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Eine Umarmung - und Wertsachen sind weg

Trickdiebe unterwegs Eine Umarmung - und Wertsachen sind weg

Die bösen Tricks, an das Hab und Gut anderer Menschen zu gelangen, sind vielfältig. Doch sie beginnen alle gleich: Das Opfer muss erst einmal abgelenkt werden, um dessen Aufmerksamkeit zu minimieren.

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Eine herzliche Umarmung, die mit einer bösen Überraschung endet. Die liebe nette Person, die sich nur für eine Auskunft bedanken will, greift ungeniert in die fremde Handtasche.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Wie viel Uhr haben wir? Der Blick der älteren Dame fällt auf ihr Handgelenk - auf zwar nur auf ihr Handgelenk. Eben war dort doch noch meine Uhr, denkt sie erschrocken. Habe ich sie etwa verloren? Oder doch gar nicht zu Hause angelegt? Quatsch, ich habe doch der netten Person von eben noch meine Uhr gezeigt. Na, die nette Person die sie sogar zum Abschied noch umarmt hat.

Solche oder so ähnliche Geschichten kennt die Polizei zur Genüge. Für sie ist der Fall klar, hier waren wieder Trickdiebe am Werk und sie haben leider wieder ganze Arbeit geleistet. Deshalb setzt die Polizei auf Aufklärung und mahnt Mitbürger, insbesondere ältere Menschen, zu extremer Vorsicht, denn die Diebe schrecken vor nichts zurück, nutzen jede Gutgläubigkeit eiskalt und raffiniert aus.

Nach Fällen in Linden und Langgöns wurden nun zwei Menschen in Gießen Opfer von Trickdieben. So eine 73-Jährige direkt vor ihrem Haus. Sie konnte erst im allerletzten Moment den Diebstahl verhindern. Vor ihr hielt ein Pkw an, in dem vier Personen saßen. Der Fahrer sprach die 73-Jährige an und fragte nach dem Weg zum Krankenhaus. Ein Bekannter habe Geburtstag und man wolle ihn dort besuchen.

Die Frau gab bereitwillig Auskunft und es kam zu einem kurzen Wortwechsel, bei dem sie äußerte, dass eine Angehörige von ihr ebenfalls Geburtstag habe. Dies reichte dem fremden Fahrer schon, der 73-Jährigen Schmuck schenken zu wollen und sofort stieg auch eine der Frauen aus dem Pkw aus und probierte, ohne zu zögern der Frau eine Kette um den Hals zu legen. Diese aber bemerkte, dass ihr die fremde Frau fingerfertig die Kette, die die 73-Jährige um den Hals trug, gelöst hatte und nun versuchte, sie in der Hand versteckt zu stehlen. Sie sah noch einen Rest ihrer Kette aus der Hand der Frau ragen, fuhr sie vehement an und forderte erfolgreich ihre Kette zurück. Die Frau stieg wieder ein und der Pkw fuhr davon.

Wenig später klappte der Trick. Eine 75-Jährige bemerkte zwar ebenfalls, dass ihre Kette am Hals gelöst wurde, merkte aber nicht, dass sie schon gegen billigen Modeschmuck ausgetauscht war, als die Frau wieder schnell in den Wagen stieg.

Seit April dieses Jahres registrierte die Polizei in Hessen schon fast 100 Fälle des sogenannten „Kettentricks“. Unter anderem wurden am 26. und 27. Juli zwei Fälle aus Neustadt und Stadtallendorf bekannt. Der Schaden belief sich auf insgesamt 1000 Euro (die OP berichtete).

Aktuell sei zu beobachten, dass die Täter auch Gewalt anwenden, wenn sie mit ihrem Trick keinen Erfolg haben. Erfahrungsgemäß stammen die überörtlich agierenden Trickbetrüger beim „Kettentrick“ aus dem osteuropäischen Raum, während es sich beim direkten „Kettenraub“ überwiegend um zumeist jugendliche Personen aus dem nordafrikanischen Raum handele.

„Das Ziel von Trickdieben ist es, in den Besitz von Wertsachen anderer zu kommen. Als Mittel dient immer eine Ablenkung der Opfer, die auf unterschiedliche Weise herbeigeführt wird“, sagt Marburgs Polizeisprecher Martin Ahlich. Sehr beliebt sei eine angeblich herzlich gemeinte schnelle Umarmung als Zeichen der Dankbarkeit für eine Auskunft. Ziel sind jedoch Armbanduhren, Halsketten oder die Geldbörse in der Handtasche.

Gerade jetzt, also in den Sommermonaten, besteht die Gefahr, Opfer einer solchen Straftat zu werden. Durch die leichtere Bekleidung lässt sich für die Diebe optisch gut feststellen, wer sich als „ergiebiges Opfer“ lohnt.

von Götz Schaub

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