Menschen sind zu der alten Zeit geweckt worden“, sagte eine Mitarbeiterin des Erinnerungsservice. Der Grund für die Verspätung seien technische Probleme bei Computern gewesen. In Niedersachsen sorgte die Technik einst ebenfalls für Probleme. Dort standen knapp zwei Dutzend Finanzbeamte zwei Stunden lang vor den verschlossenen Türen ihres Amtes.

Der Eingang war einfach nicht aufzukriegen, denn der Computer hatte die Zeit anstatt zurück um eine Stunde vorgestellt. Aber auch Menschen machen bekanntlich Fehler. CSU-Chef Horst Seehofer verschlief beispielsweise im April dieses Jahres eine für acht Uhr angesetzte Telefonkonferenz mit der Bundeskanzlerin. Er hatte vergessen, seinen Wecker auf Sommerzeit umzustellen.

Ohnehin fällt uns die Umstellung im April deutlich schwerer, als die, die uns nun bevorsteht meint Cassel. „Man kann nun erst einmal wieder besser aufstehen, weil es ja schon hell ist“, erläutert er. Besonders gilt das für „Abendtypen“, die eher dazu neigen, spät aufzustehen. Problematisch, so Cassel, könnte die Umstellung höchstens für einige „Morgentypen“ sein. Wenn diese ihren Sommer­rhythmus beibehielten, könne es sein, dass sie zu einer so frühen Zeit aufstünden, „in der sie noch gar nichts Sinnvolles tun können“.

von Peter Gassner

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